Mengshi M817: Rallye-Härtetest für Serienantrieb
Die chinesische Takla-Makan-Rallye (环塔) gehört zu den härtesten Langstreckenrennen der Welt. Fast 8.000 Kilometer, Temperaturen über 40 Grad, Sandstürme und Schotterpisten – genau hier stellte der Hersteller Dongfeng seine neueste Antriebsgeneration auf die Probe. Im Fokus: der Geländewagen Mengshi M817 (猛士 M817), der in der Klasse T2.E für seriennahe Elektrofahrzeuge antrat – mit komplett unveränderter Serientechnik.
Rallye als Prüfstand
Anders als oft angenommen, dürfen die Fahrzeuge in der Klasse T2.E nur sicherheitsrelevante Umbauten erhalten (Überrollkäfig, Feuerlöscher). Motor, E-Maschine und Antriebsstrang bleiben ab Werk. Der M817 bewies dabei seine „werksseitige Rennfertigkeit": Er gewann den SS4-Abschnitt der T2-Klasse und wurde Zweiter im SS8 der T2.E-Klasse. Als besonderes Beispiel für die Zuverlässigkeit schilderte Chefingenieur Du Jiangwei einen Vorfall: Ein Steinschlag durchschlug Frontscheibe und Kühler, die Motortemperatur stieg auf 124 °C – doch die werksseitige Überhitzungsschutzfunktion hielt den Betrieb aufrecht.
Die Maher-Antriebsfamilie
Das Herzstück der Technik ist die hauseigene Maher-Antriebsserie (马赫) von Zhixin Technology (智新科技), einer Tochter von Dongfeng. Sie umfasst zwei Plattformen:
Maher H – Hybrid-Antriebsstrang:
- B20TDE 2.0-Liter-Turbomotor: 206 kW / 415 Nm, variable Turbinengeometrie, verzögerungsarme Leistungsentfaltung
- HD200 Hybrid-Getriebe (P1+P3, längs eingebaut, zwei Gänge): Elektromotor mit 240 kW, kurzzeitig bis zu 6.300 Nm Radmoment, für extreme Fahrzeugneigungen (45° längs, 42° quer) ausgelegt
- Wirkungsgrad im WLTP-Zyklus: rund 90 % dank Siliziumkarbid-Leistungselektronik
Maher E – reine Elektroplattform:
- iD4-200 Hinterachs-E-Motor: Wirkungsgrad 95,4 %, nachhaltig hohe Leistung unter Dauerlast
- Neuentwicklung EiD5 koaxialer E-Motor mit Axialfluss-Design: kompakt, hohe Leistungsdichte, speziell für zukünftige autonome Fahrfunktionen (Stufe 3/4) optimiert
Die Hybrid-Kombination aus Vorderachs-Verbrenner und hinterem E-Antrieb war es, die dem M817 die Erfolge auf den schwierigsten Sandpisten ermöglichte.
Mengshi M817 im Praxistest
Bei einer anschließenden Probefahrt mit der 1,5-Liter-Hybridversion des M817 zeigte sich, wie sich die Rennstrecken-Erfahrung im Alltag niederschlägt: Die Übergänge zwischen Verbrenner und E-Motor erfolgen sanft, das Ansprechverhalten ist spontan. Neun Geländefahrmodi erlauben die intelligente Verteilung zwischen Zwei- und Allradantrag. Auch auf unbefestigten Wegen lieferte der Antrieb genügend Reserven – das Ergebnis unzähliger Testkilometer unter Extrembedingungen.
Der Fachbegriff „werksseitig rennfertig" ist hier keine leere Phrase: Jeder Kunde erhält ein Fahrzeug, dessen Antrieb exakt den gleichen Spezifikationen entspricht wie die Rallye-Fahrzeuge. Die chinesische Offroad-Industrie hat damit den Schritt vom getunten Renner zum serienreifen Geländewagen vollzogen – ein Indikator für die technische Reife der Branche.
In Europa
Dieses Fahrzeug bzw. Modell ist in Europa aktuell nicht offiziell erhältlich. Eine Markteinführung wurde bislang nicht angekündigt.


