Seres lanciert KI-Marke AIVA: ME7 ab 25.600 €
Seres gründet KI-Automarke AIVA – Huawei-Partner wird eigenständiger
Der chinesische Autohersteller Seres (赛力斯) hat über seine Tochter Saido Technology (赛豆科技) am 9. Juni 2026 in Peking die neue Automarke AIVA vorgestellt. Die Abkürzung steht für „Artificial Intelligence Voyage Ahead“ und symbolisiert die Integration Künstlicher Intelligenz ins Fahrerlebnis. Gleichzeitig präsentierte das Unternehmen das Konzeptfahrzeug AIVA Origin Concept; das erste Serienmodell, der AIVA ME7, soll noch 2026 auf den Markt kommen. Der Einstiegspreis liegt bei ca. 25.600 € (ca. 200.000 Yuan).
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Technik ohne Huawei: ByteDance und YuanRong an Bord
Anders als die Schwestermarke AITO (问界), die auf Huaweis HarmonyOS und dessen Fahrassistenz setzt, vertraut AIVA auf eine komplett andere Partnerschaft. Für Infotainment und Sprachsteuerung liefert der Internetkonzern ByteDance seine Large-Language-Modelle (LLM) sowie die Smart-Cockpit-Plattform über seine Tochter Volcano Engine. Das autonome Fahren übernimmt das chinesische Startup YuanRong (元戎启行). „AI definiert das Auto – erst die KI, dann das Fahrzeug“, erklärte AIVA-Präsident Li Bo bei der Markteinführung. Die KI-Plattform Doubao von ByteDance wird in allen AIVA-Modellen zum Einsatz kommen.
Abkehr von Huawei: Eigenständigkeit um jeden Preis
Die Gründung von AIVA ist Teil einer strategischen Neuausrichtung von Seres. Bislang ist der Konzern extrem abhängig von der Zusammenarbeit mit Huawei: Die Marke AITO steuert über 90 % zum Umsatz bei. Allein im ersten Halbjahr 2025 zahlte Seres rund 96 Milliarden Euro (ca. 750 Milliarden Yuan) an Lizenz- und Entwicklungskosten an Huawei. Mit dem Aufkommen weiterer Huawei-Partner wie Luxeed (智界), Stelato (享界), Maextro (尊界) und Shangjie (尚界) verliert Seres zunehmend seine Exklusivität.
Die Vorgeschichte: Blue Electric und die Abhängigkeit von Huawei
Seres‘ bisherige Eigenmarke Blue Electric (蓝电) konnte sich mit Modellen im 10.000- bis 15.000-Euro-Segment nicht durchsetzen. 2025 lag der Absatz bei nur rund 20.000 Fahrzeugen. Blue Electric wurde daraufhin umstrukturiert und firmiert nun als Saido Technology. Im Zuge einer Kapitalerhöhung von rund 8,5 Milliarden € (ca. 66,71 Milliarden Yuan) trat die Chongqing-Regierung (沙磁致远) mit 34,5 % als Mehrheitsaktionär ein, Seres hält noch 32,96 %, CATL und andere Investoren beteiligen sich ebenfalls. Die neuen Gesellschafterstrukturen schaffen klare Grenzen zwischen Seres und der neuen Marke.
AIVA ME7: Produktion und Marktstrategie
Das erste Serienmodell AIVA ME7 wird im Segment ab ca. 25.600 € (ca. 200.000 Yuan) positioniert und im Seres-Phoenix-Werk gefertigt. Geplant ist ein eigenständiges Vertriebsnetz, das auch internationale Märkte erschließen soll. Das Fahrzeug zielt auf die hart umkämpfte Mittelklasse ab 20.000 € aufwärts (ca. 200.000 Yuan). Die Markteinführung in China ist für Ende 2026 vorgesehen.
Design-Kontroverse mit Avatr
Kurz vor der Markteinführung gab es eine öffentliche Kritik von Avatr (阿维塔), einem Joint Venture von Changan, Huawei und CATL. Avatr twitterte: „Ein Markenname, der dem unseren optisch stark ähnelt, sehen wir als Schmeichelei – aber auch als Warnung: Chinas Automobilindustrie darf nicht den Weg von ‚Strg+C, Strg+V‘ gehen.“ Seres bzw. Saido haben bisher nicht offiziell reagiert.
Fazit
AIVA ist für Seres ein Experimentierfeld jenseits der Huawei-Abhängigkeit. Die Kombination aus staatlicher Beteiligung, Seres-Erfahrung in der Fertigung und Technologiepartnern wie ByteDance und YuanRong bietet eine alternative Strategie. Ob der AIVA ME7 im Premiumsegment überzeugen kann, wird sich nach dem Marktstart zeigen.
Die Muttergesellschaft Seres ist in Deutschland nicht als Fahrzeugmarke aktiv. Für AIVA ist eine internationale Expansion angedeutet, ein konkreter Europa-Starttermin steht noch aus. Aktuell ist die Marke ausschließlich für den chinesischen Markt angekündigt.

