Chery: Freelander 8 startet mit 5.000 Bestellungen
Der Freelander 8 ist das erste Modell der neuen Marke Freelander, die Chery (奇瑞) aus dem klassischen Land-Rover-Modell Freelander als eigenständige globale Marke entwickelt hat. Das Joint Venture Chery Jaguar Land Rover brachte den kantigen Range-Extender am 3. September in China an den Start und senkte den Preis gegenüber dem Vorverkauf um bis zu ca. 3.800 € (ca. 30.000 Yuan).
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Bereits am ersten Tag meldete die Marke mehr als 5.000 verbindliche Bestellungen. Die Einstiegsversion ist serienmäßig mit 156 Kernausstattungen ausgerüstet — aus Sicht des Herstellers „so komplett, wie es nur geht".
Bestellstruktur: Käufer greifen zur gehobenen Ausstattung
Aufschlussreicher als die reine Zahl ist die Verteilung der Bestellungen. 40 Prozent entfallen auf die Topversion, 50 Prozent auf die mittlere Ausstattung und nur 10 Prozent auf die Basisversion PRO — ein Verhältnis von etwa 4:5:1. Die Mehrheit der Kunden wählt also die höherwertigen Varianten und ist weniger preissensibel.
Das passt zum Kundenprofil: Rund 40 Prozent der Käufer kommen laut Marke von einem BBA-Fahrzeug (BMW, Mercedes-Benz, Audi — die drei deutschen Premiumhersteller), weitere 35 Prozent von chinesischen EV-Startups mit großen SUVs. Diese Gruppen stellen klare Ansprüche an Marke und Produkterlebnis und achten weniger auf den niedrigsten Preis.
„Erst die Marke stärken, dann die Verkaufszahlen"
Freelander-CEO Wen Fei machte deutlich, dass in diesem Jahr nicht das Volumen, sondern der Markenaufbau im Mittelpunkt steht. „Viele brüsten sich erst mit Postern, wenn die Bestellungen die 10.000er-Marke reißen — aber 5.000 ist ein guter Wert, wir müssen nicht erst 10.000 erreichen", sagte er. Das Ziel sei ein dreifaches: die Markenwerte klar zu kommunizieren, die Produktauslieferung inklusive Qualität und Erlebnis sauber umzusetzen und eine passende Community aufzubauen. Diese drei Punkte seien wichtiger als die Zahl der Auslieferungen zum Jahresende.
Fünf Jahre, sechs neue Modelle
Wen Fei nennt einen klaren Fahrplan: sechs neue Modelle in fünf Jahren. Nach dem Freelander 8 sind zwei weitere Fahrzeuge in Entwicklung, jeweils mit eigener Auslandsversion. Die neue iMAX-Plattform unterstützt rein elektrischen Antrieb (BEV), Range-Extender (EREV) und Plug-in-Hybrid (PHEV). Das zweite Modell ist bereits mit reiner Elektroarchitektur geplant.
Der Freelander 8 startet vorerst nur als Range-Extender; ob eine reine Elektroversion folgt, wird noch geprüft. Grund ist die kantige Karosserie: „Bei dieser eckigen Form ist der Luftwiderstand eine echte technische Hürde", so Wen Fei. Ein Expertenteam arbeitet daran. Den Range-Extender sieht er weiterhin im Vorteil: Wenn in einem Haushalt bereits ein Elektroauto steht, decke ein zweiter Wagen als Range-Extender-SUV die Langstrecke ab, ohne an die Ladesäule zu müssen.
Sicherheit und Haltbarkeit als rote Linien
Angesichts immer kürzerer Entwicklungszyklen äußerte sich Wen Fei zurückhaltend zum Thema „schnell zusammengeschusterte Autos". Zwar seien die Zyklen wettbewerbsbedingt von 36 bis 60 Monaten auf 18 bis 24 Monate geschrumpft, doch Sicherheit, Haltbarkeit, Qualität und die Testabdeckung seien unverhandelbare Ausschlusskriterien. Erst wenn gesetzliche Zulassung, ausreichende Sicherheits- und Qualitätswerte sowie die Marktanpassung in allen Zielmärkten erfüllt seien, ergebe eine Effizienzsteigerung überhaupt Sinn.
Positionierung: 350.000 bis 500.000 Yuan
Als eigenständige Marke muss sich Freelander klar im Land-Rover-Universum abgrenzen. Range Rover bedient das Segment über ca. 128.000 € (ca. 1.000.000 Yuan), Defender den Bereich ca. 76.800 bis 115.200 € (ca. 600.000 bis 900.000 Yuan). Die früheren in China gefertigten Land Rover — etwa der Discovery Sport — deckten das Feld von ca. 44.800 bis 64.000 € (ca. 350.000 bis 500.000 Yuan) ab. Genau diese Lücke füllt Freelander nun.
Der Freelander 8 ist dabei kein reiner Stadt-SUV: Er bietet drei Differenzialsperren und 900 mm Wattiefe, das Assistenzsystem beherrscht über 160 Parkszenarien und wurde gemeinsam mit Huawei entwickelt. Rund 90 Prozent der Nutzung spielen sich dennoch im urbanen Bereich ab; das All-Terrain-System (ATS) erkennt den Untergrund automatisch und wechselt die Fahrmodi ohne Zutun des Fahrers. Für deutsche Leser ist das die Positionierung zwischen einem Land Rover Defender und einem großen Familien-SUV wie dem Li Auto L8.
Vertrieb: Fokus auf 60 bis 80 Städte
Beim Vertrieb setzt die Marke auf kontrolliertes Wachstum. Das Netz besteht aus einem quasi-direkten Modell plus Schnellbest
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa.

