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BMWSinaVon 5 Min. Lesezeit

BMW M: Warum der Elektro-M nicht dem PS-Wettrüsten folgt

BMW-M-Chef Franciscus van Meel erklärt im Interview, warum BMW M bei Elektro-Sportwagen nicht auf Rekordleistung setzt – sondern auf wiederholbare Performance und Fahrspaß.

BMW M: Warum der Elektro-M nicht dem PS-Wettrüsten folgt

Auf dem Goodwood Festival of Speed sorgte BMW-M-Chef Franciscus van Meel für Aufsehen: Während viele Hersteller im elektrischen Performance-Segment mit vierstelligen PS-Zahlen werben, will BMW M diesen Weg nicht mitgehen. Im Rahmen des „2026 BMW M Festival" in Shanghai hat van Meel in einem Exklusivinterview die Strategie der Sportmarke erläutert – und dabei zwei Begriffe immer wieder betont: wiederholbare Performance und „Einheit von Fahrer und Maschine".

Leistung ist nur eine Zahl auf dem Papier

Elektroautos erreichen heute mühelos enorme Längsbeschleunigung – E-Motoren reagieren direkt, die Leistungsaddition ist einfach. Chinesische Hersteller haben ihre Performance-Stromer längst in den vierstelligen PS-Bereich geführt, und Beschleunigung, PS-Zahl und Rundenzeiten sind zur gängigen Sprache im Performance-Marketing geworden.

Van Meel sieht das anders. „Eine Obergrenze für die Leistung zu setzen, ist keine Begrenzung, sondern Abstimmung", sagt er. BMW M wolle, dass ein Fahrzeug wiederholbar, kontrollierbar und präzise fahre – und dabei Emotion biete. Wichtiger als eine einzelne Bestzeit sei, „dass die zehnte Runde so schnell ist wie die erste".

Der kommende rein elektrische M soll daher vier unabhängige E-Motoren erhalten; die Gesamtleistung könnte deutlich über 1.000 PS (rund 735 kW) liegen. Entscheidend ist für van Meel aber nicht die Summe, sondern die feinere Verteilung zwischen den vier Rädern über ein zentrales Steuersystem. Er vergleicht es mit einem Kampfkünstler: Jede Extremität brauche Kraft, aber niemand schlage gleichzeitig mit beiden Fäusten und trete mit beiden Beinen zu.

Gewicht ist nicht das einzige Problem

Rein elektrische Sportwagen kämpfen zuerst mit der Physik: Die Antriebsbatterie erhöht das Gewicht und belastet Bremsen, Lenkung, Reifen und den Dauerbetrieb auf der Rennstrecke. Van Meel räumt ein, dass sich das Mehrgewicht nicht vermeiden lässt – sieht darin aber nicht die einzige Herausforderung. Die zweite Aufgabe lautet, trotz geänderter Antriebsform weiterhin Fahrspaß zu bieten.

Die Lösung von BMW M ist ein Kombinationsansatz:

Trotz höheren Gewichts könne das neue Modell dank dieser Dynamik schneller und besser sein als sein Vorgänger, so van Meel. Entscheidend sei jedoch die klare Verbindung zwischen Mensch und Fahrzeug: „Fehlt die Verbindung, ist das Feedback diffus und man kann nicht mit dem Auto verschmelzen – dann verliert das Fahren seinen Reiz." Verbrenner liefern über Klang, Drehzahl, Schaltstöße und mechanische Rückmeldung klare Signale; die E-Mobilität verändert diese Reize und zwingt Performance-Marken, die Kommunikation zwischen Fahrer und Auto neu zu gestalten.

Van Meel zieht zudem eine klare Grenze: Massenmarkt-Elektroautos und die elektrischen M-Modelle seien „zwei völlig verschiedene Produktklassen – wir konkurrieren nicht mit gewöhnlichen E-Autos". Der Elektro-M solle vielmehr zeigen, welche emotionale Fahrdynamik ein Hochleistungs-Stromer bieten könne. „So etwas gibt es am Markt noch nicht. Für uns ist das eine völlig neue Erzählung, eine neue Stufe – und ein neues Zeitalter."

Nürburgring ist kein Marketing-Ziel

Chinesische Hersteller entdecken Rennsport und Fahrspaß zunehmend für sich: von Profi-Serien bis zu Rundenzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife. Van Meel begrüßt das ausdrücklich und zollt der chinesischen Autoindustrie Respekt – BMW M stamme selbst aus dem Motorsport und freue sich über mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema.

Beim Nürburgring betont er jedoch den Unterschied zwischen langfristiger Entwicklung und einmaligen Ergebnissen. BMW M sei der erste Hersteller gewesen, der dort ein Entwicklungs- und Testzentrum betrieb. Rundenzeiten dienten intern vor allem dazu, zu prüfen, ob ein neues Modell den Vorgänger übertrifft – nicht, um gezielt Rekordfahrzeuge zu bauen. Für reine Bestzeiten würden weder Fahrwerk, Aerodynamik noch Antriebsabstimmung verändert; getestet werde das, was Kunden kaufen und im Alltag fahren können. Gegen tief umgebaute, nicht serienreife Fahrzeuge, die als Serienautos vermarktet werden, ist van Meel klar: Nach den Nürburgring-Klassen seien solche Fahrzeuge Prototypen, keine Serienwagen. „Wir jagen keinen schönen Rundenzeiten hinterher – die Runde ist nur eine interne Referenz."

Rennsportkultur nach China bringen

Während der Nürburgring die lange Entwicklungstradition von BMW M symbolisiert, wird China zum wichtigen Schauplatz für die Verbreitung von Rennsportkultur. Motorsport ist dort noch ein Nischenfeld; Streckenzahl, Einstiegshürden und Kosten begrenzen den Zugang. Van Meel zufolge hilft das wachsende Engagement chinesischer Hersteller, den Sport ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – BMW M wolle seine Aktivitäten in China weiter ausbauen. Das M-Festival fand auf dem Shanghai International Circuit statt; rund zweieinhalb Wochen zuvor hatte das chinesische KRC-Team mit einem BMW M4 GT3 einen Klassensieg in der GT3-Wertung des Shanghai-8-Stunden-Rennens geholt.

Auch die Fahrtrainings in China wachsen jährlich: BMW M bietet Kurse für Eisfahrt, Drift-Training und Streckentraining an. Van Meel beschreibt Motorsport als reinen Wettkampf – Auto, Fahrer und Team entscheiden über Sieg oder Niederlage, ohne großen Graubereich, dafür mit direkter emotionaler Wirkung. Genau das will BMW M in der Elektromobilität bewahren: Die Antriebsform darf sich ändern, das Auto schwerer werden – doch am Ende muss die Marke dem Fahrer helfen, die Maschine zu verstehen, Vertrauen aufzubauen und gerne immer wieder zu fahren. Ob der Elektro-M bestehen kann, hängt davon ab, ob diese Technik den Feedback-Kreislauf zwischen Mensch und Auto neu aufbaut. Das neue BMW-M-Konzeptfahrzeug feierte in China Premiere; der kommende rein elektrische M wird 2027 zur ersten echten Marktprüfung dieser Strategie.


In Deutschland

Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

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