GAC Qijing GT7: Huawei ADS 5.0 mit 896-Linien-Lidar
Huawei (华为) und Horizon Robotics fordern mit neuen Fahrassistenzsystemen den amtierenden Champion Bosch-WeRide heraus. Der Grund: Bosch-WeRide hat mit seinem „End-to-End"-Ansatz (durchgängig neuronales Netz) sechs Rennen der chinesischen Intelligenz-Fahr-Wettbewerbsserie in Folge gewonnen – zuletzt in Tianjin mit 86,21 Punkten im Exeed Sterra ES (Chery). Doch die zwei Herausforderer setzen auf unterschiedliche Strategien, um die Schwächen des End-to-End-Konzepts zu überwinden. Erste Serienfahrzeuge mit den neuen Systemen sind bereits auf dem Markt; die nächste Runde in Kunming am 19. Juli wird zeigen, wer die Nase vorn hat.
Sechsfacher Champion mit Lücken
Bosch-WeRide dominiert, weil sein End-to-End-System aus riesigen Datenmengen lernt und intuitiv reagiert. In Tianjin war der Exeed Sterra ES das einzige Fahrzeug, das die Prüfung „Parkhaus innerstädtisches Einkaufszentrum" fehlerfrei absolvierte. Das System benötigte nur drei Eingriffe und erzielte volle Punktzahl bei Sicherheit. Doch die Kehrseite: Bei extrem seltenen Szenarien stoßen trainierte „Intuitionen" an Grenzen. Genau hier setzen Huawei und Horizon an.
Huawei setzt auf Full-Stack-Redundanz
Huawei verfolgt einen Hardcore-Ansatz: Der GAC Qijing GT7 (启境 GT7, eine Kooperation von GAC – Guangzhou Automobile Group – und Huawei) ist serienmäßig mit zwei 896-Linien-Lidaren ausgestattet – die höchste Auflösung aller aktuellen Serienfahrzeuge in China. Das Fahrassistenzsystem (ADAS) ADS 5.0 ist für vollständige Redundanz ausgelegt: Fällt ein Sensor oder Rechenpfad aus, übernimmt nahtlos ein zweiter. Ziel ist ein durchgängiger NOA-Modus (Navigate on Autopilot) von der Starttiefgarage bis zum Zielparkplatz – ohne Unterbrechung. Frühere Huawei-Generationen hatten in solchen „unstrukturierten Umgebungen" gelegentlich deaktiviert; ADS 5.0 soll dies nun beheben. Erstmals kommt das System in einem serienmäßigen Fahrzeug zum Einsatz, das von Grund auf für die Huawei-Architektur entwickelt wurde (native Steuergeräte, elektronische Architektur, Sensorintegration). Theoretisch ist das Potenzial riesig – in der Praxis muss ADS 5.0 seine Stärke erst in echten Wettbewerben beweisen.
Horizon setzt auf Algorithmus-Evolution
Horizon Robotics geht den sparsameren Weg: Statt auf Hardware-Übererfüllung setzt das Unternehmen auf Software-Optimierung. Der iCAR V27 (von Chery) nutzt einen einzelnen Journey J6P-Chip mit 560 TOPS und einen einzelnen Lidar. Mit HSD 2.0 (Horizon SuperDrive 2.0) hat Horizon drei entscheidende Neuerungen eingeführt:
- Einheitliches Basismodell: Statt einer „Whitelist" von Objekten erfasst das System jeden dreidimensionalen Raumpunkt – egal ob Fahrzeug, Fußgänger oder unbekanntes Hindernis.
- Weltmodell + Reinforcement Learning: Das System trainiert in einer virtuellen Umgebung Millionen von Kilometern Extremsituationen – die Komplexität der Fahrmanöver steigt um 167 %.
- 18 neue Funktionen – darunter ein „Drei-Punkt-Wenden"-Manöver, das im vorherigen Rennen alle Teilnehmer scheitern ließ.
Horizons Ansatz: Kontinuierliche Updates statt neuer Hardware. Doch die Frage bleibt, ob HSD 2.0 die Stabilität von Bosch-WeRide erreicht oder sich als „ewiger Zweiter" etabliert.
Wer kann den Champion entthronen?
Huawei ADS 5.0 hat rechnerisch die größere Chance: Hätte der Avatr 07 (mit einem früheren Huawei-System) in Tianjin nicht 30 Punkte wegen Parkhaus-Problemen verloren, läge er bei 106,83 Punkten – deutlich über dem Sieger. Der Qijing GT7 tritt in Kunming allerdings nur als Showcar ohne Gesamtwertung an. Trotzdem wird sein Abschneiden richtungsweisend sein. Horizon HSD 2.0 hat ebenfalls Chancen, wenn die neuen Funktionen die Lücken schließen. Die Entscheidung fällt auf der Rennstrecke in Kunming am 19. Juli.
Die genannten ADAS-Systeme (Huawei ADS 5.0, Horizon HSD 2.0, Bosch-WeRide) sind derzeit nur in chinesischen Serienfahrzeugen wie GAC Qijing GT7, iCAR V27 und Exeed Sterra ES verfügbar. Eine Markteinführung in Europa ist für keinen der genannten Modelle bestätigt. Der technologische Wettbewerb zeigt jedoch die Richtung künftiger Fahrassistenzsysteme.


