Bosch, Schaeffler & Co.: Zulieferer drängen in KI-Robotik
Die großen Autozulieferer der Welt drängen geschlossen in die embodied AI – also Roboter mit künstlicher Intelligenz, die selbstständig handeln können. Seit 2025 bauen Bosch (博世), Schaeffler (舍弗勒), Valeo (法雷奥), Aptiv (安波福) und ZF LIFETEC ihre Aktivitäten in diesem Bereich rasant aus. Anders als junge Start-ups setzen die Konzerne auf jahrzehntelange Industrieerfahrung: Sie wollen nicht nur mitreden, sondern die Branche als Schlüssellieferanten definieren.
Bosch etwa investiert über seine VC-Tochter Bowang Capital in zahlreiche Robotik-Start-ups wie InTime Robot, Fa Robot und Yimu Tech. Mit dem Joint Venture Bosch Yinhe (博银合创) entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Galaxy General (银河通用) komplette Roboter – von der Hardware über die Steuerung bis zur Datenverarbeitung. Erste Großaufträge sind bereits eingegangen: 2000 Einheiten des Typs BW10/BW10-Lite an die Firma Dijie Industrial. „Unser Ansatz ist es, im eigenen Werk zu entwickeln, zu testen und dann auszurollen – das löst das berühmte Kaltstartproblem der KI“, sagt ein Bosch-Sprecher.
Schaeffler hat sogar eine eigene Roboterfirma in China gegründet und gibt ein ehrgeiziges Ziel aus: Bis 2035 sollen weltweit mehrere Tausend humanoide Roboter in Schaeffler-Fabriken arbeiten. Das Robotik-Geschäft soll dann zehn Prozent des Konzernumsatzes ausmachen. Partner sind unter anderem die chinesischen Roboterhersteller Leju und Luoshi.
Daten als neue Währung
Technisch profitieren die Zulieferer von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Sensoren, Aktuatoren und Antrieben – das Know-how aus dem Auto lässt sich direkt auf Roboter übertragen. Noch wichtiger ist aber der Zugang zu Produktionshallen: Jeder Roboter sammelt in der realen Fabrik echte Daten – Lichtverhältnisse, Vibrationen, Toleranzen. Diese Daten sind für das KI-Training unersetzlich, wie eine Goldman-Sachs-Studie zeigt: Simulierte Daten liefern oft nur 50 Prozent Genauigkeit im echten Betrieb.
Aptiv hat mit PULSE™ ein eigenes Sensorsystem für Roboter entwickelt, das auf automotive Erfahrungen aufbaut. Valeo plant, bis zu zehn Prozent seines Umsatzes außerhalb der Autoindustrie zu erzielen – vor allem mit Robotik-Komponenten wie Ultraschallsensoren, Kameras und Lidar.
China als Testfeld
Alle genannten Unternehmen setzen auf den chinesischen Markt. Die Kombination aus dichter Fabriklandschaft, günstiger Lieferkette und staatlicher Förderung macht China zum idealen Ort, um embodied AI zur Marktreife zu bringen. Bosch und seine Partner haben bereits eine gemeinsame Fabrik-Roboter-Einheit „RoboFab“ mit UAES (联合汽车电子) gegründet. ZF LIFETEC testet die Roboter von Boundless Dynamics (无界动力) in seinen chinesischen Werken.
Die Datenfrage bleibt jedoch heikel: Wem gehören die in der Fabrik gesammelten Produktionsdaten? Wer sie kontrolliert, bestimmt langfristig die Entwicklung der KI – ein Machtkampf, der schon im autonomen Fahren tobte. Die Zulieferer haben mit ihren eigenen Werken einen entscheidenden Vorteil: Sie sitzen an der Quelle.
Quelle: Basierend auf einem Bericht von Gasgoo / 第一电动网.
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