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SinaVon 3 Min. Lesezeit

Renault: Von China lernen, 2028 gleichziehen

Renault baut sein China-Entwicklungszentrum ACDC aus und will Entwicklungszeiten deutlich verkürzen. Der neue Twingo ist der Beweis — 2028 soll die nächste E-Generation folgen.

Renault: Von China lernen, 2028 gleichziehen

Renault setzt auf chinesische Entwicklungsgeschwindigkeit, um im Elektrozeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf der Auto China hat der französische Konzern seine Strategie konkretisiert: Mit dem 2024 gegründeten China-Entwicklungszentrum ACDC (Advanced China Development Center) will Renault lernen, neue Modelle schneller und günstiger auf die Straße zu bringen — ohne bei der Qualität Zugeständnisse zu machen. Erster Beleg ist der neue Twingo, der in nur zwei Jahren entwickelt wurde.

Zwei Teams, zwei Kulturen

Das ACDC in China beschäftigt rund 200 Mitarbeiter, während die französische Entwicklungsabteilung etwa 5.000 Ingenieure umfasst. Die Zahlen zeigen die Strategie: Ein kleines Team soll Methoden erproben, die später den gesamten Konzern prägen. Renaults Technikvorstand Philippe Brunet nennt drei Ziele des Zentrums: die chinesische Geschwindigkeit und Effizienz verstehen, die Kostenwettbewerbsfähigkeit stärken und das chinesische Technologie-Ökosystem für den globalen Markt nutzbar machen.

Der Ansatz geht über reine Teilebeschaffung hinaus. ACDC war bereits am aktuellen Twingo und am neuen Spring beteiligt, ein weiteres Projekt ist noch nicht öffentlich. Die Chinesen liefern nicht nur Komponenten, sondern verändern die Entwicklungsprozesse im Mutterkonzern.

Warum „China-Tempo" nicht eins zu eins funktioniert

In China gehört schnelles Iterieren zum Alltag: Prototyp bauen, testen, verbessern. In Europa gelten strengere Vorgaben bei Vorab-Validierung und Qualitätssicherung. Brunet betont, Renault werde bei der Qualität „niemals Kompromisse eingehen". Der Unterschied liege im Kaufverhalten: Chinesische Kunden kaufen eher wegen neuer Technik, europäische Käufer entscheiden über Markengeschichte, Design und Emotion — und verzeihen Qualitätsfehler kaum.

Renault überträgt das Tempo deshalb nicht direkt, sondern zerlegt es in eine neue Engineering-Methode. Statt sequenzieller Abläufe (Team A übergibt an Team B, danach Prüfung) setzt der Konzern auf parallele Entwicklung mit schneller gegenseitiger Reaktion. Ändert ein Team sein Konzept, müssen die anderen sofort nachziehen. Genau das, so Brunet, beherrschten chinesische Teams besser als die europäische Organisation.

Twingo als Beweis — 2028 als Prüfstein

Der neue Twingo widerlegt nach Renaults Darstellung den internen Glaubenssatz, ein neues Auto brauche mehr als zwei Jahre. Seine Entwicklungsmethode soll nun zum Standard im Konzern werden. Ob sie sich auf größere und komplexere Fahrzeuge der B- und C-Klasse übertragen lässt, ist offen — längere Lieferketten und aufwendigere Qualitätsprüfungen erschweren das.

Mit der Strategie „futuREady" verfolgt Renault vier Säulen: Wachstum, Technologie, operative Exzellenz und Vertrauen. Bis 2030 sind 36 neue Modelle geplant, die Entwicklungszeit soll auf zwei Jahre sinken. Beim Thema Elektronik und Software sieht Brunet die europäischen Hersteller deutlich hinter China — ACDC soll diese Lücke schließen, aber nicht jede verfügbare Technik ungeprüft ins Auto packen. Renault will Technik an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten, statt Ausstattung zu stapeln.

Der entscheidende Prüfpunkt kommt 2028: Dann startet die nächste Elektro-Generation von Renault. Brunet will dann sagen können, der Konzern stehe chinesischen Wettbewerbern auf Augenhöhe gegenüber. Ob eine 200-Mann-Einheit die Trägheit eines Großkonzerns verändern kann, wird sich erst dann zeigen.


In Europa

Renault ist in Deutschland mit einem breiten Modellprogramm vertreten, vom Kleinwagen Clio bis zum Elektro-SUV Scenic. Der neue Twingo, der die beschleunigte China-Entwicklung erstmals demonstriert, ist als preisgünstiger E-Kleinwagen für den europäischen Markt vorgesehen. Die 2028 angekündigte nächste Elektro-Generation soll auch hierzulande an den Start gehen — sie wird zeigen, ob die verkürzten Entwicklungszyklen Kosten und Preise spürbar senken.