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IMD1EVVon 4 Min. Lesezeit

IM Motors: Händler schließen – Hersteller springt ein

Bei IM Motors (智己) schließen mehrere Händler in China. 190 Kunden warten auf Fahrzeuge oder Geld. Der Hersteller startet einen Rettungsplan. In Deutschland nicht erhältlich.

IM Motors: Händler schließen – Hersteller springt ein

IM Motors: Händler schließen – Hersteller springt ein

Wer? Was? Wann?
Der chinesische Elektroauto-Hersteller IM Motors (智己) kämpft mit einer schweren Händlerkrise. In mehreren Städten wie Kunming und Zhuhai schlossen Vertragshändler über Nacht ihre Tore. Betroffen sind rund 190 Kunden, die bereits gezahlt haben, aber keine Fahrzeuge oder ihr Geld zurückbekommen. Der Hersteller, ein Joint Venture von SAIC (上汽) und Alibaba, kündigte nun einen „Rettungsplan" an.

Händlerpleite: Kunden und Mitarbeiter in der Klemme

Die Probleme begannen Anfang Juli 2026 in Kunming. Am 7. Juli schloss eine IM-Motors-Niederlassung der Firma Kunming Zhihe Yuexing komplett: Ausstellungsstücke und Bürogeräte wurden abtransportiert, die gesamte Belegschaft kündigte. Nur wenige Tage zuvor hatte das Autohaus noch mit Rabatten geworben. Von Insolvenz keine Spur. Ähnlich in Zhuhai: Dort hängte das Servicecenter am 14. Juli einen Zettel an die Tür – „vorübergehend geschlossen wegen Betriebsanpassungen".

Betroffene Kunden berichten: Sie haben entweder den vollen Kaufpreis bezahlt, aber noch kein Auto erhalten – oder ihr Fahrzeug steht zwar da, aber die Zulassungsbescheinigung (Fahrzeugausweis) wurde vom Händler an eine Bank verpfändet. Ohne dieses Dokument ist eine Zulassung unmöglich. Eine Kundin aus Zhuhai sagte, sie habe vor fünf Tagen Anzahlung und Kreditvertrag unterschrieben – seitdem Schweigen. Der Hersteller habe zwar versprochen, sich zu kümmern, aber bisher keine konkreten Fortschritte gemeldet.

Auch die Mitarbeiter der geschlossenen Autohäuser sind betroffen: Ihnen schuldet der Händler mehrere Monate Gehalt. Die Ursache: Die drei Standorte in Kunming hatten zusammen eine Jahresmiete von über 3,6 Millionen Yuan (ca. 460.800 €) und monatliche Personalkosten von etwa 500.000 Yuan (ca. 64.000 €). Die Verkaufserlöse und Hersteller-Rückvergütungen reichten nicht, um die Ausgaben zu decken. Der Händler geriet in eine Spirale, in der er neue Kundenzahlungen verwendete, um alte Verpflichtungen zu begleichen – ein klassischer „Schneeball".

Wie der Hersteller reagiert

IM Motors hat nach eigenen Angaben sofort eine Taskforce nach Kunming geschickt. Der Rettungsplan sieht vor:

  • Für Kunden, die bereits gezahlt haben, aber keinen Fahrzeugbrief erhalten haben: Der Hersteller übernimmt die Kosten, um die Zulassungsbescheinigungen aus dem Pfand der Banken freizukaufen.
  • Für Kunden, die bestellt, aber noch kein Auto haben: Der Hersteller sichert den ursprünglichen Kaufpreis und die vereinbarten Extras zu und koordiniert die Auslieferung über andere Händler in der Umgebung.

Allerdings räumt IM Motors ein: Die Gesamtsumme ist hoch, und die Abstimmung mit mehreren beteiligten Instituten braucht Zeit. Man arbeite mit Hochdruck.

Branche unter Druck – kein Einzelfall

Die Krise bei IM Motors ist kein isolierter Vorfall. Nach Daten des chinesischen Autohändlerverbands (CADA) lag der Händler-Lagerdruckindex im Juni 2026 bei 57,2 % – seit Monaten über der 50-%-Schwelle (Werte über 50 % bedeuten einen Überbestand). 82 % der Händler klagen über „Preisverfall" – sie müssen Autos unter Einstandspreis verkaufen. 2025 schlossen oder wechselten fast 5.000 Vertragshändler in China, das zweite Jahr in Folge mit negativem Wachstum. Die Gewinnmarge der Händler liegt im Schnitt nur noch bei 23,5 %, die Verlustquote bei 55,7 %.

IM Motors selbst hatte 2025 auf ein Mix-Modell gesetzt: Zunächst reine Direktvertriebs-Flächen, später kamen klassische Vertragshändler hinzu. Das half, die Verkaufszahlen zu steigern – in der ersten Jahreshälfte 2026 lieferte die Marke 40.087 Fahrzeuge aus (plus 58 %). Doch die Kehrseite: Die Händler tragen ein hohes finanzielles Risiko. Selbst bei Standorten, an denen IM Motors selbst beteiligt ist – wie in Zhuhai –, reichten die Verluste aus, um die Läden zu schließen.

Der Hersteller erklärte, man analysiere die Vorfälle und werde die Auswahl- und Kontrollmechanismen für Partner verschärfen. Ein Kunde aus Zhuhai brachte es auf den Punkt: „Selbst wenn der Hersteller Anteile hält, nützt das nichts, wenn die Finanzierung nicht stimmt."

Fazit

Der Fall IM Motors zeigt ein strukturelles Problem der chinesischen Automobilindustrie: Im scharfen Preiskampf und bei hohem Kostendruck geraten Händler in existenzielle Not. Die Verantwortung der Hersteller, ihre Vertriebskanäle zu überwachen und Risiken zu managen, wird immer größer. Ob Direktvertrieb, Händlernetz oder Hybrid – entscheidend ist, wer im Ernstfall für den Kunden einsteht.


In Deutschland

Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

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