Audi RS 5 PHEV: Deutscher V6-Hybrid im Visier chinesischer Premium-Konkurrenten
Audi schickt den RS 5 Sportback in eine neue Ära – und stellt ihn damit zugleich in den Ring der chinesischen Premium-Hybride. Der Plug-in-Hybrid (PHEV) kombiniert den altbekannten V6-Biturbo EA839 (2,9 Liter, 375 kW/510 PS, 600 Nm) mit einem 130 kW (177 PS) starken P2-Elektromodul. Die Systemleistung liegt jenseits der 500 kW, der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in unter vier Sekunden. Während solche Werte in China bei reinen E-Autos zur Normalität werden, ist der RS 5 PHEV ein Bekenntnis zum Verbrenner-Hybrid – und eine Kampfansage an heimische Konkurrenten wie den BYD Han DM-p (比亚迪汉DM-p) oder den Li Auto L9 (理想L9), die auf Range Extender setzen.
Für den chinesischen Markt ist dieser Antriebsstrang besonders relevant: Audi produziert unter dem Joint Venture FAW-Audi (一汽-奥迪) bereits zahlreiche Modelle lokal. Ob der RS 5 PHEV als Importmodell oder in Changchun vom Band läuft, ist noch offen. Klar ist: Plug-in-Hybride gelten in China weiterhin als NEV (New Energy Vehicle) und helfen Audi, die strengen CO₂-Ziele der Doppel-Karbon-Politik zu erfüllen – ein Vorteil gegenüber reinen Verbrennern.
Antriebsstrang der Sonderklasse: EA839 trifft E-Modul
Das Herz des RS 5 PHEV ist der EA839-V6. Die beiden Turbolader sitzen direkt im V-Winkel des Motors, unterstützt durch ein VGT-System mit variablem A/R-Wert – das sorgt für spontanes Ansprechen auch bei niedrigen Drehzahlen. Gepaart ist der Sechszylinder mit einer speziell abgestimmten Achtgang-Tiptronic von Audi Sport, die eine Nasskupplung für stabile Schaltvorgänge unter hoher Last besitzt.
Das P2-Modul leistet 130 kW und 460 Nm und ist zwischen Verbrenner und Getriebe platziert. Eine 22-kWh-Lithium-Ionen-Batterie unter dem Kofferraumboden ermöglicht rein elektrische Fahrten von etwa 50 bis 60 Kilometern (WLTP-Schätzwert) – genug für den Alltagseinsatz in chinesischen Metropolen mit City-Maut und Umweltzonen. Der E-Motor dient zugleich als Generator für Rekuperation und automatischen Start-Stopp.
quattro mit elektrischer Unterstützung: Wie schlägt es sich gegen chinesische Allradsysteme?
Der mechanische Allradantrieb von Audi bleibt das Kernstück: Die Mittendifferenzialsperre (Torsen) verteilt das Drehmoment variabel zwischen 70:30 und 15:85 auf Vorder- und Hinterachse. In der neuen RS-Generation wird sie durch eine elektrische Vektorisierung ergänzt: An der Hinterachse sitzt ein zusätzlicher Scheibenläufer-E-Motor mit 8 kW (11 PS) und 40 Nm, der die Kurvenstabilität verbessert.
Im Vergleich zu chinesischen Konkurrenten wie dem Nio ET7 (蔚来ET7) mit seinen zwei E-Motoren und digitaler Momentenverteilung oder dem BYD Han DM-p mit seinem DiSus-Intelligenzfahrwerk wirkt der RS 5 PHEV wie ein Meisterwerk der mechanischen Präzision. Doch die Chinesen setzen zunehmend auf softwaredefinierte Fahrzeuge mit Over-the-Air-Updates – ein Bereich, in dem Audi noch aufholen muss.
Preis und Marktstart in China
Der Audi RS 5 PHEV wird voraussichtlich Ende 2025 auf dem chinesischen Markt eingeführt. Ein konkreter Preis steht noch nicht fest, doch die bisherige RS-5-Baureihe startete in China bei umgerechnet etwa 85.000 € (670.000 元)*. Durch den Hybrid-Antrieb könnte der Preis auf rund 100.000 € (780.000 元) steigen – eine Größenordnung, die den RS 5 klar oberhalb von BYD Han DM-p (ab ca. 30.000 €) und Li Auto L9 (ab ca. 50.000 €) positioniert.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Quo vadis, Audi? Hybride als Übergangstechnologie
Der RS 5 PHEV zeigt, dass Audi den Verbrenner nicht aufgibt, sondern ihn gezielt elektrifiziert. In China, wo der Markt für reine E-Autos wächst, aber Plug-in-Hybride weiterhin stark nachgefragt werden (2024 machten PHEVs rund 30 % der NEV-Verkäufe aus), ist diese Strategie nachvollziehbar. Die Konkurrenz durch chinesische EV-Startups (造车新势力) wie NIO, XPeng und Li Auto zwingt Audi jedoch, sein Fahrerlebnis-Technologie-Paket zu schärfen – und die Preise wettbewerbsfähig zu halten.
In Deutschland ist der Audi RS 5 PHEV nicht offiziell bestellbar. Die Sportback-Version wird vorrangig für den chinesischen Markt entwickelt – möglicherweise als Import oder lokal gefertigt bei FAW-Audi in Changchun. Ein Marktstart in Europa ist derzeit nicht absehbar, da Audi seine PHEV-Strategie in China auf die NEV-Quote und die Doppel-Karbon-Ziele ausrichtet.

