China exportiert 6 Mio. Autos: Dongfeng setzt auf Systemexport
China hat 2025 erstmals über sechs Millionen Fahrzeuge exportiert – das zweite Jahr in Folge als weltgrößter Autoexporteur. Doch die Branche ist sich einig: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Zahl, sondern im Aufbau eines funktionierenden Systems vor Ort. Auf der „4. China Automotive & Parts Export Ecology Conference“ (2025) diskutierten Experten über den Wandel vom Produkt- zum Systemexport.
Vom Produkt zur Plattform
Der Wandel vollzieht sich in drei Phasen: Zuerst der reine Fahrzeugexport, dann die KD-Montage (Komplettknockdown-Bausätze), jetzt der Systemexport. Dabei liefern Hersteller wie Dongfeng Motor (东风) nicht mehr nur einzelne Lkw, sondern komplette Nutzfahrzeuglösungen inklusive Ladeinfrastruktur und Energiespeicher. „Jeder Markt hat eigene Vorschriften und Kundenwünsche – wir müssen diese erst gründlich verstehen, bevor wir passende Fahrzeuge entwickeln“, erklärt Tu Yilin, Produktplanungsmanager bei Dongfeng.
Ein anderer Ansatz kommt von Bishu New Energy (壁虎新能源): Das Startup setzt auf eine „Technology Inside“-Strategie nach Intel-Vorbild. Statt einer eigenen Marke zu etablieren, liefert es zuerst Technologiepakete aus – und will später die Marke im Ausland verankern. „Wir übertragen unsere Vorteile aus dem Pkw-Elektrobereich auf Nutzfahrzeuge“, sagt Vertriebschef Yan Ji.
Lokalisierung – die harte Realität
Die größte Hürde ist der Aufbau lokaler Lieferketten. In Russland beispielsweise liegen die Baukosten für Werkshallen bei umgerechnet 6.000 bis 7.000 Yuan* (ca. 770–900 €) pro Quadratmeter – dreimal so viel wie in Südchina. Zusätzlich müssen chinesische Firmen die komplette Erschließung selbst bezahlen. Hinzu kommt ein hochkomplexes Rechtssystem: Der russische Vertrag von Veles Automobile (维列斯汽车) umfasste 8.000 Seiten mit Genehmigungen von fast jedem Ministerium.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Baolong Technology (保隆科技), führender Sensorhersteller, empfiehlt strategische Partnerschaften statt übereilter eigener Werke. „Nicht immer ist eine eigene Fabrik die beste Lösung – manchmal reicht eine Kooperation mit dem lokalen Partner“, so Vice President Zhou Liangjie.
Standards selbst gestalten
Ein zentrales Thema ist die Mitsprache bei Normen. Bislang definierten meist europäische Unternehmen die Standards – doch das ändert sich. Baolong hat im Bereich Reifendrucksensoren (TPMS) bereits eigene Funktionsdefinitionen wie „Früherkennung von Reifenplatzern“ erfolgreich eingeführt. Zhou betont: „In der Luftfederung haben chinesische Hersteller inzwischen die Deutungshoheit, weil der heimische Markt schneller wächst als der europäische.“
Yang Tianyu von Veles berichtet aus Russland, dass die dortige Standardisierung (NAMI-Institut) nach dem Ukraine-Krieg zunehmend offen für chinesische Vorschläge sei. „Wir haben in Verhandlungen erreicht, dass unsere Lösungen akzeptiert werden, statt blind die Vorgaben zu übernehmen.“ Sein Vorschlag: Gemeinsame Forschungsinstitute mit lokalen Universitäten gründen, um chinesische Standards systematisch zu exportieren.
Drei Schritte zur lokalen Lieferkette
Yan Ji von Bishu New Energy beschreibt eine dreistufige Lokalisierungsstrategie:
- Kostensenkung durch Partnerschaften: Mit dem Partner-Hersteller gemeinsame Einkaufsvorteile nutzen.
- Kernkomponenten vor Ort: In Märkte gehen, wo bereits ein Zulieferer wie CATL (宁德时代) eine Fabrik plant oder betreibt.
- Peripherie lokalisieren: Kabelbäume, Glas, Reifen von lokalen Firmen beziehen – auch wenn es nicht günstiger ist, um die geforderten Lokalisierungsquoten zu erfüllen.
Doch das klappt nicht immer: In Vietnam musste Bishu den Batterielieferanten wechseln, weil CATL dort noch nicht produziert – ein kostspieliger Eingriff, der zeigt, wie eng lokale Gegebenheiten die Strategie beeinflussen.
Der Artikel analysiert die chinesische Exportstrategie aus lokaler Perspektive. Für deutsche Autofahrer interessant: Chinesische Hersteller bauen zunehmend komplette Ökosysteme auf – das könnte auch den europäischen Markt beeinflussen, sobald Modelle wie der Dongfeng-Lkw oder Bishu-Nutzfahrzeuge nach Europa kommen. Ein direkter Marktstart in Deutschland ist derzeit nicht bekannt.

