J.D. Power 2025: 197 Probleme pro 100 chinesische Autos
Am 15. Oktober 2025 veröffentlichte das chinesische Automobilmedium Tianhe Auto einen scharfen Branchenkommentar: Ohne verbindliche Regeln verliert die chinesische Autoindustrie langfristig das Vertrauen der Kunden. Auslöser ist ein in China zum geflügelten Wort gewordenes Zitat aus Kurzdramen — „Erst die Regeln festschreiben, dann wird der Weg immer breiter" —, das ursprünglich aus dem Milieu von Imbissständen und Fernfahrer-Raststätten stammt. Besonders brisant: Ein Großteil der aktuellen Skandale betrifft Elektroautos und deren Software.
Ein Sprichwort als Maßstab
Der Autor nutzt das Zitat als Spiegel: Dass solche Geschichten in China so viele Klicks erzielen, zeige vor allem, dass es in vielen Branchen tatsächlich an Zuverlässigkeit und fairer Behandlung mangele — sonst wären die „Aufräum"-Videos von Verbraucherschützern nicht so populär. „Ohne Regeln kein Maßstab" sei keineswegs lächerlich, sondern vielmehr die Grundlage jeder dauerhaften Marktentwicklung. Auf die Autoindustrie übertragen heißt das: Qualität und Verlässlichkeit entscheiden über die Zukunft — gerade im boomenden E-Auto-Segment, in dem chinesische Hersteller weltweit expandieren.
Qualitätsprobleme wandern nach vorn
Als Beleg dient die J.D. Power „China Vehicle Dependability Study" (VDS, chinesische Zuverlässigkeitsstudie). Die Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigt, dass sich Qualitätsprobleme deutlich nach vorn verlagert haben — sie treten bereits nach ein bis zwei Jahren Haltedauer auf. Langfristige Zuverlässigkeitsthemen wie Rost, abplatzender Lack und Klappergeräusche erscheinen damit viel früher als noch in früheren Jahren.
Der Kommentar betont: Das sei kein technisches Problem, sondern die Folge mangelnder Standards und Kontrolle.
Geschönte Zahlen und missachtete Physik
Scharf kritisiert der Beitrag auch die Aussagekraft chinesischer Absatzzahlen. Hersteller hätten zeitweise „Kleinbestellungen" gemeldet, die ein Vielfaches des tatsächlichen Jahresabsatzes erreichten — die Zahlen seien geschönt. Später kamen „0-Kilometer-Gebrauchtwagen" hinzu, ein weiteres Indiz für manipulierte Verkaufsstatistiken. Auch bei Marketingtests, etwa Crashtests, würden teils physikalische Gesetze missachtet.
Batterie-Locking: der E-Auto-Skandal
Als eigentlichen Tiefpunkt nennt der Kommentar das sogenannte Batterie-Locking: Hersteller drosseln per Over-the-Air-Update (OTA) die Ladeleistung oder nutzbare Kapazität der Antriebsbatterie nachträglich — offiziell, um Brände zu vermeiden, faktisch, um teure Rückrufe zu umgehen. Juristisch ist das eine Grauzone bis hin zur unerlaubten Veränderung fremden Eigentums. Für E-Auto-Besitzer ist das ein besonders heikles Problem: Betroffene verlieren Reichweite und Ladeleistung, ohne dass ein Schaden vorliegt — ein Vorgang, der auch die Exportambitionen chinesischer Hersteller nach Europa angreifbar macht. Da keine Aufsichtsbehörde die betroffenen Hersteller namentlich nennt, können diese die Regeln nach Belieben dehnen.
Fazit: Ohne Regeln kein Vertrauen
Mit Blick auf das geflügelte Wort „Erst die Regeln, dann der Weg" fragt der Autor: Ist das wirklich lächerlich? Wer die Regelverstöße ignoriere, verliere jedes Urteilsvermögen. Der sinkende Absatz von Verbrennern in China habe viele Ursachen — aber sicher auch den Vertrauensverlust durch Hersteller, die Verbraucher täuschen. „Ein Auto darf seinen Besitzer nicht im Stich lassen", schreibt Tianhe Auto. Qualität zeige sich nicht an der Oberfläche, sondern an jedem Schweißpunkt, jeder Schraube, jeder Materialstärke.
In Deutschland
Chinesische E-Auto-Hersteller wie BYD, NIO, XPeng und MG sind längst auf dem deutschen Markt aktiv — die im Artikel beschriebenen Probleme sind also auch für europäische Käufer relevant. Batterie-Locking per OTA ist bislang kein bestätigtes Massenphänomen in Europa; die EU-Verordnung UN-R155 zur Cybersicherheit und die kommende EU-Batterieverordnung schreiben Software-Updates und Garantiezusagen jedoch strenger vor. Deutsche Käufer sollten bei Importfahrzeugen auf klare Garantiebedingungen zu Batteriekapazität und OTA-Verhalten achten und die Software-Historie sowie Reichweitenänderungen prüfen.