Peking Auto Show 2026: 181 Weltpremieren & neue Signale
Vom 24. April bis 3. Mai 2026 findet die 19. Peking Auto Show (北京车展) im China International Exhibition Center in Shunyi, Peking, statt. Erstmals wird die Messe im „Doppelhallen“-Modus mit einer Ausstellungsfläche von 380.000 m² abgehalten – ein Plus von 73 % gegenüber 2024. Insgesamt präsentieren 1.451 Aussteller aus 21 Ländern ihre Neuheiten, darunter 181 Weltpremieren, von denen 117 auf New Energy Vehicles (NEV) entfallen. Die Messe steht unter dem Motto „Neue Ära, neuer Weg zur Zukunft“.
Im Jahr 2025 erreichten die NEV-Verkäufe in China 16,626 Millionen Einheiten, ein Plus von 29 % gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil der NEV lag bei 47,9 %. Chinesische Marken wie BYD (比亚迪), Geely (吉利) und Hongqi (红旗) dominieren zunehmend das Feld. Branchenkenner erwarten, dass chinesische Marken bis 2030 einen Marktanteil von 70 % erreichen könnten – das Kräfteverhältnis verschiebt sich von „Mengenwachstum“ zu „qualitativem Sprung“.
Chinesische Marken setzen auf Superlade-Technik und L3-Hardware
BYD zeigte auf seinem Stand ein neues 1-MW-Schnellladesystem, das den Akku des vollelektrischen SUV Tang L in etwa 9 Minuten von 10 % auf 97 % bringt – ein neuer Benchmark für Ladeeffizienz. Li Auto (理想) präsentierte die überarbeitete L9-Serie, darunter die Sonderedition „L9 Livis“ zum Vorverkaufspreis von ca. 71.700 € (ca. 559.800 Yuan)*. Der L9 Livis ist mit dem selbst entwickelten Autonomous Driving Chip Mach 100 (2560 TOPS) ausgestattet und hardwaremäßig für L3-Autonomie vorbereitet. NIO (蔚来) zeigte die ES9 mit sechs Corner-Radaren und einem vollständigen Sicherheitssystem, während XPeng (小鹏) den SUV GX mit Dual-Lidar und angekündigter L4-Fähigkeit vorstellte – ebenfalls zu einem Vorverkaufspreis von ca. 71.700 €.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
AITO (问界) und die Marken der HIMA-Allianz (Harmony Intelligent Mobility Alliance) – Luxeed (智界), Stelato (享界) und Maextro (尊界) – belegten gemeinsam die Halle E3. Im Zentrum stand der Luxeed X9, ein vollelektrischer Minivan mit Range-Extender (EREV). Der HIMA-Bereich zeigte zudem die auf dem Huawei ADS 5 basierende Fahrassistenz, die nach Unternehmensangaben in der Stadt und auf der Autobahn hochzuverlässig arbeitet.
Joint Ventures liefern lokal optimierte Modelle – mit chinesischer Software
Die traditionellen Joint Ventures drücken beim Thema Elektrifizierung und Intelligenz aufs Tempo. Volkswagen (大众) präsentierte den ID.ERA 9X, einen großen SUV mit Range-Extender, zum Vorverkaufspreis von ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan). Die rein elektrische Reichweite beträgt 400 km (CLTC) – entspricht ca. 340 km (WLTP-Schätzwert) –, die kombinierte Reichweite liegt bei 1.651 km (CLTC). Das Fahrassistenzsystem stammt von Momenta, einem chinesischen KI-Unternehmen.
BMW (宝马) zeigte die neue iX3, basierend auf einer 800-Volt-Architektur mit CLTC-Reichweite von 900 km – entspricht ca. 765 km (WLTP-Schätzwert). Auch hier kommt Momenta für die Highway-Fahrassistenz zum Einsatz. Die Mercedes-Benz (奔驰) stellte die umfassend überarbeitete GLC-Klasse mit 800-Volt-System und CLTC-Reichweite von 703 km vor – ca. 598 km (WLTP-Schätzwert). Der neue Audi A6L (Verbrenner) wird erstmals mit dem Huawei Qiankun-Fahrassistenzsystem ausgestattet, einem Joint Venture zwischen Audi und Huawei.
