Roewe Jiayue 07: KI-Familienauto ab ca. 19.200 € in China
Roewe (荣威), die chinesische Kernmarke des SAIC-Konzerns, hat am 21. September den Vorverkauf (预售) des neuen Jiayue 07 gestartet. Das als „KI-natives Familienauto" positionierte Modell wird in der 150.000-Yuan-Klasse angeboten — umgerechnet ca. 19.200 € (ca. 150.000 Yuan). Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Auffällig: Bei der Vorstellung spielten klassische Hardware-Daten wie Raum, Ausstattung oder Fahrwerk kaum eine Rolle. Stattdessen rückte SAIC die KI-Erlebniswelt des Fahrzeugs in den Mittelpunkt — für den Hersteller der eigentliche Kern des Produkts.
KI-Ausstattung der Oberklasse zum halben Preis
Der Jiayue 07 kombiniert ein KI-natives Cockpit von Doubao (豆包, der KI-Assistent von ByteDance) mit dem Fahrassistenzsystem (ADAS) von Momenta. SAIC stattet den Wagen nach eigenen Angaben mit Hardware aus, die sonst erst in Modellen der 250.000- bis 300.000-Yuan-Klasse (ca. 32.000 bis 38.400 €) zu finden ist. In China tritt er damit gegen Fahrzeuge wie den Li Auto L6 oder den AITO M7 an.
- KI-natives Doubao-Cockpit mit Sprachsteuerung
- Fahrassistenzsystem (ADAS) von Momenta
- SAIC-3.0-E/E-Architektur mit zentraler Verwaltung von über 2.000 Fahrzeugsignalen
- CPP-KI-Architektur als Basis für das KI-native Gesamtkonzept
Der Vorverkaufspreis löste nach Angaben des Herstellers eine starke Order-Welle aus. Der Jiayue 07 tritt an die Seite des MG07; gemeinsam bilden sie die „Doppel-07"-Offensive von SAIC. Der MG07 hatte seine ersten 10.000 Bestellungen bereits nach 1 Minute und 57 Sekunden verbucht.
Wie SAIC den niedrigen Preis stemmt
Warum gelingt Oberklasse-Ausstattung zum halben Preis? SAIC-Passenger-Car-Chef Lu Xiao nennt mehrere Hebel. Erstens die integrierte Lieferkette des Konzerns: Zu den Konzerntöchtern zählen Huayu (华域) und Yanfeng (延锋), hinzu kommt eine Beteiligung am Batteriespezialisten Qingtao (清陶), der Halbfeststoff- und Feststoffzellen entwickelt.
Zweitens eine frühe Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Zulieferern („整零协同"), bei der Wettbewerbsanalysen und Kostenoptimierung schon in die Designphase einfließen. Drittens die Skaleneffekte des gesamten Konzerns — SAIC ist ein Fortune-500-Unternehmen mit Logistik, Vertrieb, Finanz- und Beteiligungsarm. Partner wie Momenta, Horizon (地平线), CATL (宁德时代) und ByteDance (字节跳动) sind über Joint Ventures, Investments oder strategische Allianzen eingebunden.
Hinzu kommt die Globalisierung: Die Konzernmarke MG ist bereits stark im Ausland aufgestellt, Plattformen werden zunehmend weltweit entwickelt. Lu Xiao betont, chinesische Hersteller könnten heute nicht mehr einfach „Teigwaren am Fließband" produzieren und den Markt mit einer komplett gefüllten Modellpalette abdecken — wichtiger sei, „ein Auto zu bauen und es zum Erfolg zu machen". 2025 will SAIC Passenger Vehicle die Marke von einer Million Fahrzeugen überschreiten und beim Export die 800.000 anpeilen; 2026 soll die Million beim Export fallen.
Doubao-Cockpit: „fünf Mal wie ein Mensch"
Das bislang zurückgehaltene Doubao-Cockpit feierte in China nun Premiere. Warum die KI-native Erfahrung zuerst bei Roewe landet, erklärt Zhang Liang, stellvertretender SAIC-Passenger-Car-Chef. Für ein solches System müssten vier Bausteine zusammenkommen: eine E/E-Architektur, die sämtliche Fahrzeugsignale bündelt, ein ausreichend starkes KI-Modell, die neue CPP-KI-Architektur sowie ein grundlegend neues Bedien- und Interaktionskonzept. Erst dann seien die „fünf Mal wie ein Mensch" möglich — bei Erscheinung, Wahrnehmung, Denken, Emotion und Handeln.
Das Projekt trägt den Codenamen DNA und steht laut Zhang für zwei Dinge: „Doubao Native Auto" und eine Doppelhelix. Eine Strang steht für die Fahrzeughardware, die andere für die Software-Intelligenz — verbunden durch Bindeglieder, die beide Seiten miteinander verzahnen. Vier Teams mussten dafür zusammenfinden: Produkt, Entwicklung, das Doubao-Consumer-Team von ByteDance und die Modell- und KI-Spezialisten von Volcano Engine (火山引擎).
KI für alle — Premium nur über den „Wert"
Bei so viel KI zum kleinen Preis stellt sich die Frage, ob sich höhere Margen künftig überhaupt noch über KI erzielen lassen. Roewe-Markenchef Qian Yang verweist zunächst auf das Kernsegment: Die meistverkaufte Preisklasse für chinesische Familienautos liege seit über 20 Jahren stabil bei rund 150.000 Yuan (ca. 19.200 €). Roewes Aufgabe sei es, genau dort ein wirklich gutes Auto zu bauen. „Technologie hat begrenzten Wert, solange sie elitär bleibt", so Qian. Entscheidend für mehr Premium bleibe daher die Frage, ob ein Aufpreis sich für den Kunden lohnt.
Der größte Wandel liege im veränderten Verhältnis zwischen Mensch und Auto: Statt Menüs durchzuklicken, genüge künftig ein gesprochener Satz — selbst ungenau formuliert. Als Beispiel nennt Qian die Spiegelverstellung, für die kaum jemand ins Handbuch schaue. Als Hürden für Nachahmer gelten zum einen das tiefe Verständnis der Fahrzeugarchitektur bis hin zu Sicherheitsgrenzen, zum anderen die Fähigkeit des KI-Modells, diese Fahrzeugfunktionen wirklich zu verstehen. Nötig seien dafür drei Dinge gleichzeitig: eine starke E/E-Plattform, vollständige Fahrzeugentwicklungskompetenz und ein leistungsfähiger KI-Partner.
Ausblick: 20 Jahre Roewe
Im nächsten Monat feiert Roewe sein 20-jähriges Bestehen. Die Marke bleibt nach eigenem Selbstverständnis „for Familie" — gedacht so, dass jedes Familienmitglied seinen Raum bekommt, statt sich dem Ganzen unterzuordnen. Der Jiayue 07 läutet als zentrales Produkt dieses Jubiläumsjahr ein und bringt KI-native Technik erstmals in das chinesische Volumen-Segment um 150.000 Yuan. Für den Hersteller ist das kein reiner Preisvorstoß, sondern eine Wette darauf, dass KI zuerst breitenwirksam werden muss, bevor sie teuer werden darf.
In Deutschland nicht erhältlich
Der Roewe Jiayue 07 ist ausschließlich für den chinesischen Markt bestimmt. Die Marke Roewe (荣威) wird in Europa nicht angeboten — SAIC vermarktet hierzulande allein seine globale Marke MG. Ein offizieller Europa- oder Deutschland-Start für Roewe-Pkw ist bislang nicht angekündigt. Sollte die KI-native Technik nach Europa kommen, dürfte sie daher eher über MG-Modelle eingeführt werden.

