1,44-MW-Lader: Chery fordert BYD im Lade-Wettrennen heraus
Chery (奇瑞) hat auf seiner konzerneigenen Global Innovation Conference das Ladesystem „Volt-dragon" vorgestellt. Es ist die Antwort des Herstellers aus der Provinz Anhui auf die Megawatt-Ladenetze, die BYD (比亚迪), Geely und Huawei derzeit in China aufbauen. Die Spitzenladeleistung gibt Chery mit 1,44 MW an — genug, um nach Herstellerangaben in fünf Minuten 500 km Reichweite nachzuladen.
Ein vollständiger Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent soll laut Chery nur 6 Minuten und 50 Sekunden dauern. Damit wäre Volt-dragon aktuell die Nummer zwei im chinesischen Megawatt-Ladewettbewerb — hinter CATL und vor BYD, Huawei und Geely.
Das Rennen um die Megawatt-Ladung
Cherys Angaben sind ambitioniert, bleiben aber an mehreren Stellen vage. Der Hersteller nennt weder die Fahrzeuge noch die Modelle, für die die 500-km-Marke gilt. Auch zu Ladezeiten bei extremer Hitze oder Kälte macht Chery bislang keine Angaben. Zum Vergleich die aktuellen Bestwerte in China:
- Chery Volt-dragon: 10–97 Prozent in 6 Minuten 50 Sekunden
- CATL Shenxing (3. Gen.): 10–98 Prozent in 6 Minuten 27 Sekunden
- Hongqi Ultra Fast Charging: 10–98 Prozent in 8 Minuten 3 Sekunden
- Geely Energee Golden Brick: 10–98 Prozent in 8 Minuten 42 Sekunden
- BYD Blade Battery 2.0: 10–97 Prozent in rund 9 Minuten
Unter weniger idealen Bedingungen soll Volt-dragon immer noch 500 km Reichweite in acht Minuten nachladen. Die angeschlossenen Fahrzeuge dürften auf 800-Volt- oder sogar 1000-Volt-Architekturen basieren.
Siliziumkarbid, Tauchkühlung und 2-Kilo-Stecker
Technisch setzt Chery auf Siliziumkarbid-Leistungselektronik der neuesten Generation. Der Wirkungsgrad vom Netz bis zum Stecker soll 96,5 Prozent betragen. Um die Abwärme beim Megawatt-Laden abzuführen, werden die Stationen mit Tauchkühlung (Immersion Liquid Cooling) arbeiten. Kabel und Stecker sind auf Leichtigkeit getrimmt und wiegen zusammen nur 2 kg. Im Betrieb sollen die Säulen nicht lauter als 50 dBA sein — etwa das Niveau eines normalen Gesprächs.
Darüber hinaus verspricht Chery automatisiertes Laden per Roboterarm für ein „Drive-thru"-Erlebnis sowie Vehicle-to-Grid (V2G): Fahrzeuge sollen Strom gewinnbringend ins Netz zurückspeisen können.
KI-Modell CheryMind — und die Netzabdeckung
Ebenfalls auf der Konferenz präsentierte Chery sein eigenes Large Language Model namens CheryMind. Das Unternehmen beschreibt es als „Gehirn, das die physikalische Welt versteht", und will es für Robotaxis, Fahrassistenzsysteme der Stufe 4 (SAE-Klassifikation) und eben Volt-dragon einsetzen. Wie genau CheryMind das Laden optimiert, ließ der Hersteller jedoch offen. Wettbewerber Geely ist hier konkreter: Dessen Energie-KI Xingrui PowerMind prognostiziert das Temperaturverhalten der Zellen 30 Sekunden im Voraus und regelt die maximale Ladeleistung dynamisch nach.
Entscheidend ist ohnehin die Infrastruktur. Chery eröffnet zunächst 100 Volt-dragon-Stationen in zehn chinesischen Städten. Weitere Ausbaupläne sollen bis Ende 2026 folgen. Das Fernziel: mehr als 20.000 V2G-fähige Stationen weltweit bis 2029. Zum Vergleich: BYD erreichte Ende August dieses Jahres 10.000 Flash-Charging-Stationen und will bis Ende 2026 die Marke von 20.000 knacken.
In Deutschland
BYD ist bereits auf dem deutschen Markt vertreten.
Aktuelle Modelle in Deutschland: Atto 2, Atto 3, Dolphin, Seal, Sealion 7, Han.
BYD ist seit 2022 auf dem deutschen Markt aktiv und baut sein Händlernetz kontinuierlich aus.
Für deutsche Autofahrer bleibt die Nachricht vorerst eine Randnotiz: Chery verkauft hierzulande bislang nur die Marken Omoda und Jaecoo mit Verbrennern und Plug-in-Hybriden, das Volt-dragon-Netz ist ausschließlich für China angekündigt. Auch BYDs Flash Charging ist ein reines China-Projekt — in Europa laden die Modelle des Herstellers an Säulen mit maximal 150 bis 230 kW. Zum Vergleich: Die europäischen Schnelllader von Ionity leisten derzeit bis zu 350 kW.




