Horizon HSD V2.0: Weltmodell-KI revolutioniert autonomes Fahren
Der chinesische KI-Spezialist Horizon Robotics (地平线) hat sein Fahrassistenzsystem HSD (Horizon SuperDrive) in der Version V2.0 veröffentlicht. Es handelt sich um das bisher größte Over-the-Air-Update (OTA) des Systems. Die neue Version umfasst 18 neue Funktionen und 25 Optimierungen in sechs Dimensionen. Kernversprechen: ein durchgängig intelligentes Fahrerlebnis von Punkt zu Punkt mit umfassender Kollisionsvermeidung.
Das Update wird ab sofort an Fahrzeughersteller ausgerollt. Erster Empfänger ist der iCAR V27, der ab dem 30. Juni schrittweise die OTA-Freischaltung erhält. Weitere Modelle sollen folgen.
Weltmodell und Reinforcement Learning als Doppelantrieb
Das Herzstück von HSD V2.0 ist ein tiefgreifendes Upgrade des KI-Modells. Statt bloßer Funktionserweiterungen setzt Horizon auf eine Kombination aus Weltmodell (World Model) und End-to-End Reinforcement Learning. Diese Architektur soll das System befähigen, Verkehrssituationen nicht nur zu erkennen, sondern aktiv zu antizipieren.
Im Alltag bedeutet das: Das Fahrzeug verhandelt sanfter mit anderen Verkehrsteilnehmern, beschleunigt und bremst flüssiger. Die Parkfunktion wurde erweitert auf „Parken, wo Platz ist" – inklusive verbesserter Hinderniserkennung. Sicherheitstechnisch baut das System eine „ganzheitliche Schutzbarriere" auf, die alle Objekte, Richtungen, Geschwindigkeiten und Wetterlagen abdeckt.
Technische Tiefe: OCC für alle Sicherheitsfunktionen
Eine besondere Neuerung: Horizon überträgt die Occupancy Network (OCC)-Technologie, die bisher nur für den Autobahnpiloten (NOA) genutzt wurde, auf alle aktiven Sicherheitsfunktionen:
- AEB (Notbremsassistent)
- AES (automatischer Lenkeingriff)
- AMAP (Anti-Missbrauch des Gaspedals)
Diese Funktionen teilen sich künftig ein gemeinsames KI-Modell. Dadurch können sie auch ungewöhnliche Hindernisse erkennen, die in keiner klassischen „Whitelist" stehen. Horizon spricht von einem „radikalen Sicherheitssprung".
Hohe Nutzerakzeptanz bestätigt den Ansatz
Die Marktdaten untermauern die Strategie: Bei Fahrzeugen mit HSD-Option wählen 77 Prozent der Kunden die HSD-Version. Die durchschnittliche Nutzung der Fahrassistenz liegt bei knapp 50 Prozent der gefahrenen Kilometer – im iCAR V27 sogar bei 85,14 Prozent. Die Reaktionszeit des Systems ist laut Horizon 34 Prozent schneller als die des zweitbesten Wettbewerbers.
Hinter der Technologie stehen elf Jahre Forschung, über 50 Konferenzbeiträge auf Top-Tagungen, mehr als 2.000 globale Patentanmeldungen und vier eigene KI-Labore.
Was HSD V2.0 für die Branche bedeutet
Horizon betrachtet die Version 2.0 nicht als Endpunkt, sondern als Plattform. Der klare Vorteil: Da das System auf Weltmodell plus Reinforcement Learning setzt, kann es sich selbstständig weiterentwickeln. Neue Daten aus dem realen Verkehr fließen direkt in verbesserte Modelle. Das System wird also mit jedem Update besser, ohne dass Ingenieure neue Regeln programmieren müssen.
Für chinesische Hersteller ist Horizon damit ein zentraler Zulieferer für Level-2++-Assistenzsysteme – ähnlich wie Mobileye in Europa, aber mit einem deutlich agileren Ansatz.
Technische Kennzahlen von HSD V2.0
- Basis: Journey 6P-Chip von Horizon
- Architektur: End-to-End-Modell + Weltmodell + Reinforcement Learning
- Sicherheit: OCC auf AEB, AES, AMAP ausgeweitet
- Update-Verfahren: OTA (Over-the-Air)
- Erste Fahrzeuge: iCAR V27 ab 30. Juni
In Europa
Dieses Fahrzeug bzw. Modell ist in Europa aktuell nicht offiziell erhältlich. Eine Markteinführung wurde bislang nicht angekündigt.

