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IMD1EVVon 4 Min. Lesezeit

IM Motors: Händlerpleite – 190 Kunden ohne Auto

IM Motors (智己) kämpft mit einer Händlerkrise in Kunming und Zhuhai. 190 Kunden zahlten, erhielten aber kein Auto oder keine Papiere. Der Hersteller will einspringen, doch die Abwicklung stockt.

IM Motors: Händlerpleite – 190 Kunden ohne Auto

IM Motors: Händlerpleite – 190 Kunden ohne Auto

Der chinesische E-Auto-Hersteller IM Motors (智己) steckt in einer schweren Händlerkrise. In Kunming und Zhuhai haben mehrere autorisierte Händler ihre Türen von einem Tag auf den anderen geschlossen – ohne Vorwarnung. Dort hatten Kunden zuvor noch Rabattaktionen beworben bekommen. Nun stehen rund 190 betroffene Kunden vor dem Nichts: Einige haben den vollen Kaufpreis gezahlt, aber kein Auto erhalten; andere haben ihr Fahrzeug zwar bekommen, aber der Händler hatte die Fahrzeugpapiere (Fahrzeugbrief) als Pfand an eine Bank weitergegeben, sodass eine Zulassung unmöglich ist.

So reagiert IM Motors

IM Motors entsandte umgehend ein Sonderteam nach Kunming und legte einen „Sicherungsplan" vor: Für Kunden, die bereits gezahlt haben, aber keine Fahrzeugpapiere erhalten haben, will der Hersteller den vollen Betrag vorstrecken, um die Papiere auszulösen. Für Kunden mit offener Bestellung sollen die ursprünglichen Preise und Rabatte erhalten bleiben, und der Hersteller organisiert die Auslieferung über umliegende Händler. Allerdings dauert die Bearbeitung nach eigenen Angaben länger als erwartet – weil hohe Summen im Spiel sind und mehrere Institutionen eingebunden werden müssen. Kunden beklagen mangelnde Kommunikation und fehlende konkrete Fortschrittsmeldungen.

Auch die Mitarbeiter der betroffenen Händler sind in Schwierigkeiten: Ihnen schuldet der Händler angeblich mehrere Monatsgehälter. Die Ursache: extrem hohe Betriebskosten – allein die Mieten für drei Standorte in Kunming sollen jährlich über ca. 460.800 € (ca. 3.600.000 Yuan)* betragen haben, die monatlichen Lohnkosten bei etwa ca. 64.000 € (ca. 500.000 Yuan) gelegen haben. Die Verkaufserlöse und Herstellerboni deckten die Ausgaben nicht, sodass der Händler in eine Negativspirale geriet: Neue Kaufgelder wurden verwendet, um frühere Pfandauslösungen zu bezahlen. *Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Warum Händler pleitegehen – Branchenkrise

Der Fall ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer tiefen Branchenkrise. Laut dem chinesischen Autohändlerverband (CADA) lag der Händler-Lagerbestands-Index im Juni 2024 bei 57,2 % – ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte zum Vorjahr und weiterhin über der 50-Prozent-Schwelle. Der Index signalisiert Überbestände. Schon im April 2024 waren 62,1 % erreicht, und 82 % der Händler litten unter „Preisdumping" (Verkauf unter Einstandspreis). Bei über der Hälfte lag die Verlustspanne bei mehr als 15 %.

Im Jahr 2024 schlossen fast jede fünfte der rund 5000 4S-Händler (Autohäuser mit Vertrieb und Service) in China ihre Tore – der zweite Negativ-Rekord in Folge. Die Verbandspräsidenten sprechen von einer „tiefgreifenden Anpassung": Nur 23,5 % der Händler arbeiten profitabel, 55,7 % schreiben rote Zahlen. Viele Händler finanzieren sich durch „Kredithandel" mit Kundengeldern – ein Zeichen, dass das alte Geschäftsmodell nicht mehr trägt.

IM Motors zwischen Wachstum und Risiko

IM Motors selbst wächst – im ersten Halbjahr 2024 wurden 40.087 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 58 % zum Vorjahr. Der Hersteller setzte zunächst auf ein direktes Verkaufsmodell (ähnlich Tesla), öffnete sich dann aber für autorisierte Händler, um schneller zu expandieren. Der Fall in Kunming zeigt jedoch, dass die Kontrolle über die Partner und deren finanzielle Gesundheit Lücken aufweist. IM Motors räumt ein, dass man die Prozesse überprüfen und Risikofrüherkennung verbessern müsse.

Selbst in Zhuhai, wo IM Motors selbst am Händler beteiligt ist, konnte die Pleite nicht verhindert werden. Dies unterstreicht die Schwierigkeit, in einer Branche mit fallenden Margen und Preiskampf stabile Vertriebskanäle zu erhalten.

Fazit: Ein Weckruf für die gesamte E-Auto-Branche

Der Fall IM Motors macht deutlich, dass der Erfolg eines jungen E-Auto-Herstellers nicht allein an den Verkaufszahlen gemessen werden kann. Die Stabilität der Vertriebspartner und die finanzielle Gesundheit der gesamten Kette werden zur strategischen Aufgabe. Ob Direktvertrieb, Händlernetz oder Hybridmodelle – am Ende zählt die Fähigkeit, Risiken zu antizipieren und im Krisenfall schnell und transparent zu handeln.


IM Motors ist ausschließlich in China aktiv und hat keine offizielle Präsenz in Deutschland oder Europa.

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