HSD V2.0: Horizon Robotics mit Weltmodell und KI-Lernen
Der chinesische KI- und Chiphersteller Horizon Robotics (地平线) hat am 29. Juni die Version 2.0 seines Assistenzsystems HSD (Horizon SuperDrive) vorgestellt. Es handelt sich um das bisher umfangreichste OTA-Update mit 18 neuen Funktionen und 25 Optimierungen. Kern der Neuerung ist eine Architektur, die ein sogenanntes Weltmodell mit End-to-End-Deep-Learning und Reinforcement Learning kombiniert. Das System soll dadurch in der Lage sein, Verkehrssituationen nicht nur zu erkennen, sondern aktiv zu antizipieren – ähnlich wie ein erfahrener Fahrer.
Technischer Unterbau: Weltmodell trifft auf bestärkendes Lernen
Während viele End-to-End-Systeme der ersten Generation auf einen einzigen großen Modellansatz setzen, geht HSD V2.0 einen Schritt weiter. Es nutzt einen dualen Antrieb: ein Weltmodell, das physikalische Räume, dynamische Bewegungen und Risiken modelliert, sowie ein Reinforcement-Learning-Framework, das aus langen Fahrdaten lernt. Die daraus resultierenden Fähigkeiten umfassen fließende Fahrmanöver im Straßenverkehr, verbesserte Parkleistung („Parken auf jede freie Lücke“) und eine erweiterte Rundumsicherheit.
Besonders hebt Horizon die Weiterentwicklung der aktiven Sicherheit hervor. Der bisher für den NOA-Piloten genutzte Occupancy Network (OCC) wurde auf die Funktionen AEB (Automatische Notbremsung), AES (Automatisches Ausweichen) und AMAP (Verhindern von unbeabsichtigtem Gasgeben) ausgeweitet. Die Basis dafür ist ein gemeinsames Modell, das mittels synthetischer Langschwanz-Szenarien trainiert wird. Dadurch erkennt das System auch ungewöhnliche Hindernisse abseits der klassischen „Whitelist“ – ein deutlicher Fortschritt gegenüber traditionellen regelbasierten Systemen.
Markterfolg: 77 % der Kunden wählen HSD
Horizon Robotics gibt beeindruckende Akzeptanzzahlen bekannt: Bei Fahrzeugen, die optional mit HSD ausgestattet werden können, entscheiden sich 77 % der Käufer für das System. Der Anteil der mit HSD zurückgelegten Kilometer liegt bei knapp 50 %. Im iCAR V27 (Falcon 700-Version) beträgt die Nutzungsrate sogar 85,14 %. Das Unternehmen führt dies auf die geringe Systemlatenz zurück: Die Zeit von der Umgebungserfassung bis zur Aktion sei 34 % schneller als beim zweitplatzierten System.
Die Updates werden nach und nach an die Fahrzeuge ausgerollt. Erster Empfänger ist der iCAR V27, ein Geländewagen der zum Chery-Konzern gehörenden Marke iCAR (奇瑞). Weitere Hersteller sollen folgen – die genauen Zeitpläne gibt Horizon nicht bekannt.
Ausblick: End-to-End-Wettbewerb geht in die zweite Phase
Horizon sieht den Markt für End-to-End-Systeme in eine neue Phase eintreten. Während die erste Phase die architektonische Ablösung modularer Systeme durch einen einzelnen großen neuronalen Netzansatz brachte, gehe es nun um die permanente Weiterentwicklung: Erkennung, Iterationsgeschwindigkeit und Ingenieursleistung. HSD V2.0 sei dafür mit seinem Weltmodell- und Reinforcement-Learning-Kreislauf gerüstet. Das Unternehmen verfügt über mehr als 2000 globale Patentanmeldungen und über 50 auf internationalen Konferenzen angenommene Paper in den letzten drei Jahren.
In Europa
Dieses Fahrzeug bzw. Modell ist in Europa aktuell nicht offiziell erhältlich. Eine Markteinführung wurde bislang nicht angekündigt.

