Foxconn kauft Mitsubishi-Electric-Zulieferer für 620 Mio. €
Der taiwanische Elektronikkonzern Foxconn (富士康, Muttergesellschaft Hon Hai Precision Industry) übernimmt 50 Prozent am Autozuliefergeschäft von Mitsubishi Electric (三菱电机). Der Kaufpreis liegt bei ca. 620 Mio. € (ca. 4,84 Mrd. Yuan; ca. 115 Mrd. Yen).* Die Transaktion wurde am 19. Oktober angekündigt und soll im Oktober 2027 abgeschlossen werden. Mitsubishi Electric ist nicht mit Mitsubishi Motors zu verwechseln – verkauft wird die Komponenten- und Elektroniksparte des Elektrokonzerns.
Hinweis: Beträge beziehen sich auf die Unternehmenstransaktion, nicht auf Fahrzeugpreise; Umrechnung gerundet.
Hohe Abschreibung bewusst in Kauf genommen
Mitsubishi Electric nimmt für den Deal eine Abschreibung von ca. 610 Mio. € (ca. 4,77 Mrd. Yuan; ca. 100 Mrd. Yen) in Kauf. Der Konzern trennt sich damit von einem Geschäft, das er über Jahrzehnte aufgebaut hat. Auf Basis des Enterprise Value wird die Sparte mit ca. 1,73 Mrd. € (ca. 13,52 Mrd. Yuan; ca. 320 Mrd. Yen) bewertet. Im Geschäftsjahr bis März erzielte der Bereich einen Umsatz von ca. 4,75 Mrd. € (ca. 37,1 Mrd. Yuan; ca. 876 Mrd. Yen) und einen operativen Gewinn von ca. 290 Mio. € (ca. 2,27 Mrd. Yuan; ca. 54 Mrd. Yen). Beide Partner wollen den Bereich zu einem Geschäft mit mehr als 1 Billion Yen (rund 5,4 Mrd. €) Umsatz ausbauen.
Was die Partner einbringen
Mitsubishi Electric soll zu Foxconns EV-Plattform Technik für E-Antriebe, autonomes Fahren und Fahrzeug-Intelligenz beisteuern. Foxconns EV-Chefstratege Jun Seki bezeichnete vor allem die Elektronik-Steuerungstechnik und die dahinterliegenden Software-Ressourcen als attraktiv. Mitsubishi Electric ist seit Jahrzehnten in der Automobilelektronik aktiv und verfügt über Kompetenzen bei E-Antrieben, Fahrzeugradar und Motorsteuerung. Zu den Kunden zählen Toyota, Nissan und Honda. Foxconn bringt schnelle Entwicklungszyklen und skalierbare Fertigung aus der Consumer-Electronics-Ära mit. Der Konzern hat bereits die Referenzfahrzeuge Model C, Model B und Model E vorgestellt; beim Hon Hai Tech Day 2025 folgte das Model A für den japanischen Markt.
Für die chinesische EV-Industrie ist die Allianz aus zwei Gründen interessant: Foxconn positioniert seine offenen Referenzplattformen seit Jahren als Baukasten für Auftragsfertigung – chinesische Hersteller könnten darauf aufbauen, ohne selbst eine komplette Architektur zu entwickeln. Kombiniert mit der japanischen Bordelektronik und Sensorik von Mitsubishi Electric entsteht ein Zulieferpaket, das chinesische Marken vor allem für ihre Exportmodelle nach Europa benötigen.
Joint Venture und finanzielle Folgen
Nach Abschluss soll das Zuliefergeschäft als 50:50-Joint-Venture geführt werden und nicht mehr vollständig in der Konzernbilanz von Mitsubishi Electric konsolidiert werden. Für den japanischen Konzern bedeutet das eine finanzielle Entlastung von einer kapitalintensiven Sparte, Foxconn erhält im Gegenzug eine Technologiebasis mit japanischer Ingenieurstradition. Mitsubishi Electric will am 30. Oktober eine aktualisierte Jahresprognose vorlegen. Die Kernlogik des Deals: Der Elektronikkonzern liefert die Hardware-Kompetenz, Foxconn das Tempo und die Skalierung.
In Deutschland
Kein Fahrzeugmodell betroffen. Es handelt sich um eine Unternehmenstransaktion in der Zulieferindustrie, nicht um einen Marktstart eines Fahrzeugs in Deutschland oder Europa. Für deutsche Autofahrer ist der Deal unmittelbar folgenlos; relevant ist er für Hersteller- und Zulieferstrukturen – indirekt auch für europäische Marken, die auf Foxconn-Plattformen oder Mitsubishi-Electric-Komponenten zurückgreifen könnten.