XPeng Yoyo: Robotaxi-Pilot mit 3.000 TOPS
XPeng hat am 8. Oktober seinen Robotaxi-Dienst Yoyo in China gestartet. Der Pilotbetrieb läuft ausschließlich über Einladungscodes: Ausgewählte Nutzer können über ein eigenes Buchungsprogramm Fahrten reservieren. Einen Preis für den Service nannte das Unternehmen nicht. Technische Basis ist der GX, das Flaggschiff-SUV von XPeng.
Mini-Programme sind in China weit verbreitet — es sind Apps innerhalb einer App. Die meisten Nutzer verwenden auf dem Smartphone nur eine große Anwendung, meist WeChat, und erledigen darin fast alles: Fahrdienste (Didi), Online-Shopping (JD), Essenslieferungen (Meituan) oder Videos (Bilibili). Nun kommt Yoyo als weiterer Dienst hinzu.
Komfort per Smartphone-Display
Vor dem Einstieg können Fahrgäste die Kabinentemperatur einstellen und das Duftsystem aktivieren. An Bord gibt es „Zero-Gravity"-Sitze mit Liegefunktion, Massagefunktionen und einen Bildschirm für die Fondpassagiere.
Angetrieben wird das Robotaxi von der zweiten Generation des Vision-Language-Action-Modells VLA 2.0. Das System arbeitet rein kamerabasiert — ohne Lidar und ohne hochauflösende Karten. Vier hauseigene Turing-KI-Chips liefern laut XPeng 3.000 TOPS (Billionen Rechenoperationen pro Sekunde). XPeng stuft das Fahrzeug für Stufe 4 des autonomen Fahrens ein (SAE-Klassifikation): Das System übernimmt die Fahraufgabe unter definierten Bedingungen ohne menschlichen Eingriff.
- Basis: XPeng GX, Flaggschiff-SUV — Konkurrent zum VW ID.6
- Rechner: vier hauseigene Turing-KI-Chips
- Rechenleistung: 3.000 TOPS (effektiv)
- Sensorik: kamerabasiert, kein Lidar, keine HD-Karten
- Software: VLA 2.0 (Vision-Language-Action)
- Automatisierungsstufe: Stufe 4 (SAE)
Von der Testfahrt zur Fernsteuerung
Die Pläne für ein Robotaxi hatte XPeng im November 2025 vorgestellt, im Januar 2026 begannen regelmäßige Straßentests. Im Mai lief das Serienfahrzeug im Werk Guangzhou vom Band, im Juli folgten Testfahrten mit Mitarbeitern — inklusive Online-Buchung, autonomer Abholung und Fahrtabschluss. Nach Unternehmensangaben hat das Fahrzeug bislang mehr als 2.200 Testfahrten absolviert.
Im August erhielt XPeng eine Genehmigung für Fernsteuerungs-Tests in Guangzhou. Sie erlaubt Fahrten auf ausgewiesenen Teststraßen der Klassen I, II und III — ohne Sicherheitsfahrer auf dem Fahrersitz. Im selben Monat teilte Vorstandschef He Xiaopeng mit, die cloudbasierte Fernübernahme-Plattform sei fertig entwickelt.
Zeitplan: erst Guangzhou, dann die Welt
2026 will XPeng erste Pilotfahrten und kleinere Demonstrationsbetriebe starten. Guangzhou dient als Testfeld, um Betriebserfahrung zu sammeln, bevor der Dienst auf andere Städte ausgeweitet wird. Für Passagierfahrten ohne Sicherheitsfahrer gilt weiterhin das Ziel 2027.
He Xiaopeng zufolge könnte das Guangzhou-Geschäft auf Fahrzeugebene bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 die Gewinnschwelle erreichen. Diese Angabe bezieht sich auf die Wirtschaftlichkeit einzelner Fahrzeuge, nicht auf die Profitabilität des gesamten Robotaxi-Geschäfts. Entscheidend sei die Fahrzeugdichte im Betriebsgebiet. Erlöse sollen aus Fahrzeugverkäufen, Technologiedienstleistungen und einem Anteil am Betriebsergebnis kommen; lokale Flottenpartner übernehmen den Betrieb vor Ort.
Europa: Gespräche, aber keine Termine
XPeng verhandelt nach eigenen Angaben über Yoyo-Partnerschaften in Europa, im Nahen Osten und in Südostasien. Konkrete Partner oder Starttermine nannte das Unternehmen am 8. Oktober nicht. Für 2027 ist zudem ein eigenes, speziell für den Robotaxi-Betrieb entwickeltes Modell geplant. He erwartet, dass Auslandsmärkte langfristig den Großteil des Geschäfts ausmachen.
Einordnung: Das Robotaxi ist nicht nur wegen der Auslandspläne interessant. XPeng gleicht die niedrigen Margen im chinesischen Preis- und Wettbewerbsdruck mit neuen Erlösquellen aus — humanoide Roboter, Exportgeschäft und nun der Robotaxi-Dienst. Als Maßstab für Fahrassistenz gilt in China üblicherweise das Qiankun-ADS von Huawei; XPengs VLA-System wird von Beobachtern als mindestens ebenbürtig eingeschätzt.
In Deutschland
XPeng ist in Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden erhältlich, jedoch noch nicht offiziell in Deutschland.
XPeng ist in mehreren nordeuropäischen Ländern vertreten, der Markteintritt in Deutschland ist angekündigt. Der Robotaxi-Dienst Yoyo ist bislang ausschließlich für den chinesischen Markt gestartet; über Partnerschaften in Europa wird laut Unternehmen lediglich verhandelt, feste Termine gibt es nicht.



