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D1EVVon 4 Min. Lesezeit

Bosch, Schaeffler und Co.: Zulieferer stürmen Embodied Intelligence

Bosch, Schaeffler, Valeo und Aptiv drängen massiv in Embodied Intelligence. Sie nutzen ihre Fabriken als Trainingsgelände und wollen als Zulieferer der Schlüsseltechnologie profitieren. China wird zum wichtigsten Testmarkt.

Bosch, Schaeffler und Co.: Zulieferer stürmen Embodied Intelligence

Bosch, Schaeffler, Valeo, Aptiv – die großen Zulieferer der Automobilindustrie investieren massiv in das Feld der Embodied Intelligence (verkörperte KI). Anders als Start-ups, die bei Null anfangen, setzen die Konzerne auf jahrzehntelange Erfahrung in Industrie und Fertigung. Ihr Ziel: Vom Autozulieferer zum zentralen Player in der Robotik- und KI-Wertschöpfungskette aufzusteigen.

Bosch China hat kürzlich eine strategische Kooperation mit dem Startup Qianxun AI geschlossen. In den kommenden zwei Jahren wollen die Partner in Boschs Fabriken und Logistikzentren in China eine geschlossene Datenschleife aufbauen – von der Datenerfassung über das Training von KI-Modellen bis hin zur industriellen Anwendung. Bosch investiert zudem über seine Beteiligungsgesellschaft Boyuan Capital in mehrere Robotik-Start-ups und hat ein eigenes Unternehmen für Embodied Intelligence (Boyuan Qishi) gegründet. Gemeinsam mit Galaxy Universal entstand das Joint Venture Boyin Hechuang, das bereits humanoide Roboter anbietet.

Schaeffler hat noch ambitioniertere Pläne: Bis 2035 sollen tausende humanoide Roboter in den globalen Werken laufen und zehn Prozent des Konzernumsatzes aus dem Robotikgeschäft stammen. Dafür gründete der Zulieferer im Februar eine eigene Firma für Embodied Intelligence in China. Gemeinsam mit den Partnern Leju Robot und Luoshi Robot treibt Schaeffler die Industrialisierung voran.

Aptiv und Valeo fokussieren sich derzeit darauf, vorhandene Automobillösungen auf Roboter zu übertragen. Aptiv entwickelte das PULSE-Sensorsystem für kollaborative Roboter im Lager. Valeo passt seine Ultraschallsensoren, Kameras und Lidar-Sensoren für den Robotereinsatz an und will künftig zehn Prozent des Umsatzes außerhalb der Autoindustrie erzielen – vor allem mit Roboterkomponenten.

Warum die Zulieferer auf Embodied Intelligence setzen

Die Logik dahinter ist dreifach: Technologiekompatibilität, reale Anwendungsszenarien und Datenvorteil. „Autonomes Fahren und Robotik teilen sich dieselben Kernkompetenzen: Wahrnehmung, Planung und Steuerung“, sagt Gu Jianmin, CTO von Valeo China. Auch Aptiv China CEO Yang Xiaoming betont, dass Industrie und Robotik sich stark überschneiden.

Der große Trumpf der Zulieferer sind jedoch ihre globalen Produktionsstätten. Diese dienen als natürliche Trainingsplätze für humanoide Roboter. In echten Fabriken sammeln die Maschinen Daten über variable Lichtverhältnisse, Maschinenvibrationen und Toleranzen – Daten, die in Simulationen nie exakt nachgebildet werden können. „Unsere digitalen, intelligenten Fabriken sind die perfekte Umgebung, um Robotermodelle zu trainieren und zu verbessern“, so Yang Xiaoming.

Goldman Sachs schätzt, dass die Genauigkeit von Robotermodellen in der Simulation bei 80–90 % liegt, in der realen Welt aber oft unter 50 % fällt. Genau hier setzen die Fabriken der Zulieferer an: Sie liefern die dringend benötigten Echtdaten.

China als Testlabor und Beschleuniger

Die chinesischen Fabriken der Zulieferer werden zum Nukleus der Entwicklung. Boyin Hechuang (Bosch/JV) unterschrieb unlängst einen Großauftrag über 2.000 Roboter des Typs BW10/BW10-Lite. ZF LIFETEC arbeitet mit Boundless Dynamics zusammen, um in chinesischen Werken komplexe Montageaufgaben zu lösen. Auch OmniMotion setzt Roboter von Boundless Dynamics in seiner China-Fabrik ein – direkt am Fließband.

Der Grund liegt auf der Hand: China bietet die weltweit dichteste Robotik-Wertschöpfungskette, die meisten Fabriken und eine aktive Förderpolitik. Damit gleicht die Entwicklung derjenigen, die die ausländischen Zulieferer vor einem Jahrzehnt in der chinesischen Autoindustrie durchliefen: „In China für China, dann in China für die Welt.“ Dieses Mal erkennen die Unternehmen aber früher den Wert des chinesischen Marktes als Innovationsmotor.

Doch mit den Robotern in den Fabriken kommt eine heikle Frage auf: Wem gehören die Daten? Fertigungsdaten enthalten Jahrzehnte an Prozess-Know-how. Wer die Daten besitzt, bestimmt, wer in der Roboter-Ära überlebt. Schon im autonomen Fahren gab es einen langen Machtkampf zwischen OEMs und KI-Start-ups. Nun wiederholt sich das Spiel – diesmal mit den Zulieferern als Datenbesitzer.

Fazit: Die massiven Investitionen der traditionellen Autozulieferer in Embodied Intelligence sind kein Hype, sondern eine strategische Positionsbestimmung. Sie wollen nicht nur Komponenten liefern, sondern die Datenhoheit in der fabrikbasierten KI-Zukunft sichern. Und ihre eigenen Werke sind das ideale Testfeld, um diesen Anspruch mit Leben zu füllen.


In Europa

Die genannten Unternehmen (Bosch, Schaeffler, Valeo, Aptiv) sind in Europa fest etabliert. Ihre Aktivitäten im Bereich Embodied Intelligence finden auch an europäischen Standorten statt. Konkrete Produkte oder Robotiklösungen für den europäischen Markt wurden bislang nicht angekündigt, die strategische Ausrichtung dürfte jedoch weltweit skalieren.

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