Chery baut E-Mopeds: 300-Euro-Roller im Yamaha-Stil
Chery (奇瑞) wagt den Sprung auf zwei Räder. In der aktuellen Produktliste des MIIT (chinesisches Industrie- und Informationsministerium) ist ein einfaches elektrisches Kleinkraftrad des Herstellers aufgetaucht — optisch eng an Yamahas Vino-Baureihe angelehnt, die normalerweise mit 150-cm³-Verbrenner läuft. Preise nennt Chery noch keine; vergleichbare Klon-Roller aus China kosten rund 300 € (ca. 2.000 Yuan). Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Ein Roller von der Stange
Technisch ist das Fahrzeug bewusst schlicht gehalten: ein Radnabenmotor im Hinterrad, Blei- oder Kleinstakku mit weniger als 2 kWh Kapazität. Die Reichweite liegt bei rund 50 km (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) — das entspricht ca. 40 km (WLTP-Schätzwert). Solche Baukästen sind in China seit fast zwei Jahrzehnten Standard: Hersteller aller Größen teilen sich Rahmen, Karosseriehüllen und Antriebskomponenten, um Kosten zu drücken. Entsprechende Nachbauten von Honda Zoomer, Yamaha Jog oder Vespa sind auf chinesischen Shopping-Plattformen für umgerechnet ca. 260 bis 300 € (ca. 2.000 bis 2.300 Yuan) zu haben.
Der Schritt ist für Chery vor allem ein Testlauf. Chinesische Beobachter rechnen damit, dass der günstige Roller die Montagelinien in Gang bringt, bevor teurere Modelle folgen. Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns hat bereits Ende September die behördliche Freigabe für die Motorradproduktion erhalten.
Cinnox: Elektro-ADV und EREV-Cruiser
Auf einem internen Technik-Event am Hauptsitz in Wuhu zeigte Chery bereits zwei geplante Modelle der neuen Zweiradmarke Cinnox. Der eine ist als „rein elektrischer Adventure-Roller" (ADV) klassifiziert und soll 150 bis 200 km weit kommen — laut Hersteller aufladbar an einer „Pkw-Ladestation", wobei offen bleibt, ob AC oder DC. Der zweite, der „Grow C3", ist ein Range-Extender-Elektrofahrzeug (EREV — Elektromotor mit Verbrenner als Generator). Chery vermarktet ihn als „weltweit ersten reichweitenverlängerten KI-Cruiser" und positioniert ihn als Camping-Begleiter mit V2L-Funktion, also einer Steckdosenfunktion für externe Verbraucher.
Warum Chery das Zweirad braucht
Chinas Automarkt gilt als gesättigt, der Preiskampf drückt die Margen. Der Zweiradmarkt bietet dagegen noch Wachstum — und die Elektrifizierung dort ist ein zweiter Weg zu Rendite. Für Chery ist es zudem ein Puzzleteil einer breiter aufgestellten Strategie: Der Konzern tritt in China mit mehreren Submarken an und drängt parallel mit Omoda und Jaecoo nach Europa.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Die jetzt vorgestellten Zweiräder sind bislang reine China-Produkte: Weder für das E-Moped noch für die Cinnox-Modelle gibt es eine Europa- oder Deutschland-Ankündigung. Auch die Motorradsparte ist hierzulande kein Thema — Chery ist in Deutschland bislang ausschließlich als Pkw-Anbieter bekannt.
