Maextro V800: Gebrochene Bremspedale lösen Eklat aus
Eigentlich gilt im chinesischen Netz die „Sieben-Tage-Regel": Nach spätestens einer Woche ist jede Empörungswelle abgeflaut, die Marke beginnt mit der Image-Reparatur. Doch der Fall Maextro V800 (尊界) will nicht verschwinden. Auslöser war ein am 8. Oktober 2026 auf der Plattform Dcar (懂车帝) veröffentlichtes Video: Bei Vollbremsungstests brach bei drei Fahrzeugen des Luxus-Stromers der Halter des Bremspedals — die Autos konnten nur noch über die P-Stellung gebremst werden, der Bremsweg verlängerte sich deutlich.
Maextro reagierte am selben Abend mit einer Stellungnahme: Das Bremssystem sei nach strengeren Vorgaben als den nationalen und Branchenstandards entwickelt worden, im Realbetrieb sei kein Bruch aufgetreten. Man werde die Bauteilkonstruktion überarbeiten und bereits ausgelieferten Kunden ein kostenloses Upgrade anbieten. Dcar korrigierte zudem kursierende Falschangaben: Nicht 4.589 Newton, sondern real 1.612 Newton Spitzenkraft seien gemessen worden. Auffällig: Bei gleicher Testprozedur blieben Modelle von AITO (问界) und Luxeed (智界) unauffällig.
Börse und Politik reagieren hart
Für den Mutterkonzern JAC (江淮汽车) wurde es teuer. An zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen ging die Aktie auf Tiefstkurs, rund 11,7 Milliarden Yuan (ca. 1,5 Milliarden €) Börsenwert waren binnen zwei Tagen weg. Am 16. Oktober drehte das Papier wieder ins Plus — offenbar in Erwartung eines klärenden Berichts.
Die Politik schaltete sich schnell ein. Am 10. Oktober veröffentlichten das MIIT (chinesisches Industrie- und Informationsministerium) und drei weitere Behörden einen Entwurf für strengere Regeln zu Konstruktion, Entwicklung und Validierung von Fahrzeugen — eine Antwort auf das Phänomen der „速成车", also hastig auf den Markt geworfener „Schnellentwicklungsautos". Zwei Tage später kommentierte die Parteizeitung Renmin Ribao: Ein Bremspedal dürfe im Fahrbetrieb niemals brechen. Am 15. Oktober setzten drei Ministerien eine gemeinsame Untersuchungsgruppe ein; Maextro erklärte, man werde sich „vollständig fügen und umfassend kooperieren".
Wettbewerber machen Bremsen zum Werbeargument
Der Imageschaden für Maextro ist beträchtlich — und die Konkurrenz wittert ihre Chance. Besonders bemerkenswert: Voyah (岚图) von Dongfeng. Konzernchef Lu Fang präsentierte noch am Abend des 8. Oktober das eigene Bremspedal und verwies auf einen „mehrlagigen Hauptträger aus hochfestem Stahl".
Aus der Preisklasse um eine Million Yuan (ca. 128.000 €) meldete sich auch Yangwang (仰望) zu Wort: Ein Manager erklärte per Video, alle Bremspedale der Marke seien aus Vollmetall — der Beitrag wurde allerdings später wieder gelöscht. GAC Honda legte konkrete Zahlen nach und verwies auf ein Bremspedal, das über 3.000 Newton aushalte, ohne zu brechen. Dongfeng Peugeot baute eigens ein Werbevideo mit dem Slogan „im Ernstfall beherzt treten". SAIC Volkswagen erhob beim Start des neuen 8X „unzerbrechliches Bremsen" kurzerhand zur harten Produkteigenschaft. Xiaomi testete zwar nicht aktiv mit, doch alte Aufnahmen wurden wieder populär, in denen Konzernchef Lei Jun ein Fahrzeug des Typs YU7 GT bei 200 km/h in die Vollbremsung schickt.
Technische Eckdaten des Falls
In Deutschland
Voyah ist in Norwegen erhältlich, jedoch noch nicht offiziell in Deutschland.
Voyah (岚图) von Dongfeng ist in Norwegen erhältlich. Weitere europäische Märkte sind geplant.