Chery steigert Umsatz auf 30,9 Mrd. € – Marge bleibt dünn
Chery (奇瑞) hat in den ersten neun Monaten 2026 rund 30,9 Mrd. € (ca. 241,2 Mrd. Yuan) umgesetzt — 12,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Bruttogewinn kletterte auf ca. 5,0 Mrd. € (ca. 39,0 Mrd. Yuan), die Bruttomarge von 15,0 auf 16,2 Prozent. Unter dem Strich bleiben ca. 1,9 Mrd. € (ca. 14,6 Mrd. Yuan) Gewinn, das sind 6,05 Prozent vom Umsatz. Auf die Aktionäre entfallen davon ca. 1,8 Mrd. € (ca. 14,0 Mrd. Yuan).
Der Vergleich mit der Branche fällt deutlich aus: Die chinesische Autoindustrie insgesamt wuchs laut nationalem Statistikamt nur um 2,6 Prozent beim Umsatz, der Branchengewinn brach um 22,8 Prozent ein. Die Umsatzrendite der gesamten Industrie liegt bei 3,3 Prozent — Chery erreicht fast das Doppelte. Ein Vorjahreswert für den Nettogewinn wird in den Zahlen allerdings nicht genannt; ein belastbarer Vergleich der Gewinnentwicklung ist damit nicht möglich.
Umsatz wächst schneller als der Absatz
Der Absatz legte um 10,5 Prozent zu, der Umsatz um 12,3 Prozent, der Bruttogewinn um 32,4 Prozent. Die Schere zeigt: Chery verkauft teurere Autos und verdient pro Fahrzeug mehr. Für einen Hersteller, der lange über den Preis antreten musste, ist das die entscheidende Kennzahl im härtegradigsten Automarkt der Welt.
Forschung: 1,4 Mrd. € und ein Anteil von 4,6 Prozent
Für Forschung und Entwicklung gab Chery ca. 1,4 Mrd. € (ca. 11,0 Mrd. Yuan) aus, 40,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil am Umsatz stieg von 3,7 auf 4,6 Prozent. Zum Vergleich: Volkswagen investiert konzernweit ein Vielfaches, gemessen am Umsatz aber in ähnlicher Größenordnung. Die Steigerung ist dennoch bemerkenswert, weil Chery sie parallel zu einem aggressiven Preiskampf im Heimatmarkt stemmt.
Vier Baustellen, ein Konzern
Die Modellpalette wächst in fast allen Segmenten gleichzeitig:
- New QQ3: sechs Monate in Folge über 10.000 Einheiten pro Monat, laut Chery noch 100.000 offene Bestellungen weltweit
- Fulwin A9: Bestseller unter den rein elektrischen Mittelklasselimousinen ab ca. 19.200 € (ca. 150.000 Yuan), über 7.000 Auslieferungen im September
- Fulwin T7: 6.168 Einheiten im September, über 16.000 Bestellungen im Auftragsbuch
- iCAR V23: über 100.000 Einheiten kumuliert im Segment der kompakten Offroad-Elektroautos
- Luxeed V9: viermal in Folge die Nummer eins unter den MPVs über ca. 51.200 € (ca. 400.000 Yuan)
- FREELANDER 8: erste Auslieferungen im September, jetzt im Hochlauf
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Viele dieser Modelle bleiben China-vorbehalten oder laufen unter eigenen Marken. Für deutsche Kunden relevant ist vor allem die Marke JAECOO, die mit dem JAECOO 7 bereits in Deutschland antritt — ein Kompakt-SUV, das preislich unter einem VW Tiguan liegt.
Europa als zweites Standbein
Chery hat in Barcelona ein Regionalzentrum eröffnet und dort ein eigenes Forschungsinstitut gestartet. Entscheidungen über Entwicklung, Einkauf, Produktion und Compliance für Europa sollen künftig vor Ort fallen, nicht in Wuhu. In Südafrika übernahm Chery die Rosslyn-Fabrik von einem großen Wettbewerber und will bis 2028 mindestens 40 Prozent der Fahrzeuge lokal fertigen. Das ist der Kern der Globalisierungsstrategie 3.0: nicht mehr nur exportieren, sondern vor Ort produzieren und entwickeln.
In Europa trägt das bereits Früchte. Nach Daten von Dataforce war Chery im September die stärkste chinesische Marke in Europa inklusive Großbritannien und EFTA-Staaten. In Großbritannien stand Chery laut SMMT den zweiten Monat in Folge an der Spitze der Markenrangliste — vor Volkswagen. Rund jedes zehnte dort verkaufte Neufahrzeug stammt inzwischen von Chery.
500 Kilometer in fünf Minuten
Auf der Technikseite hat Chery Ende Oktober die Strategie „Yaoguang 2035" vorgestellt. Kern ist ein eigenes KI-Grundmodell namens CheryMind, auf dem Fahrassistenz, Robotaxi und eine Flotte von Kleinstrobotern aufbauen. Bei der Ladeleistung nennt Chery für die „Xunlong"-Schnellladefunktion Werksangaben von fünf Minuten Ladezeit für 500 Kilometer Reichweite. Die Angabe bezieht sich auf den chinesischen CLTC-Zyklus (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 Prozent höher als WLTP) — realistisch sind also eher 425 Kilometer nach WLTP-Maßstab. Ein Serienfahrzeug mit diesen Werten ist bislang nicht bestätigt.
Dazu kommen eine Feststoffbatterie namens „Rhino S", ein eigener Chiphersteller-Zweig („Ziwei"), ein 48-Volt-Bordnetz und bidirektionales Laden ins Netz (V2G). Erste V2G-Stationen stehen in Shanghai, Guangzhou, Hefei und Wuhu. Ob und wann diese Technik nach Europa kommt, ist offen — eine europäische Typgenehmigung für die genannten Systeme liegt nicht vor.
Analysten sehen Luft nach oben
Die Bewertungshäuser sind sich auffällig einig. JPMorgan, Citi, die Deutsche Bank, CICC, CITIC Securities, Huatai und weitere Institute stufen Chery überwiegend mit „Kaufen" oder „Overweight" ein. Die Begründung folgt überall derselben Logik: Chery habe den Sprung vom Exporteur zum lokalen Produzenten geschafft und verdiene im Ausland deutlich besser als zu Hause. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt an Europa — und daran, ob sich die Preisstrategie der vergangenen Jahre dort wiederholen lässt.
In Deutschland
Chery ist in Deutschland bisher nicht mit der Kernmarke vertreten. Aktiv ist hier die Tochtermarke JAECOO, deren Kompakt-SUV JAECOO 7 seit 2025 bei deutschen Händlern steht; auch OMODA ist im Aufbau. Ein Marktstart der Marke Chery selbst in Deutschland ist angekündigt, aber nicht terminiert. Europapreise für die im Artikel genannten Modelle Fulwin A9/T7, iCAR V23, Luxeed V9 und FREELANDER 8 nennt das Unternehmen nicht; für keines davon liegt eine EU-Typgenehmigung vor. Die Deutschland-Präsenz beschränkt sich damit derzeit auf das Händlernetz von JAECOO und OMODA.