Chery: Feststoffbatterie mit 400 Wh/kg ab 2027
Auf der Chery Global Innovation Conference am 20. Oktober 2026 hat der Hersteller aus Wuhu seine Batteriefamilie „Rhinoceros" vorgestellt. Kernstück ist die Feststoffbatterie Rhinoceros S mit einer angegebenen Energiedichte von 400 Wh/kg. Für die Serienfertigung nennt Chery (奇瑞) eine eigene Pilotlinie, die 2027 in Betrieb gehen soll.
Zwei Zelltechnologien, zwei Zeitpläne
Chery hatte den Bau einer Pilotanlage mit 0,5 GWh Kapazität für Feststoffzellen der 60-Amperestunden-Klasse bereits im Februar 2026 abgeschlossen; Anfang Oktober folgten Ausschreibungen für Fertigungsanlagen. Ob die für 2027 angekündigte Linie mit dieser Anlage identisch ist, lässt das Unternehmen offen. Auch die Inbetriebnahme einer Pilotlinie und die Fahrzeugerprobung sind getrennte Schritte: Konzernchef Yin Tongyue sprach im September davon, dass Tests auf Fahrzeugebene 2027 beginnen sollen. Ein Termin für die Auslieferung an Kunden lässt sich daraus nicht ableiten.
Die 400 Wh/kg sind zudem nicht der einzige Wert im Programm. Chery hat früher eine Feststofftechnologie mit 600 Wh/kg präsentiert — allerdings mit anderer Elektrolyt- und Kathodenchemie. Für die 400-Wh/kg-Zelle nennt der Hersteller einen sulfidbasierten Elektrolyten und eine hoch-nickelhaltige NMC-Kathode, für die 600-Wh/kg-Variante einen in-situ polymerisierten Elektrolyten und eine lithiumreiche Mangan-Kathode. Die Zahlen beschreiben also unterschiedliche technische Ansätze und sind nicht direkt vergleichbar.
Thermisches Fenster und offene Fragen
- Energiedichte: 400 Wh/kg
- Betriebstemperatur: −40 °C bis 100 °C
- Interner Thermo-Box-Test bei 200 °C (Dauer und Ladezustand nicht genannt)
- Reichweitenziel langfristig: bis zu 1.500 km — nach chinesischem CLTC-Zyklus (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP), entspricht ca. 1.280 km (WLTP-Schätzwert)
- Serienfertigung: frühestens 2027, zunächst als Pilot- und Erprobungsphase
Als technische Knackpunkte nennt Chery den Materialkontakt an den Grenzflächen, die Integration ins Batteriepaket und das eigene Batteriemanagement (Dedicated Management System, DMS). Bei Feststoffzellen bleibt der stabile Kontakt zwischen festem Elektrolyten und Elektroden über viele Ladezyklen die zentrale Herausforderung.
Flüssigelektrolyt, Natrium-Ionen und Ammoniak
Die Rhinoceros-Familie umfasst mehr als Feststoffzellen. Für konventionelle Zellen mit Flüssigelektrolyt nennt Chery eine Spitzenladelistung von 12C und im Mittel über 8C — diese Werte gelten ausdrücklich nicht für die Rhinoceros-S-Feststoffzelle. Für stationäre Speicher nennt der Hersteller Natrium-Ionen-Zellen mit bis zu 15.000 Zyklen für Gewerbe- und Wohnanwendungen.
Ein Nebenschauplatz ist ein mit Ammoniak betriebenes Festoxid-Brennstoffzellensystem (SOFC) zur stationären Stromerzeugung. Chery nennt einen elektrischen Wirkungsgrad von 60 %, 90 % bei Kraft-Wärme-Kopplung, eine regelbare Leistung zwischen 30 und 100 % und ein Einsatzfenster von 90 Tagen. Ammoniak gilt als Wasserstoffträger, doch Herstellung und Aufbereitung beeinflussen Gesamtwirkungsgrad und Emissionen — aus grünem Ammoniak allein folgt keine emissionsfreie Bilanz. Denkbare Anwendungen sind dezentrale Stromerzeugung und abgelegene Ladeinfrastruktur.
Zeitgleich mit CATL und BYD
Mit dem 2027er-Zeitplan reiht sich Chery in eine Gruppe chinesischer Hersteller und Batterieproduzenten ein, die in diesem Jahr die Versuchsfertigung oder Fahrzeugvalidierung von Feststoffbatterien anpeilen. Sowohl CATL als auch BYD haben eine Kleinserienproduktion für 2027 avisiert. Die Programme stehen jedoch auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen — ein Hinweis auf eine Großserienfertigung im Jahr 2027 ist damit nicht verbunden.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Der Batterieroadmap kommt damit auch für deutsche Kunden Gewicht zu: Sollte die Feststoffzelle 2027 in die Erprobung gehen, wäre eine Markteinführung in Europa frühestens Ende des Jahrzehnts realistisch. Bis dahin setzt Chery in Europa auf Flüssigelektrolyt-Zellen — die 12C-Ladefähigkeit ist dabei der Wert, der im Wettbewerb gegen etablierte Anbieter zählt. Ein konkretes Modell für Deutschland ist mit der Ankündigung nicht verbunden.