Bosch-Robotik-JV holt 38 Mio. € für E-Auto-Fabrik-Roboter
Bosch setzt mit seinem Joint Venture Boyin Hechuang (博银合创) auf Industrieroboter für die Elektroauto-Produktion. Das im Juni 2025 gegründete Unternehmen sammelte in einer Pre-A-Finanzierungsrunde 300 Mio. Yuan (ca. 38,4 Mio. €) ein – unter Führung von Yuanhe Chenkun sowie den Altinvestoren Boyuan Capital und Bosch VC. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Boyin Hechuang ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Bosch China, dem hauseigenen VC Boyuan Capital und dem KI-Startup Galaxy General. Ziel ist es, Embodied AI (physische künstliche Intelligenz) in der industriellen Fertigung zu etablieren – insbesondere in Bereichen, die für den E-Auto-Bau entscheidend sind: die Montage empfindlicher Batteriemodule, das Handling von Hochvoltkomponenten und die flexible Qualitätskontrolle. Das Team setzt sich aus ehemaligen Mitarbeitern von Kuka, Alibaba und BYD zusammen.
Erster Prototyp läuft in der E-Auto-Fertigung
Im Februar 2025 präsentierte Boyin Hechuang den BW10-Lite, einen zweiarмigen Industrieroboter mit je 8 kg Traglast. Ausgestattet mit einem Vierrad-Allradantrieb, sechs Kameras, acht Ultraschallsensoren und einem Lidar kann er in engen Fabrikumgebungen navigieren. Dank zweier Hot-Swap-Akkus ist ein 24/7-Betrieb möglich.
Der BW10-Lite wird bereits bei United Automotive Electronic Systems (UAES) getestet – einem Bosch-Joint Venture, das elektronische Steuergeräte und Antriebskomponenten für Elektroautos produziert. Die Boyin-Ingenieure arbeiten direkt in der UAES-Fertigungshalle, um die Software an realen Produktionsabläufen zu optimieren.
Großauftrag über 2.000 Roboter
Im April sicherte sich das Startup einen strategischen Kunden: Das Logistikunternehmen Dijie Industry bestellte knapp 2.000 Einheiten der Baureihe BW10/BW10-Lite für den Einsatz in Sortier- und Kommissionieranlagen. Die Lieferung erstreckt sich über drei Jahre – ein klares Signal für den Übergang vom Prototyp zur Serie.
Parallel plant Boyin Hechuang den Bau eines Entwicklungs- und Fertigungszentrums in Suzhou für 1 Mrd. Yuan (ca. 128 Mio. €). Suzhou ist ein Zentrum der chinesischen Industrie mit Schwerpunkt auf Elektronik, Maschinenbau und zunehmend E-Auto-Zulieferern.
Warum das für E-Auto-Fans relevant ist
Hinter dem Startup steht eine klare Strategie: Die Roboter von Boyin Hechuang sollen nicht nur in der allgemeinen Industrie, sondern gezielt in der E-Auto-Fertigung zum Einsatz kommen. Bosch selbst ist einer der größten Automobilzulieferer weltweit und treibt die Elektrifizierung voran. Embodied AI – also Roboter, die selbstständig komplexe Montageschritte ausführen – könnte die Produktion von Elektroautos effizienter und flexibler machen. Das Daten-Feedback aus den Fabriken verbessert zudem die KI-Modelle kontinuierlich.
CEO Ren Jingwei, ehemals bei Kuka und TCL, beschreibt das Modell als „industriellen Tinder": Bosch liefert die Fertigungsszenarien, Galaxy General die KI, und Boyin Hechuang übersetzt beides in marktreife Produkte. Dieser Ansatz unterscheidet sich von klassischen Roboterherstellern und könnte langfristig auch nach Europa kommen.
Die Roboter von Boyin Hechuang sind derzeit auf den chinesischen Markt fokussiert. Bosch hat jedoch angekündigt, die Technologie über seine globalen Produktionsnetzwerke auch nach Europa zu bringen – voraussichtlich zuerst in E-Auto-Komponentenwerke des Konzerns. Ein konkreter Termin für den europäischen Markt steht noch nicht fest.

