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D1EVVon 3 Min. Lesezeit

Hinge Automotive: China bringt Licht in Auto-Netzwerke

Der chinesische Spezialist Hinge Automotive präsentiert auf der AEC in München 10G-Faserlösungen für autonomes Fahren. Gemeinsam mit Corning und KDPOF will man die Kupfer-Grenzen überwinden – europäische Hersteller sind noch zögerlich.

Hinge Automotive: China bringt Licht in Auto-Netzwerke

Wenn autonome Fahrzeuge der Stufe 3 und höher massenhaft Daten von Kameras, Lidar und Radar verarbeiten müssen, stoßen klassische Kupfer-Ethernet-Leitungen an ihre Grenzen: zu wenig Bandbreite, störanfällig bei elektromagnetischer Interferenz (EMC) und zu schwer für moderne E-Autos. Die Lösung: optische Hochgeschwindigkeitsnetzwerke, sogenannte „Lichtarchitekturen". Auf dem diesjährigen Automotive Ethernet Congress (AEC) in München wurde klar: Diese Technologie steht vor dem Durchbruch.

Chinesischer Newcomer im Zentrum der Aufmerksamkeit

Eine der auffälligsten Firmen auf dem Kongress war Hinge Automotive (赫千汽车科技) aus China. Das Unternehmen präsentierte sich auf der offiziellen „Optical Supplier Ecosystem"-Landkarte als einer der Kernanbieter – Seite an Seite mit etablierten Größen wie Corning, Sumitomo Electric und Fujikura. Für ein chinesisches Tech-Unternehmen ist das ein bemerkenswerter Schritt: Hinge Automotive ist nicht nur in die globale Lieferkette eingestiegen, sondern wurde auch eingeladen, im Oktober 2026 auf dem IEEE-Workshop „Ethernet & IP @ Automotive Technology Day" in Schweden mitzureden. Damit wirkt der Newcomer künftig an internationalen Standards mit – ein Alleinstellungsmerkmal.

10G-Faser für ADAS und Cockpit

Gemeinsam mit dem Glasfaserriesen Corning und dem Optik-Chip-Pionier KDPOF (maßgeblich am IEEE 802.3cz-Standard beteiligt) zeigte Hinge eine 10G-Faser-Single-Link-Lösung mit einer Switch-Kapazität von 200 Gbit/s. Die Vorteile für ADAS-Systeme und digitale Cockpits liegen auf der Hand:

  • Ultrahohe Bandbreite, nahezu verzögerungsfrei: Selbst mehrere 8-Megapixel-Kameras und Lidar-Datenströme werden problemlos bedient.
  • Keine EMV-Probleme: Da Lichtwellenleiter nicht elektrisch leiten, entfallen aufwendige Abschirmungen gegen elektromagnetische Störungen in E-Antrieben.
  • Gewichtsersparnis: Glasfasern sind deutlich leichter als Kupferkabelbäume, was die Reichweite von E-Autos verbessert.

Der CTO von Hinge Automotive, Yang Jun, erklärte in einem Panel: „Chinesische Hersteller sind mit ihrer agilen Innovationskraft bei der Kommerzialisierung der Lichtarchitektur bereits deutlich weiter. Europäische Hersteller befinden sich dagegen meist noch in der Evaluierungsphase." Er rief die europäischen OEMs auf, Tempo zu machen.

Nächster Schritt: Corning und Hinge besuchen chinesische Top-Hersteller

Schon im Juni 2026 wollen Corning und Hinge gemeinsam bei mehreren führenden chinesischen Automobilherstellern vorsprechen, um die Serienproduktion konkreter Projekte vorzubereiten. Die Kombination aus Corning-Materialkompetenz und Hinges Hard- und Software-Integration verspricht einen schnelleren Rollout der nächsten Elektrik/Elektronik-Architektur (EEA). Für Anleger in China ist das Thema heiß: Die optische Bordnetz-Infrastruktur gilt als „Hardware-Rückgrat" der zweiten Hälfte der Elektrifizierungs-Revolution.

Über Hinge Automotive: Hinge Automotive Technology (https://www.hinge-tech.com/) entwickelt Hochgeschwindigkeits-Kommunikationsplattformen für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV) – basierend auf Glasfaser, leistungsstarken Automotive-Ethernet-Switches und integrierten Gateway-Lösungen.


In Europa

Die vorgestellten Komponenten und Lösungen von Hinge Automotive sind in Europa derzeit noch nicht in Serienfahrzeugen verbaut. Das Unternehmen ist jedoch aktiv auf der Suche nach europäischen Kooperationspartnern. Ein erster Produktionsstart bei einem europäischen OEM wird frühestens 2027 erwartet.

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