Chery ruft 53.882 Tiggo 5x und Omoda in China zurück
Chery (奇瑞) ruft in China 53.882 Fahrzeuge der Baureihen Tiggo 5x und Omoda zurück. Betroffen sind Exemplare, die zwischen dem 6. Juni 2022 und dem 31. Dezember 2023 gebaut wurden. Die Aktion läuft unter der Recall-Nummer S2026M0146V und startet am 27. November 2026.
Was an der Hinterachse nicht stimmt
Die Behörde für Marktaufsicht (SAMR) hat den Rückruf am 6. November 2026 veröffentlicht. Ursache ist ein Fertigungsproblem an der Schweißverbindung, mit der der hintere Längslenker in seiner Hülse sitzt. Reicht die Schmelzverbindung nicht aus, kann die Naht unter Last aufreißen. Der Längslenker hält das Hinterrad in Position — fällt er aus, verliert das Rad die Spurführung, das Heck wird instabil.
Chery will die Produktionscodes der Achsen prüfen und alle Exemplare aus dem fehlerhaften Fertigungsbatch kostenlos tauschen. Nicht jedes der 53.882 Fahrzeuge muss zwangsläufig betroffen sein. Wie viele Achsen tatsächlich ersetzt werden und wie sich die Stückzahlen auf Tiggo 5x und Omoda verteilen, hat die SAMR nicht mitgeteilt. Halter werden per SMS und Einschreiben informiert.
Auslöser war ein Fall in Malaysia
Der Rückruf in China folgt auf einen Vorfall vom 6. Oktober 2026 in Malaysia, bei dem sich an einem Omoda 5 während der Fahrt die Hinterachse löste. Die dortige Straßenverkehrsbehörde setzte daraufhin die Typgenehmigung des Modells aus — Neuzulassungen sind bis zum Abschluss der Untersuchung nicht möglich. Chery Malaysia startete eine eigene Aktion über 8.878 Fahrzeuge der Omoda-5-Baureihe C und H aus der Zeit vor dem Facelift. Konzernchef Yin Tongyue hat sich für den Vorfall öffentlich entschuldigt.
Der chinesische Rückruf umfasst rund 6,1-mal so viele Fahrzeuge wie die malaysische Kampagne. Beide Zahlen beschreiben jedoch unterschiedliche Grundgesamtheiten, nicht bestätigte Defektbauteile. Einen gemeinsamen Fertigungsort oder einen Zulieferer der Achsen hat die SAMR bislang nicht benannt.
Ein Konstruktionsdetail mit großer Wirkung
Der Längslenker gehört zum Verbundlenker-Aufbau der Hinterachse und führt das Rad bei jeder Federbewegung. Reißt die Naht zwischen Lenker und Hülse, kippt das Rad nach innen oder außen — in Kurven und bei hoher Geschwindigkeit wird das Fahrzeug damit kaum noch beherrschbar. Für deutsche Leser ist das relevant, weil der Omoda 5 in Europa gegen den VW T-Roc und den Hyundai Kona antritt: Ein Achsbruch im Fahrbetrieb ist der schwerste anzunehmende Qualitätsfehler in dieser Klasse.
Der Tiggo 5x ist ein Einstiegs-Crossover für den chinesischen Heimatmarkt, die Marke Omoda dagegen vor allem auf Export ausgelegt. Chery hat seine weltweiten Auslieferungen von 1,23 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2022 auf 1,88 Millionen im Jahr 2023 gesteigert, getragen vor allem vom Auslandsgeschäft. Wie belastbar die Fertigungsqualität mit diesem Tempo mithält, ist eine der offenen Fragen der Expansion.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Der Omoda 5 ist bereits in Spanien, Italien und Polen erhältlich, in Deutschland aber bislang nicht offiziell im Angebot — eine Markteinführung samt Händlernetz steht noch aus. Ob der chinesische Rückruf auch europäische Fahrzeuge betrifft, ist nicht bestätigt: Die Aktion ist auf den Heimatmarkt begrenzt, und die SAMR nennt weder Zulieferer noch Fertigungswerk. Ein EuroNCAP-Ergebnis für den Omoda 5 liegt vor, eine deutsche Typgenehmigung für die aktuelle Charge wäre im Falle eines Marktstarts neu zu prüfen. Halter eines in der EU zugelassenen Omoda sollten ihren Händler auf die Achsprüfung ansprechen — europäische Kampagnen werden über das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht, dort ist bislang nichts hinterlegt.

