Peking-Region: 12 Firmen bauen E-Auto-Cluster bis 2030
Zwölf Unternehmen aus den Bereichen Fahrassistenz, Fahrzeugelektronik und Schlüsselkomponenten für Elektroautos haben am 23. Oktober 2026 auf der Weltkonferenz für intelligente vernetzte Fahrzeuge (WICV) in Peking ihre Ansiedlung in drei regionalen Technologieparks besiegelt. Die WICV ist Chinas größte staatlich getragene Fachkonferenz für automatisiertes und vernetztes Fahren; sie wird seit 2018 vom chinesischen Industrie- und Informationsministerium (MIIT) gemeinsam mit dem Verkehrsministerium und der Stadtregierung Peking ausgerichtet und findet 2026 zum neunten Mal statt. Das Forum „Industriekooperation Peking-Tianjin-Hebei" ist Teil der Konferenz. Es geht dort nicht um Produktverkauf, sondern um den Aufbau eines einheitlichen, international wettbewerbsfähigen Automobilstandorts aus drei Provinzverwaltungen.
Zwölf Projekte — und eine offene Namensliste
Die Ansiedlungen wurden im Rahmen einer Zeremonie mit gravierten „Goldenen Schlüsseln" besiegelt. Vertreter aus Shunyi (Peking), Wuqing (Tianjin), Langfang (Hebei) und dem Pekinger Wirtschaftsentwicklungsgebiet Yizhuang nahmen die Urkunden entgegen. Die Projekte decken Fahrassistenzsysteme (ADAS), Fahrzeugelektronik und Schlüsselkomponenten für Elektroautos ab.
Wichtige Einschränkung: Die Namen der zwölf Unternehmen hat die offizielle Mitteilung nicht einzeln aufgeführt. Auch Investitionssummen, Grundstücksflächen und Beschäftigtenzahlen wurden nicht veröffentlicht — belastbare Zahlen zu Umfang und Volumen der Ansiedlungen liegen daher nicht vor. Namentlich dokumentiert sind die Akteure der Gesprächsrunden: Auf Herstellerseite BAIC (北汽), Xiaomi (小米), Li Auto (理想) und FAW-Volkswagen (一汽大众), das Joint Venture von Volkswagen mit dem chinesischen Staatskonzern FAW. Auf Zuliefererseite traten der BAIC-Komponentenhersteller BHAP (北京海纳川) und Webasto (伟巴斯特) mit seinem Werk im Hebei-Standort Baoding auf.
Drei Provinzen, ein Absatzmarkt von 110 Millionen Menschen
Die Region Jing-Jin-Ji (Peking, Tianjin, Hebei) umfasst rund 110 Millionen Einwohner und soll zu einem „Weltklasse-Industriecluster" für intelligente Elektroautos werden. Das politische Ziel entspricht dem, was in Deutschland rund um Stuttgart, Wolfsburg und München historisch gewachsen ist: Montagewerke als Zugpferd, Zulieferer im Umkreis weniger Hundert Kilometer, dazu Forschung und Testinfrastruktur.
Als neue Instrumente wurden eine „Ein-Monats-Kette, Ein-Quartals-Cluster"-Routine vereinbart — also monatliche Lieferketten-Runden und vierteljährliche Cluster-Treffen der drei Verwaltungen. Zusätzlich soll die „Fahrzeug-Infrastruktur-Cloud-Integration" (车路云一体化, die Vernetzung von Auto, Straße und Rechenzentrum) vorangetrieben und Testfelder über Provinzgrenzen hinweg verbunden werden.
Zulieferer sollen näher an die Werke rücken
Kernproblem der Runde: die Lücke zwischen dem Bedarf der Montagewerke und der Lieferfähigkeit regionaler Zulieferer. Über gemeinsame Entwicklung, Lieferantfreigaben und Projektansiedlungen soll die Wertschöpfung näher an die Werke rücken. Der Zulieferer BHAP und Webasto (Werk Baoding, Leitung Li Ning) forderten, die lokale Fertigungstiefe an der Fahrzeugnachfrage auszurichten und Entwicklung sowie Serienstart stärker zu verzahnen.
Tianjin als Exportkanal: RoRo-Terminal und gemeinsame Auslandsinitiative
Der Hafen Tianjin bringt sich als Logistikdrehscheibe ein: Vize-Präsident Wang Baoming stellte Kapazitäten für den RoRo-Umschlag (Roll-on/Roll-off-Verschiffung) von Fahrzeugen vor, dazu Zolldigitalisierung und Kostensenkung für Exporte. Parallel verabschiedete das Forum eine gemeinsame Auslandsinitiative für die Region — mit den Säulen regionale Kooperation und Ressourcenteilung, Regelkonformität und Qualität sowie langfristiges lokalisiertes Engagement. Ziel ist der Wandel vom reinen Produktexport zum Aufbau von Lieferketten und Service-Strukturen in den Zielmärkten.
Ausblick: Studie skizziert Zielbild für 2030
Der Zhongguancun-Verband zur Förderung der Elektroauto-Zusammenarbeit in der Jing-Jin-Ji-Region stellte eine Studie zur regionalen Branchenentwicklung vor. Verbandssekretärin Liu Ying erläuterte Industriebasis, Zielbild 2030 und Umsetzungspfade; Verbandspräsident Du Junbao forderte, die Region von einer reinen Größensumme zu Qualität und Effizienz zu führen. Die Studie dient als Referenz für den 15. Fünfjahresplan (2026–2030).
In Deutschland
Für deutsche Zulieferer ist die Meldung zwiespältig. Webasto ist mit seinem Dachsystemwerk in Baoding bereits Teil des Clusters — der bayerische Konzern liefert damit innerhalb der Region und nicht mehr aus Europa. Die erklärte Absicht, die lokale Fertigungstiefe entlang der Fahrzeugnachfrage zu erhöhen, dürfte den Anteil importierter deutscher Komponenten im chinesischen Werkverbund mittelfristig weiter drücken. Gleichzeitig zeigt das Beispiel FAW-Volkswagen, dass deutsche Hersteller als lokalisierte Player eingebunden sind — mit dem Risiko, im Exportgeschäft über den Hafen Tianjin gegen die eigenen, kostengünstiger aufgestellten Joint-Venture-Partner zu konkurrieren. Zulieferer aus Deutschland sollten die Cluster-Ausschreibungen der Parks Shunyi, Wuqing, Langfang und Yizhuang daher als direkten Wettbewerbsindikator beobachten.