CheryMind: Chery will 2030 100.000 Robotaxis betreiben
Auf dem Chery Global Innovation Summit am 20. Oktober 2026 in China hat der Konzern seine neue Strategie vorgestellt. Mehr als 3.000 Gäste kamen, davon über 1.300 aus dem Ausland. Im Mittelpunkt stand jedoch nicht ein neues Auto, sondern die Frage, wie sich Chery künftig selbst definiert: nicht mehr als klassischer Autohersteller, sondern als KI-getriebenes Technologieunternehmen.
CheryMind: ein KI-Modell für die physische Welt
Kern der Ankündigung ist das selbst entwickelte Basismodell CheryMind. Es ist ausdrücklich kein allgemeiner Chatbot, sondern eine Grundlage für physische KI — also für Systeme, die in Fahrzeugen, Robotern oder Maschinen handeln. Genährt wird es nach Konzernangaben aus:
Ergänzt wird das Modell durch die unternehmenseigene Ziwei-Chip-Familie, also eine enge Verzahnung von Hardware und Software. Die Intelligenz soll nicht in der Cloud bleiben, sondern im Fahrzeug, im Roboter und in der Produktionslinie wirken. Inzwischen seien mehr als 400 Unternehmenssysteme und über 1.500 End-to-End-Prozesse angebunden, mit rund 60.000 Aufrufen pro Tag durch die Belegschaft.
Robotaxi, eVTOL und Feststoffbatterie
Auf dieser Basis zeigt Chery elf Technologiecluster. Für den Straßenverkehr arbeitet der Konzern an der sogenannten Welt-Engine CHERY AWE, die mit drei Modellen Fahrverhalten von der Reaktion auf Gefahren hin zur vorausschauenden Risikobewertung verschieben soll. Das erste global ausgelegte, ab Werk integrierte Robotaxi soll bis 2030 eine Flotte von 100.000 Fahrzeugen erreichen — abgesichert über sechs Sicherheitsdimensionen von der Sensorik bis zum Flottenbetrieb.
In der Luft sollen die beiden bemannten eVTOL-Modelle Q212 und J506 kurze Pendelstrecken beziehungsweise längere Intercity-Verbindungen abdecken. Beim Energiethema nennt Chery eine Schnellladetechnik mit 1.500 Ampere, die in fünf Minuten Strom für 500 km nachladen soll. Eine Pilotlinie für Feststoffbatterien ist für 2027 geplant, die Zellen sollen 400 Wh/kg erreichen. Die V2G-Infrastruktur (bidirektionales Laden) soll bis 2029 auf 20.000 Standorte wachsen.
Von der Straße aufs Feld
Auch die Landwirtschaft bindet Chery ein: intelligenten Zugmaschinen und Erntemaschinen sollen die Elektro- und KI-Kompetenz des Konzerns aufs Feld bringen. In Praxistests im Nordosten Chinas stieg die Tagesleistung pro Arbeitskraft nach Konzernangaben von umgerechnet rund 10 auf etwa 53 Hektar.
Hinter allem steht die Strategie „Yaoguang 2035". Chery beschreibt sich darin als „KI-getriebenes globales Technologieunternehmen". Der Konzern ist seit 23 Jahren die Nummer eins unter den chinesischen Pkw-Exporteuren, liefert in über 130 Länder und unterhält ein globales Forschungsnetz mit mehr als 30.000 Entwicklern. Diese Strukturen werden nun zum Testfeld für die eigene KI — und die gesammelten Fertigungsdaten zum Rohstoff für das Modell.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Die jetzt vorgestellte KI-Plattform CheryMind und die Robotaxi-Pläne betreffen den europäischen Markt bislang nicht konkret; für Deutschland sind derzeit keine Modelle der Marke Chery im Handel erhältlich. Beobachter werten die Ankündigung vor allem als Signal, dass Chery seine Software- und Batteriekompetenz unabhängig vom Fahrzeuggeschäft aufbauen will — ein Feld, auf dem europäische Hersteller zuletzt unter Druck geraten sind.