Mengshi M817: Serienmotor bezwingt 8000-km-Wüstenrallye
Die Taklimakan-Rallye (kurz: „Taklimakan-Rallye", eine der härtesten Wüsten-Rallyes der Welt) ist nichts für zarte Fahrzeuge: Fast 8.000 Kilometer Renndistanz, Temperaturen über 40 Grad, Sand, Geröll und Steilhänge. In der Klasse T2.E, der Kategorie für seriennahe Elektro- und Hybridfahrzeuge, traten 19 chinesische Renner an – und sie durften an Antriebsstrang und Motor keinerlei Modifikationen vornehmen. Nur Überrollkäfig, Feuerlöscher und Sicherheitsausrüstung waren zulässig.
Der Mengshi M817 (猛士 M817), ein Geländewagen der chinesischen Marke Mengshi (猛士), holte in dieser Klasse mehrere Etappensiege – mit exakt dem gleichen Antriebsstrang, der später im Handel erhältlich ist. Der Hersteller Zhixin Technology (智新科技), eine Tochter des Dongfeng-Konzerns, lud Anfang 2026 zu einer Technik-Austauschveranstaltung. Dort wurde klar: Die Grenze zwischen Motorsport und Serienproduktion verschwimmt.
Rennstrecke als Prüfstand
Mengshi-Chefingenieur Du Jiangwei berichtete von einer dramatischen Episode auf der SS2-Etappe: Nach 210 Kilometern zertrümmerte ein Stein eines Vordermanns die Windschutzscheibe und den Kühler. Die Kühlmitteltemperatur stieg auf 124 Grad Celsius – doch die integrierte Hochtemperatur-Selbstschutzfunktion des Antriebs hielt das Fahrzeug weiter am Laufen. Solche realen Belastungen zeigen, dass Laborwerte allein nicht ausreichen.
Auch der Rennfahrer und Drehbuchautor Fan Gaoxiang („Pegasus" – eine Filmreihe über Rallyesport) betonte: Früher dominierten ausländische Antriebe die chinesischen Rennstrecken, heute setzen 19 chinesische New-Energy-Rennwagen auf heimische Technik.
Technik im Detail: Mach-Antriebsserie
Der entscheidende Faktor ist die selbst entwickelte „Mach"-Plattform von Zhixin Technology, die zwei Antriebsstränge umfasst:
Mach H Hybrid-System:
- B20TDE 2,0-Liter-Turbobenziner: 206 kW (280 PS), maximales Drehmoment 415 Nm
- Integrierter Ansaugtrakt und variable Turbinengeometrie (VTG) senken das Turboloch um 15 %
- Leistungsabfall auf 2.500 m Höhe unter 6 %, stabile Kraftstoffzufuhr bei Steigungen bis 100 %
- HD200 Hybrid-Elektroantrieb (P1+P3-Architektur, längs eingebaut, zwei Gänge): Elektromotor mit 240 kW Spitzenleistung, kurzzeitiges Radmoment bis 6.300 Nm
- Sichere Funktion bei Neigungswinkeln von 45° längs und 42° quer
- Gesamtwirkungsgrad nach WLTP rund 90 % dank Siliziumkarbid-Wechselrichter
Mach E rein elektrische Plattform:
- iD4-200 Heckantrieb: Wirkungsgrad bis zu 95,4 % (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP), nachhaltige Leistung bei Dauerbelastung
- Neue Generation EiD5 Koaxialmotor mit axialem Magnetfluss: kompakt, hohe Leistungsdichte, ausgelegt für autonomes Fahren der Stufen 3 und 4
Im Renneinsatz arbeiteten Hybrid und reiner Elektroantrieb zusammen und verhalfen dem M817 zum Sieg auf der SS10-Wüstenetappe.
Fahrerlebnis: Serienqualität auf der Straße
Bei einer anschließenden Probefahrt mit der 1,5-Liter-Version des M817 auf öffentlichen Straßen und einem Geländeparcours zeigte sich: Die robuste Auslegung für die Rallye fließt direkt in die Serie ein. Stadtverkehr läuft angenehm ruhig, nahtlose Übergänge zwischen Benzin- und Elektroantrieb, spontane Gasannahme. Auf unbefestigten Pisten liefert der Elektromotor sofort Drehmoment. Neun Fahrmodi für unterschiedliches Terrain sowie intelligenter Zwei- und Allradantrieb gehören zur Serienausstattung.
Die Botschaft der Veranstaltung: „Auslieferungszustand = Renntauglichkeit" ist kein Marketing-Sprech. Der Käufer erhält einen Antrieb, der zuvor 8.000 harte Rennkilometer bestanden hat. Dieses Konzept zeigt, wie chinesische Hersteller Technikentwicklung, Motorsport und Serienproduktion in einem Kreislauf verbinden.
In Europa
Dieses Fahrzeug bzw. Modell ist in Europa aktuell nicht offiziell erhältlich. Eine Markteinführung wurde bislang nicht angekündigt.


