Porsche-Strategie „Sportwagenschmiede '35": 9.000 Jobs weg
Porsche hat auf einem Kapitalmarkttag im Entwicklungszentrum Weissach seine neue Strategie „Sportwagenschmiede '35" vorgestellt. Sie ist auf mittelfristige Ziele ausgelegt und stellt die Profitabilität über das Volumen: Nicht mehr Stückzahlen, sondern der Wert jedes einzelnen verkauften Fahrzeugs soll den Gewinn tragen. „Wir verfolgen mit der Strategie Sportwagenschmiede '35 einen klaren Plan. Das Ziel ist es, unsere einzigartige Sportwagenmarke weiter zu stärken — über alle Baureihen hinweg und mit mehr attraktiven neuen Modellen in besonders margenstarken Segmenten", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Leiters.
9.000 Stellen fallen weg, Rimac-Anteile verkauft
Den Auftakt bildet eine Fortsetzung des Kurses der vergangenen Jahre: Konzentration auf das Kerngeschäft und Rückzug aus Randaktivitäten.
Rund 20 Prozent weniger Varianten, mehr Oberklasse
Auf der Produktseite will Porsche die Zahl der Derivate um etwa 20 Prozent senken und damit die Komplexität des Baukastenprogramms reduzieren. Mittelfristig soll dadurch jeder einzelne Ableger rund 30 Prozent mehr Volumen erreichen. Zugleich verschiebt sich der Schwerpunkt in Richtung der margenstärkeren D- und E-Segmente (obere Mittelklasse und Luxusklasse) — deren Anteil am Produktportfolio soll um rund 45 Prozent steigen.
Zentrale Produktprojekte:
Verwaltung schrumpft um 40 Prozent
Auch organisatorisch greift Porsche durch: Mittelfristig sollen 40 Prozent der Führungspositionen entfallen, in den direkt und indirekt wertschöpfenden Funktionen 25 Prozent der Stellen — strategisches Ziel sind 30 Prozent. Über kürzere Entwicklungszyklen, mehr eigene Kapazitäten und modulare Entwicklung sollen die Entwicklungskosten künftiger Baureihen um bis zu 20 Prozent sinken, die Personalkosten in der Produktion um bis zu 30 Prozent und die Vertriebs- und Distributionskosten um 20 Prozent. Porsche Engineering und Porsche Digital werden zu einer Porsche Technology GmbH verschmolzen, um globale Entwicklungsressourcen kostengünstiger zu nutzen.
Finanzziele: zehn bis 15 Prozent Rendite — auf Basis einer China-Bremse
Mittelfristig peilt Porsche eine Umsatzrendite der Gruppe von 10 bis 15 Prozent sowie eine Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft von 9 bis 12 Prozent an. Der Konzernumsatz soll 41 bis 45 Milliarden Euro erreichen. Langfristig stehen 15 Prozent Umsatzrendite und 12 Prozent Netto-Cashflow-Marge im Plan. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag die Umsatzrendite bei 7,8 Prozent, der Umsatz bei 17,2 Milliarden Euro.
Bemerkenswert: Diese Ziele stehen auf einer sehr vorsichtigen China-Prognose. Der Break-even-Punkt wird bei einem globalen Jahresabsatz von unter 200.000 Fahrzeugen angesetzt. Um den Wert pro Fahrzeug zu steigern, sollen die Durchschnittspreise der Topmodelle mittelfristig um rund 20 Prozent steigen; der Umsatz mit dem Sonderwunsch-Individualprogramm soll auf das Sechsfache des heutigen Niveaus wachsen.
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Porsche mit einer operativen Umsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent. Darin enthalten sind Sonderbelastungen von rund 0,8 bis 0,9 Milliarden Euro sowie etwa 0,7 Milliarden Euro Zollkosten. Der Umsatz wird bei 35 bis 36 Milliarden Euro erwartet.
In Deutschland
Porsche ist ein deutscher Hersteller mit Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen und Entwicklungszentrum in Weissach — die Strategie trifft den Heimatmarkt damit unmittelbar. Der angekündigte Stellenabbau von 9.000 Jobs sowie der geplante Rückbau von Führungs- und Verwaltungsfunktionen betreffen vor allem die deutschen Standorte; die Beschäftigungssicherung für Kernbelegschaften läuft bis 2035. Für Kunden in Deutschland ändert sich kurzfristig wenig: 911, Cayman, Boxster, Panamera, Taycan, Macan und Cayenne bleiben im Programm. Mittel- und langfristig ist mit einem schlankeren Variantenangebot, höheren Preisen bei den Topmodellen und einem neuen Supersportwagen-Flaggschiff oberhalb des 911 zu rechnen. Der elektrische 718 wird hierzulande für 2028 erwartet.

