UK halbiert E-Auto-Quote: Chinesische Marken stark betroffen
Die britische Regierung will die verbindliche Elektroauto-Quote für 2030 deutlich reduzieren – von ursprünglich 80 Prozent reinen Batterie-Elektrofahrzeugen (BEV) auf nur noch 50 Prozent. Die restlichen 30 Prozentpunkte sollen durch Hybridmodelle (Vollhybride und Plug-in-Hybride) abgedeckt werden. Das berichten britische Medien wie die Sunday Times unter Berufung auf Regierungskreise. Das Verbot neuer reiner Verbrenner ab 2030 bleibt hingegen bestehen, ebenso der Ausstieg aus Hybrid-Neuwagen bis 2035.
Für chinesische Autohersteller ist diese Entscheidung von besonderer Bedeutung: Großbritannien ist nach Deutschland der zweitgrößte europäische Markt für chinesische Marken. MG (zu SAIC) verkaufte dort 2024 rund 70.000 Fahrzeuge, davon ein wachsender Anteil BEV. BYD ist mit mehreren Modellen wie dem Atto 3 und Dolphin präsent, und NIO (蔚来) bereitet den Markteintritt in UK vor. Geely (吉利) ist über LEVC (London Taxi) und die Marke Lotus präsent.
ZEV-Mandat wird entschärft – Druck der Industrie zeigt Wirkung
Das 2023 von der konservativen Vorgängerregierung verabschiedete Zero Emission Vehicle (ZEV) Mandat schreibt Herstellern jährlich steigende BEV-Verkaufsanteile vor. Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer setzt sich nun über die energiepolitische Linie von Klimaminister Ed Miliband hinweg und folgt dem Druck von Autoindustrie und Gewerkschaften.
Hintergrund: Der BEV-Anteil in UK lag im Mai 2024 bei 27,3 Prozent – deutlich unter dem gesetzlichen Ziel von 33 Prozent für 2026. Um die Quote zu erreichen, müssten Hersteller massiv Preise senken. Bricht die Nachfrage ein, drohen Strafen. Die Gewerkschaft Unite warnte vor bis zu 11.000 Pfund (ca. 13.100 €) Bußgeld pro nicht konformem Fahrzeug.
Bedeutung für chinesische Hersteller
Für chinesische Marken in UK ist die Kehrtwende ein zweischneidiges Schwert. Einerseits könnten sie von der verlängerten Übergangsfrist profitieren, da sie weiterhin Hybride anbieten dürfen – MG hat mit dem EHS Plug-in-Hybrid ein Erfolgsmodell. Andererseits investieren BYD, NIO und XPeng (小鹏) massiv in reine Elektroautos und Ladestationen. Die abgeschwächte Quote könnte das Tempo der Elektrifizierung dämpfen und die Wettbewerbsvorteile der chinesischen BEV-Experten schmälern.
Die britische Ladeinfrastruktur-Branche reagierte schockiert. Vicky Read von ChargeUK warnte: „Das wird den Ausbau der Ladesäulen direkt stoppen." Auch Sustainable-Investment-Chef James Alexander sprach von einem „fatalen Signal an den Markt". Das britische Verkehrsministerium kündigte eine beschleunigte Überprüfung der Regelung noch für dieses Jahr an.
Diese Meldung betrifft die britische Regulierung und hat keine direkte Auswirkung auf den deutschen Markt. Chinesische Hersteller wie MG, BYD, Geely und NIO sind in Großbritannien präsent, aber nicht vom ZEV-Mandat in Deutschland betroffen. Allerdings beobachten deutsche Hersteller die Entwicklung genau, da ähnliche Diskussionen auch in der EU geführt werden.


