Mercedes: 2.000 Ingenieure in China, ADAS-Deal mit Momenta
Auf dem Weltkongress für intelligentes vernetztes Fahren (WICV, eine der wichtigsten Branchenkonferenzen Chinas für Software und automatisiertes Fahren) hat Mercedes-Benz am 21. Oktober seine China-Strategie konkretisiert. Konzernchef Ola Källenius schaltete sich per Video aus Stuttgart zu, Mercedes-Benz-Chef in China, Hubertus Troska, saß vor Ort. Beide nutzten dieselbe Formel: „China-Speed" — und die Zusage, dass Mercedes dabei nicht Zuschauer sein will.
Über 2.000 Ingenieure, KI-Modell mit Tsinghua
Källenius betonte, kaum ein Markt verbinde Ehrgeiz und Tempo so wie China. Um technologisch vorn zu bleiben, müsse man Teil des chinesischen Ökosystems sein, nicht außen vor stehen. Die Ingenieure in Peking und Shanghai arbeiteten direkt am Innovationskern und kennten Straßen, Verkehrsrealität und Kundenwünsche vor Ort — deutsche Ingenieursqualität treffe auf chinesische Umsetzungsgeschwindigkeit.
In China forschen inzwischen mehr als 2.000 Ingenieure für die Marke. Gemeinsam mit der Tsinghua-Universität wurde ein visuelles Sprach-KI-Modell entwickelt, das inzwischen weltweit ausgerollt wird.
Fahrassistenz von Momenta bald in allen Baureihen
Der wichtigste Kooperationsschritt betrifft das Fahrassistenzsystem (ADAS): Mit dem chinesischen Softwareanbieter Momenta wird die Assistenztechnik von den rein elektrischen Modellen (BEV) auf das gesamte Produktportfolio ausgeweitet — also auch auf Verbrenner und Plug-in-Hybride (PHEV). Abgesichert wurde das laut Unternehmen mit 17 Milliarden Kilometern realer Fahrdaten aus China.
Beim Thema Sicherheit setzt Mercedes auf ein vierstufiges Konzept aus aktiver, passiver, funktionaler und digitaler Sicherheit. Genannt wurden:
China-Chef Troska formulierte die Botschaft so: Hohe Qualität entscheide sich nicht nur über Tempo, sondern über Sicherheit und Kundenvertrauen. Mercedes wolle von chinesischen Partnern lernen und im Gegenzug Ingenieurserfahrung teilen.
In Deutschland
Mercedes-Benz ist im Heimatmarkt voll präsent — die China-Strategie hat aber direkte Folgen für deutsche Kunden: Die Momenta-Assistenzsysteme werden schrittweise von den Elektromodellen auf das gesamte Portfolio ausgeweitet und sollen auch in Europa eingesetzt werden. Das KI-Modell aus der Tsinghua-Kooperation wird bereits global ausgerollt. Für die hiesige Entwicklung bedeutet das eine Verschiebung: Software-Kernfunktionen der nächsten Mercedes-Generation entstehen zunehmend in Peking und Shanghai statt in Sindelfingen. Preise für den deutschen Markt sind mit dieser Meldung nicht verbunden.