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D1EVVon 4 Min. Lesezeit

Bosch bestellt 2.000 KI-Roboter – Schaeffler plant Tausende

Internationale Autozulieferer wie Bosch, Schaeffler, Valeo und Aptiv investieren massiv in Embodied Intelligence – KI-gesteuerte Roboter für die Fertigung. Ziel: Produktion effizienter machen und den Preisdruck in Europa erhöhen.

Bosch bestellt 2.000 KI-Roboter – Schaeffler plant Tausende

Die großen ausländischen Tier-1-Zulieferer (direkte Systemlieferanten der Autohersteller) forcieren ihr Engagement im Bereich Embodied Intelligence – KI-gesteuerte Roboter, die in der realen Fertigung agieren. Seit Anfang 2025 haben Bosch (博世), Schaeffler (舍弗勒), Valeo (法雷奥) und Aptiv (安波福) massiv in Kooperationen und eigene Entwicklungen investiert.

Anders als Start-ups, die Technologien von Grund auf entwickeln, setzen die etablierten Zulieferer auf ihre jahrzehntelange Industriexpertise. Sie wollen sich vom klassischen Autozulieferer zum Schlüsselakteur der Robotik-Industrie wandeln.

Bosch: Vom Geldgeber zum Roboter-Hersteller

Bosch geht mehrgleisig vor: Über die Venture-Capital-Tochter Bosch Yuan Capital investiert der Konzern in mehrere Robotik-Start-ups wie Linghou Robot, InTime Robot und FA Robot. Gemeinsam mit Galaxy General gründete Bosch das Joint Venture Bosch Yuan Hechuang. Jüngst unterzeichnete Bosch China einen strategischen Vertrag mit Qianxun Intelligence (千寻智能): In Bosch-Fabriken und Logistikzentren werden Daten gesammelt, KI-Modelle trainiert und in der realen Produktion getestet. Ziel ist ein geschlossener Kreislauf aus echten Produktionsdaten, KI-Modellen und realen Einsätzen.

Bereits jetzt hat Bosch Yuan Hechuang einen Auftrag über 2.000 Embodied-AI-Roboter des Typs BW10/BW10-Lite von Dijie Industry erhalten – ein erster Schritt zur Kommerzialisierung. Bosch spielt damit gleich mehrere Rollen: Kapitalgeber, Komponentenlieferant, Einsatzort und Kunde.

Schaeffler: Tausende humanoide Roboter bis 2035

Schaeffler plant, bis 2035 weltweit tausende humanoide Roboter in den eigenen Fabriken einzusetzen und mit diesem Geschäft zehn Prozent des Konzernumsatzes zu erzielen. Im Februar 2025 gründete das Unternehmen eine eigene Embodied-AI-Firma in China, die auf Kernkomponenten wie Präzisionsgetriebe, Lager und Aktuatoren spezialisiert ist – quasi die „Schaufelverkäufer" der Branche (angelehnt an den Goldrausch, wo die Verkäufer von Schaufeln am meisten verdienten). Zudem arbeitet Schaeffler mit Leju Robotics (乐聚机器人) und Luoshi Robotics (珞石机器人) zusammen, um die Roboter zur Serienreife zu bringen.

Valeo und Aptiv: Automobiltechnik für Roboter

Valeo und Aptiv setzen stärker auf die Übertragung vorhandener Automobiltechnik. Aptiv hat das PULSE™-Fusionswahrnehmungssystem entwickelt, das in kollaborativen Robotern und autonomen mobilen Robotern eingesetzt wird – für sicheres Zusammenarbeiten mit Menschen in komplexen Lagerumgebungen.

Valeo plant, bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes außerhalb des Autogeschäfts zu erwirtschaften, unter anderem mit Robotik. Dazu adaptiert Valeo seine Ultraschallsensoren, Kameras, Radare und Lidar aus dem Auto für den Einsatz in Robotern. Auch leistungsstarke Aktuatoren, Wärmemanagement- und Stromversorgungssysteme werden angeboten.

Warum die Zulieferer auf Embodied Intelligence setzen

Die Technologie ist eng verwandt mit dem autonomen Fahren. Beide beruhen auf Sensorik, Planung und Steuerung. Valeo CTO Gu Jianmin: „Intelligentes Fahren und Robotik teilen sich die gleichen Grundlagen – das ist eine riesige Chance."

Hinzu kommt der Zugang zu riesigen Mengen realer Produktionsdaten. Während synthetische Daten in Simulationen oft 80–90 % Genauigkeit erreichen, fallen sie in der Realität auf unter 50 % – so eine Goldman-Sachs-Studie. Boschs Fabriken liefern dagegen echte Daten mit Schwankungen wie Lichtwechsel, Vibrationen und Toleranzen – ideales Training für KI-Modelle.

China: Testfeld und Beschleuniger für Embodied Intelligence

Alle genannten Zulieferer setzen bei ihren Robotik-Projekten stark auf China. Bosch errichtet mit UAES ein gemeinsames Labor „RoboFab". ZF LIFETEC und Wujie Power testen Roboter in chinesischen Werken. Der Grund: China hat die weltweit dichteste Fabrikcluster, eine vollständige Lieferkette und unterstützende Politik.

Doch es gibt einen Konflikt: Wer gehört die Daten, wenn Roboter in den Fabriken messen? In der Automobilindustrie hat sich gezeigt, dass Unternehmen mit eigenen Datenökosystemen langfristig gewinnen. Ähnliche Kämpfe zeichnen sich nun in der Robotik ab.


Diese Entwicklung ist für den deutschen Markt relevant: Die effizientere Produktion chinesischer E-Autos durch Embodied Intelligence senkt Kosten und erhöht den Preisdruck in Europa. Deutsche Hersteller und Zulieferer müssen daher ebenfalls in diese Technologie investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.