Stadtpilot in China: 30 % Quote, Momenta im September vorn
In China sind im September 498.000 Neuwagen mit Stadtpilot (City NOA) zugelassen worden. Das entspricht 30,35 % aller Pkw-Neuzulassungen — erstmals in diesem Jahr über der 30-Prozent-Marke und der höchste Monatswert 2026. Die Zahlen stammen aus der Auswertung von Versicherungs-Zulassungsdaten durch das chinesische Fachportal D1EV.
Jeder dritte Neuwagen, Tendenz steigend
Von Januar bis September kamen 3.298.000 Fahrzeuge mit Stadtpilot auf die Straße, bei insgesamt 13.235.000 Pkw — eine kumulierte Quote von 24,9 %. Zum Jahresauftakt lag die Penetration bei 17,85 %. Der Markt wächst deutlich schneller als das Gesamtgeschäft: Die Pkw-Zulassungen legten gegenüber August um 7,3 % zu, die Stadtpilot-Zulassungen um 13,7 %.
Ein Stadtpilot in dieser Statistik beherrscht jede innerstädtische Route — inklusive Kreuzungen, ungeschütztem Linksabbiegen und Fußgängern. Ein reiner Autobahn-Pilot oder ein gespeicherter Pendelweg zählt nicht. Erfasst werden alle Fahrzeuge, die die Funktion technisch beherrschen, auch ohne Freischaltung. Für den Vergleich mit Europa ist das wichtig, weil dort vergleichbare Funktionen bislang deutlich seltener ab Werk verbaut sind.
Wer im September vorn lag
Im September führte Momenta mit 98.400 Einheiten und lag 32.500 Fahrzeuge vor DeepRoute (元戎启行). In der Jahresbilanz liegt Huawei (华为) mit 519.500 Einheiten noch 1.300 vor Momenta (518.200). Nach dem September-Ergebnis dürfte dieser Vorsprung im Oktober fallen.
Die Struktur dahinter: Die drei größten Anbieter kommen zusammen auf 45,9 %, die fünf größten auf 66,4 % — fast wie im August (46,6 % und 66,5 %). Auf den Plätzen zwei bis vier liegen DeepRoute, Tesla und Huawei mit jeweils 12 bis 13 %, weniger als einen Prozentpunkt trennt sie. Ein einziges erfolgreiches Modell kann die Reihenfolge drehen.
Die Macht verschiebt sich zu den Zulieferern
Zum Jahresstart dominierte Huawei allein, im September teilen sich Momenta, DeepRoute, Tesla und Huawei jeweils zwischen 12 und 20 %. Die sechs Hersteller mit eigener Entwicklung — Tesla, Li Auto (理想), Xiaomi (小米), NIO (蔚来), XPeng (小鹏) und neu Changan (长安) — kommen zusammen nur noch auf 39,5 %, im März waren es 51,2 %.
Der Grund liegt beim Preis. Neue Stromer unter 25.600 € setzen fast immer auf zugekaufte Systeme, weil eigene Entwicklung dort zu teuer ist. Das verschiebt das Geschäft weg von den Herstellern hin zu Anbietern wie Momenta, DeepRoute oder Horizon.
Die Wasserscheide liegt bei rund 26.000 Euro
Die Trennlinie verläuft bei etwa 20万元 — umgerechnet ca. 25.600 € (ca. 200.000 Yuan).* Oberhalb davon liegt die Elektro-Quote je Preissegment bei über 86 %, zwischen ca. 32.000 und 38.400 € (ca. 250.000 bis 300.000 Yuan) ist der Markt nahezu gesättigt. Das eigentliche Wachstumsfeld liegt zwischen ca. 12.800 und 25.600 € (ca. 100.000 bis 200.000 Yuan): Dort sind 740.000 Pkw zugelassen, davon 118.000 mit Stadtpilot.
Ob Stadtpilot zum Standard für alle wird, hängt an diesem Segment. Zieht die Quote dort ähnlich an wie zuletzt in der Klasse darüber, könnte das bis 2027 gelingen.
Wer was liefert
Bei Momenta stammen 60.900 der 98.400 Einheiten (62 %) aus dem BYD-Konzern, also von BYD, Denza (腾势) und Fangchengbao (方程豹). Tesla legt wie üblich zum Quartalsende zu. Huawei hat im September eine Lücke zwischen alten und neuen Baureihen — die Nachfrage ist nicht weg, die Auslieferung neuer Modelle startet erst Ende Oktober. Xiaomi wächst um 31,5 % und schiebt sich vom siebten auf den fünften Platz. Li Auto fällt wegen der rückläufigen Nachfrage nach dem i6 zurück. Bei XPeng ist bemerkenswert: Die Fahrassistenz wird inzwischen auch an Volkswagen geliefert.
BYD auf eigener Spur
BYD fährt bislang eine Sonderrolle. Die DM-Modelle sind mit „God's Eye C" (天神之眼C) ausgestattet, das nur den Autobahn-Piloten beherrscht und damit nicht in die Statistik zählt. Nach Informationen von D1EV hat BYD im September aber still mit einer eigenen Stadtpilot-Lösung begonnen. Das ist der größte Unsicherheitsfaktor für Momenta — der Konzern ist dessen wichtigster Abnehmer.
Ausblick
Zwei Dinge lohnen den Blick in den nächsten drei Monaten: ob Huawei mit neuen Baureihen Anteile zurückgewinnt und wie schnell BYDs eigene Entwicklung wirklich vorankommt. Beides entscheidet, ob Momenta aus der September-Führung einen Jahresvorsprung macht.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
In Deutschland
In Europa spielt der Stadtpilot eine deutlich kleinere Rolle als in China. Tesla bietet seine FSD-Funktion in China in einer eigenen Variante an — Umfang und Bezeichnung wurden dort zuletzt mehrfach angepasst, verbindliche Angaben dazu sind rar. In Deutschland ist ein vollwertiger Stadtpilot bislang nur bei wenigen Modellen verfügbar, meist als Teil umfangreicher Assistenzpakete. Chinesische Anbieter wie BYD, NIO oder XPeng bringen ihre Systeme schrittweise nach Europa; ein flächendeckender Serienstandard wie in China ist hier nicht absehbar. Für deutsche Käufer bleibt City-NOA damit vorerst ein Extra der Oberklasse statt Grundausstattung.