Chery V2G: 400 € pro Jahr mit dem E-Auto verdienen
Auf dem 2026 Chery Global Innovation Day in Wuhu (20. Oktober) rückte der Hersteller nicht ein neues Modell in den Mittelpunkt, sondern eine Geschäftsidee: das Auto als handelbares Speichermedium. Mit Vehicle-to-Grid (V2G) soll das geparkte Elektroauto Strom ins Netz zurückspeisen — günstig laden in der Schwachlast, teuer verkaufen zur Spitzenlast.
Vom Pilotprojekt zum Geschäftsmodell
Vier Tage vor der Messe nahmen Chery (奇瑞) Green Energy und die State Grid Anhui in Wuhu den nach eigenen Angaben ersten V2G-Großbetrieb der Branche in Betrieb. „Laden im Tal, Verkaufen im Berg" ist damit keine Vision mehr, sondern eine kalkulierbare Einnahmequelle.
Das Rechenbeispiel liefert Chery gleich mit: Ein Fengyun A9 mit 70 kWh großem Akku, der täglich 40 kWh abgibt und das an 200 Tagen im Jahr tut, erzielt theoretisch rund 700 € (ca. 5.600 Yuan) an Preisunterschieden. Nach Abzug von Standort- und Bearbeitungsgebühren bleiben dem Fahrer mehr als ca. 400 € (ca. 3.000 Yuan) — regionale V2G-Förderungen nicht eingerechnet. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Ein Netz statt einer Insel
Die Station in Wuhu ist nur der Startpunkt. Geplant sind „Sekundenlade + V2G"-Standorte in Shanghai, Guangzhou, Hefei und Wuhu. In der ersten Hälfte 2027 soll die V2G-Funktion im rein elektrischen Fengyun A9 serienmäßig debütieren. Bis 2029 will Chery weltweit über 20.000 V2G-Standardladestationen errichten.
Die Technik dahinter
- 迅龙 (Xunlong)-Schnellladung: 1440 kW Ladeleistung, 500 km Reichweite in fünf Minuten; Öl-Immersion-Kühlung steigert die Wärmeabfuhr um 30 Prozent.
- Laderoboter: 0,1 mm Wiederholgenauigkeit, steckt den Stecker in 30 Sekunden — kompatibel mit 99 Prozent der Fahrzeuge und DC-Säulen.
- Schienenladung: Ein 200-kW-Gerät versorgt per Überkopfschiene 16 bis 80 Stellplätze, Inbetriebnahme in drei Tagen statt zehn.
- Energie-Modul 2.0: Photovoltaik, Speicher, Wechselrichter und Laden in einem Haushaltsystem.
- Wirkungsgrad: DC-V2G mit Hochvolt-SiC-Halbleitern erreicht 96,5 Prozent, die Netzrückwirkung bleibt unter drei Prozent Klirrfaktor.
Was der Akku aushält
Die häufigste Sorge von V2G-Nutzern: Schadet häufiges Entladen der Batterie? Chery begrenzt das Laden und Entladen über die Cloud-Plattform auf einen SOC-Bereich von 20 bis 80 Prozent und drosselt bei Temperatur- oder Gesundheitsauffälligkeiten sofort. Der firmeneigene „Rhinoceros"-Akku (犀牛电池) hält nach 5000 vollständigen Zyklen noch 80 Prozent Kapazität — bei 50 bis 100 Ladevorgängen pro Jahr im Privatgebrauch bleibt reichlich Reserve. Extreme Tests mit 200 kN Druck, 105 Sekunden Brand, 5 Meter Fall und 48 Stunden Untertauchen hat die Zelle bestanden.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Das V2G-Geschäftsmodell mit den beschriebenen Wuhu-Standorten ist bislang ausschließlich auf den chinesischen Markt ausgelegt. Ob und wann die bidirektionale Ladetechnik mit den Omoda- und Jaecoo-Modellen nach Deutschland kommt, ist offen — entsprechende Standards (CCS/ISO 15118) müssten hierzulande separat zertifiziert werden. Konkurrenten wie VW, Renault oder BYD bieten V2G in Europa bislang nur punktuell oder in Pilotprojekten an.