Mengshi M817: 8.000‑km‑Rallye mit Serienmotor – kein Europa-Start
Dongfengs Offroad-Marke Mengshi (猛士) hat mit dem Modell M817 auf der Taklimakan-Rallye (Ringtar – eine der härtesten Wüstenrallyes der Welt) einen Etappensieg errungen – und zwar mit exakt der Serien-Hardware, die später an Kunden geht. Der Marathon führte über knapp 8.000 Kilometer durch Sand, Geröll und bei über 40 Grad Celsius. In der Klasse T2.E (seriennahe Elektro-/Hybridfahrzeuge) starteten 19 Fahrzeuge, die bis auf Sicherheitsausrüstung unveränderte Motor- und E-Achsen-Komponenten nutzten. Der M817 holte unter anderem den Tagessieg in der SS10-Wüstenetappe. Für deutsche Leser ist die Technologie relevant, weil Dongfengs Antriebssparte Zhixin Technology (智新科技) als Zulieferer für europäische Hersteller im Gespräch ist – die hier geprüften Komponenten könnten in künftigen Joint-Venture-Modellen landen.
Die Mach-Antriebsplattform: Hybrid und rein elektrisch
Herzstück der Konferenz war die selbst entwickelte Mach-Serie (马赫). Sie umfasst zwei Plattformen: Mach H (Hybrid) und Mach E (rein elektrisch). Alle Komponenten werden von Zhixin Technology in Serie produziert und sind baugleich in Renn- und Straßenfahrzeugen verbaut.
Technische Daten des Hybridsystems:
- Verbrenner B20TDE: 2,0‑Liter‑Turbobenziner, 206 kW (280 PS), 415 Nm Drehmoment. Variable Turbinengeometrie reduziert das Turboloch um 15 %, Leistungseinbuße auf 2.500 m Höhe max. 6 %.
- Hybridgetriebe HD200: P1+P3-Längsachsanordnung, zwei Gänge, E-Motor 240 kW. Radspitzenmoment 6.300 Nm. Funktionstüchtig bei 45° Längs- und 42° Querneigung. Siliziumcarbid-Leistungselektronik erzielt im WLTP-Zyklus knapp 90 % Systemwirkungsgrad.
- Hinterachsmotor iD4‑200: Spitzenwirkungsgrad 95,4 %, Dauerwirkungsgrad nach chinesischem CLTC-Zyklus 92,5 % (der nach dem chinesischen CLTC-Zyklus ermittelte Wert liegt tendenziell über dem nach WLTP zu erwartenden Niveau – zur Vergleichbarkeit mit europäischen Normen ist eine Einordnung nötig).
Der Antriebsstrang arbeitet auch unter Extrembedingungen zuverlässig: Ein Fall aus der Rallye zeigt, wie ein durch Steinschlag beschädigter Kühler die Motortemperatur auf 124 °C trieb – der Hochtemperaturschutz ließ das Auto dennoch weiterfahren.
Ausblick: Der EiD5-Koaxialmotor
Zhixin Technology präsentierte zudem den EiD5-Koaxialmotor mit Axialfluss-Design. Er ist kompakter als heutige Radialflussmotoren und bietet eine höhere Leistungsdichte. Eine eigene Sanftansteuerung und eine Brems-Nick-Kompensation sind integriert – beides Voraussetzungen für autonomes Fahren der Stufen 3 und 4 (SAE). Die Technologie ist laut Hersteller auch auf Lieferdrohnen, humanoide Roboter und Schiffsantriebe übertragbar.
Praxis: Alltagstauglichkeit auf dem Prüfstand
In einer Testfahrt mit dem 1,5‑Liter‑Mild‑Hybrid‑M817 bestätigte sich, dass die für die Rallye entwickelten Schutzmechanismen und die Kennfeldabstimmung ohne Abstriche in die Serie übernommen wurden. Auf der Straße läuft der Antriebsstrang ruhig und wechselt nahtlos zwischen E- und Verbrennermodus. Neun Geländefahrmodi erlauben die Anpassung an Untergrund und Steigung. Die extreme Erprobung stellt sicher, dass Kundenfahrzeuge dieselbe Zuverlässigkeit bieten wie die Rennversion – ein Ansatz, der in der chinesischen Industrie an Bedeutung gewinnt.
Das Modell Mengshi M817 ist in Europa nicht erhältlich. Dongfeng hat keine Pläne für einen Marktstart in Deutschland bekannt gegeben. Die gezeigte Antriebstechnik (Mach-Plattform) könnte jedoch als Zulieferprodukt für europäische Hersteller oder Joint-Venture-Modelle relevant werden.


