Xpeng G9: L3-Autonomie-Abo ab 51 € monatlich
Chinesische E-Auto-Hersteller setzen beim autonomen Fahren auf Abos – und verändern damit das Geschäftsmodell grundlegend. Bislang waren KI-Dienste wie Fahrassistenz oft im Kaufpreis enthalten oder als einmalige Freischaltung verfügbar. Doch mit der Einführung von L3 (SAE-Stufe 3, bei dem das Fahrzeug zeitweise die Verantwortung übernimmt) entsteht ein neues Bezahlmodell: der „Fahrsicherheits-Abo".
Zwei rote Linien bleiben tabu
Kein Hersteller wird Funktionen ins Abo legen, die die passive Sicherheit betreffen – das verbieten Regulierungen. Auch vorinstallierte Hardware wie Sitzheizung oder Hinterachslenkung per Software-Freischaltung ist verpönt: Sie gilt als „Nachberechnung" auf bereits gekauftes Eigentum. Erfolgversprechende Abos müssen dagegen echte, cloudbasierte Mehrwerte bieten – etwa Echtzeit-Navigation mit Wetter- und Verkehrsdaten oder personalisierte Assistenten. Diese Dienste sind im Betrieb teuer (Cloud-Kosten), daher ist ein dauerhafter Gratis-Zustand nicht nachhaltig.
Xpeng und NIO: Konkrete Preise und Modelle
Zwei chinesische Hersteller treiben die Abo-Idee bereits voran:
| Hersteller | Modell | Abo-Dienst | Monatspreis (Yuan) | Umrechnung (ca. €) |
|---|---|---|---|---|
| Xpeng (小鹏) | G9 | XNGP (City NGP) – Stadtpilot mit L3-Fähigkeit | 399 Yuan | ca. 51 €* |
| NIO (蔚来) | ET7 | NAD (NIO Autonomous Driving) – komplettes autonomes Fahren | 680 Yuan (monatlich) oder 6.800 Yuan/Jahr | ca. 87 € / ca. 870 € jährlich* |
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Der Xpeng G9 ist bereits in Europa (Niederlande, Schweden, Dänemark) erhältlich; ein Marktstart in Deutschland ist für 2025 geplant. NIO ist seit 2022 in Deutschland aktiv, das NAD-Abo soll hierzulande noch 2025 folgen.
L3 als Versicherungsmodell – zeit-räumliche Tarife
Der Wendepunkt heißt L3: Erstmals geht die Fahrverantwortung teilweise auf das Fahrzeug über. Das macht das Abo rational nachvollziehbar – der Nutzer zahlt quasi eine „Haftpflichtversicherung" fürs autonome Fahren. Die Gebühren fließen teils in Technik, teils in einen Risikopool ähnlich einer Versicherung. Der psychologische Hebel: Man zahlt nicht für „mehr Komfort", sondern dafür, „das Steuer legal aus der Hand geben zu dürfen".
Da L3 oft nur in bestimmten Zonen und bei gutem Wetter funktioniert, sind flexible zeit-räumliche Tarife denkbar: Nur auf freigegebenen Autobahnabschnitten wird abgerechnet – „Zahlen pro genutzter Minute". Xpeng arbeitet nach eigenen Angaben an einer solchen Lösung für Europa. NIO plant ein ähnliches Modell für seinen NIO Pilot Plus in Deutschland.
Ausblick: Vom Auto zum mobilen Rechenknoten
Über das reine Fahren hinaus erschließen cloudbasierte Dienste neue Einnahmequellen: personalisierte Routenplanung mit Echtzeit-Daten, digitale Assistenten, sogar automatisierte Reiseberichte. Wer diese Dienste nutzt, wird mit der Zeit vom Hersteller abhängig – die Wechselkosten steigen. Das stärkt die Kundenbindung. Der Fachbegriff dafür: „Memory-as-a-Service" – das Fahrzeug speichert Erlebnisse und bietet sie als personalisierte Inhalte an.
Fazit für deutsche Autofahrer
Abo-Modelle für autonomes Fahren kommen – von chinesischen Herstellern wie Xpeng und NIO, aber auch von deutschen OEMs (VW, Mercedes). Entscheidend ist die Akzeptanz: Solange der Preis unter dem Wert der gewonnenen Zeit liegt, werden Kunden zahlen. Die Konkurrenz wird sich nicht am Komfort, sondern an der Unfallstatistik messen – eine Entwicklung, die den Markt nachhaltig verändern könnte.
Xpeng G9 ist in Europa als Import erhältlich, offizieller Deutschland-Start für 2025 erwartet. NIO ET7 ist in Deutschland bestellbar, NAD-Abo voraussichtlich ab 2025. BYDs DiPilot ist bislang kostenlos im Fahrzeug enthalten; ein eigener Abo-Tarif wurde nicht angekündigt.