Der Trend ist eindeutig: Internationale Hersteller lagern die Entwicklung von Fahrassistenz und Cockpit zunehmend an chinesische Technologiepartner aus. Die Plattform CEA (China Electrical Architecture) von VW soll die Entwicklungszeit um 18 Monate verkürzen und lokale Software-Kompetenz ins Unternehmen holen.
L3-Autonomie: 2026 wird zum Schlüsseljahr
2026 gilt in China als das Jahr, in dem L3-Fahrassistenz (SAE Level 3) zur Serienreife gelangt. Der stellvertretende Generalsekretär der China Automobile Dealers Association (CADA), Fu Donghui, sagte auf der Messe: „Bei Modellen zwischen 20.000 und 30.000 Euro wird L3 nach und nach Standard – nicht mehr Kühlbox, Fernseher oder Massagesitze entscheiden den Wettbewerb, sondern wer den besseren Autopiloten liefert.“ Huawei zeigte ADS 5, das nach eigenen Angaben das Navigieren in der Stadt ohne Karte ermöglicht und die Effizienz des Verkehrsflusses steigert.
XPeng betonte, dass sein SUV GX nicht nur L3-, sondern sogar L4-Hardware (für Robotaxi-Einsatz) an Bord hat. Auch Li Auto und NIO statten ihre Flaggschiffmodelle mit redundanten Lidar- und Kamerasystemen aus. Der Markt für autonomes Fahren in China soll laut Industrieforschungsinstitut im Jahr 2026 ein Volumen von 480 Milliarden Yuan (ca. 61,4 Mrd. €) erreichen, wobei L2+ das am schnellsten wachsende Segment ist. Der Trend zur Demokratisierung hält an: AITO kündigte an, Fahrassistenzfunktionen in Modelle unter 10.000 Euro zu integrieren, um die Durchdringung zu beschleunigen.
Supply-Chain-Riesen erstmals mit eigener Messehalle
Ein Novum: Erstmals traten große Zulieferer wie Bosch (博世), Continental (大陆) und ZF als eigenständige Aussteller auf. Sie belegten gemeinsam die Halle W4. Daneben zeigten Halbleiterhersteller wie Horizon Robotics, Black Sesame Technologies und iMotion ihre neuesten Chips für autonomes Fahren in Halle B3. Fu Donghui kommentierte: „Der 'Doppelhallen'-Modus ist keine einfache Addition von Flächen. Er symbolisiert die vollständige Wertschöpfungskette – vom Chip über Algorithmen, Batterien, Ladetechnik bis hin zur Endmontage. Keine andere Automesse der Welt bietet diesen Umfang.“ Die Ausstellerzahl von 1.451 unterstreicht die neue Rolle Chinas als globaler Innovationsknotenpunkt.
Ausblick: Wettbewerb bleibt intensiv – aber anders
Trotz der Rekordverkäufe von 34,53 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2025 (ein Plus von 10,4 %) und einer Exportsteigerung von 47,9 % bleibt der Markt hart umkämpft. Branchenkenner wie der Chefökonom der Informationsabteilung des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), Che Changzhao, sehen jedoch eine Verschiebung vom reinen „Preiskrieg“ zum „Technologie- und Markenwettbewerb“. Der Preisverfall der vergangenen Jahre sei nicht nachhaltig, die künftige Differenzierung erfolge über Fahrassistenz, Software und Kundenerlebnis.
Die Peking Auto Show 2026 ist damit mehr als eine Produktschau: Sie demonstriert die industrielle Tiefe Chinas – von der Batterie bis zum Chip – und markiert den Übergang zu einer neuen Phase der Automobilindustrie, in der Software und Autonomie die entscheidenden Trümpfe sind.
Wichtige Ankündigungen auf der Messe (Auswahl):
- BYD: Tang L, 1-MW-Laden
- Li Auto: L9 Livis, ca. 71.700 €, 2560 TOPS
- NIO: ES9 mit sechs Radarlidar
- XPeng: GX Dual-Lidar, L4-ready
- Volkswagen: ID.ERA 9X, Range-Extender, ab ca. 42.200 €
- BMW iX3: 800 V, 900 km CLTC
- Mercedes-Benz GLC L: 800 V, 703 km CLTC
- AITO/HIMA: Luxeed X9, Huawei ADS 5
- Zulieferer: Bosch, Continental, Horizon Robotics in eigenen Hallen
In Deutschland
Zu diesen Herstellern liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Die Modelle sind derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

