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D1EVVon 2 Min. Lesezeit

Hinge Automotive: Glasfaser-Netzwerk revolutioniert Auto-Kommunikation

Auf dem Automotive Ethernet Congress in München zeigt der chinesische Spezialist Hinge Automotive gemeinsam mit Corning und KDPOF eine 10G-Glasfaser-Architektur für autonomes Fahren – sie soll Kupferkabel ersetzen.

Hinge Automotive: Glasfaser-Netzwerk revolutioniert Auto-Kommunikation

Der Automobil-Ethernet-Kongress (AEC) in München hat in diesem Jahr ein klares Signal gesendet: Die Zukunft der Fahrzeugvernetzung liegt im Licht. Mit dem Umstieg auf höhere Autonomiestufen (Level 3+) wachsen die Datenmengen von Kameras, Lidar und Sensoren explosionsartig. Herkömmliche Kupferleitungen stoßen dabei an physikalische Grenzen – zu geringe Bandbreite, störanfällig bei elektromagnetischen Feldern (EMC), zu schwer.

Eine chinesische Firma hat auf dem Kongress die Aufmerksamkeit der Branche auf sich gezogen: Hinge Automotive (赫千汽车科技). Das Unternehmen wurde in der offiziellen „Optical Supplier Ecosystem“-Landkarte als einer der Kernlieferanten für optische Fahrzeugnetzwerke genannt – gleichauf mit etablierten Größen wie Corning, Sumitomo Electric und Fujikura.

Dreier-Allianz für 10G-Glasfaser im Auto

Gemeinsam mit dem Glasfaserspezialisten Corning und dem Chip-Entwickler KDPOF (maßgeblich am IEEE 802.3cz-Standard beteiligt) präsentierte Hinge eine 10G-Glasfaser-Einzelverbindung mit einer Switch-Kapazität von 200 Gigabit. Das System ist speziell für ADAS-Systeme und hochmoderne digitale Cockpits ausgelegt.

Die Vorteile dieser optischen Architektur:

  • Hohe Bandbreite, geringe Latenz: Datenströme von 8–12-Megapixel-Kameras und Lidar-Sensoren werden ohne Engpässe verarbeitet.
  • EMV-sicher: Glasfaser leitet keinen Strom, daher keine elektromagnetischen Störungen – ein großer Vorteil in Hochvoltfahrzeugen.
  • Gewichtsersparnis: Deutlich leichter als Kupferkabel, was die Reichweite von Elektroautos positiv beeinflusst.

In einer Podiumsdiskussion betonte Hinges CTO Yang Jun: „Chinesische Hersteller sind bei der kommerziellen Nutzung der Glasfasertechnologie weltweit führend. Europäische OEMs stecken dagegen oft noch in der Evaluierungsphase. Angesichts des Wettbewerbs bei intelligentem Fahren müssen sie aufholen."

Nächster Schritt: Besuche bei chinesischen Top-OEMs

Bereits im Juni wollen Corning und Hinge gemeinsam die wichtigsten chinesischen Automobilhersteller besuchen, um die Serienintegration der Glasfaser-Architektur voranzutreiben. Die Kombination aus Corning-Materialkompetenz und Hinges integrierten Hardware-/Softwarelösungen soll die nächste Generation elektronischer Fahrzeugarchitekturen (EEA) ermöglichen.

Für die Branche könnte dies den Durchbruch bedeuten: Optische Netzwerke statt Kupferkabel – ähnlich wie Glasfaser einst das Internet revolutionierte. Der Wettlauf um die „digitale Datenautobahn" im Auto hat begonnen.

Hinweis: Bei den genannten Datenraten und Bandbreiten handelt es sich um technische Spezifikationen der vorgestellten Prototypen. Eine Serienfertigung ist für die kommenden Jahre geplant.


In Europa

Diese Technologie ist derzeit noch nicht im Serieneinsatz. Erste Gespräche mit europäischen Herstellern laufen, konkrete Serienprojekte wurden noch nicht bekannt gegeben. Die gezeigte Lösung auf dem AEC-Kongress in München unterstreicht jedoch das Interesse der europäischen Industrie an optischen Bordsystemen.

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