CATL: Festkörperbatterie-Start frühestens nach 2030
Der weltgrößte Batteriehersteller CATL (宁德时代) hat den Entwicklungsstand seiner Festkörperbatterie erstmals detailliert offengelegt. Chairman Robin Zeng erklärte auf einer Branchenkonferenz, dass die Technologie erst die vierte von insgesamt neun Entwicklungsstufen erreicht hat. Für eine vollständige Kommerzialisierung sei die neunte Stufe erforderlich. Die Aussage dämpft die Hoffnungen auf eine baldige Serienreife – und betrifft indirekt zahlreiche geplante Modelle deutscher Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, die auf CATL-Zellen setzen.
Zeng betonte, dass die gleichzeitige Optimierung technischer, sicherheitsrelevanter und kommerzieller Aspekte notwendig sei. Ingenieure müssten vor allem Probleme mit dem Kontaktwiderstand an den Grenzflächen und der Dichtigkeit der Gehäuse lösen, bevor eine großflächige Fertigung möglich ist. CATL investiere daher weiter in Grundlagenforschung, anstatt bereits Fabrikkapazitäten auszubauen.
Neue Definition: Weniger als 5 % Flüssigkeit
Die chinesische Regierung hat neue Richtlinien erlassen, die den Markt klarer strukturieren. Demnach gelten Akkus mit 5 bis 20 Prozent flüssigem Elektrolyt als Hybrid-Batterien. Erst wenn der Flüssigkeitsanteil unter 5 Prozent fällt, spricht man offiziell von einer Festkörperbatterie. Diese Abgrenzung verändert die Bewertung von Produktionsanlagen für Zulieferer: Bisherige Fertigungslinien für Lithium-Ionen-Batterien müssen nur zu weniger als 10 Prozent umgerüstet werden, um Hybrid-Packs zu bauen. Der ursprünglich prognostizierte Maschinenmarkt von ca. 7,6 Milliarden Euro (ca. 59,2 Milliarden Yuan) bleibt daher vorerst ungenutzt.
Wettbewerber unterschiedlich weit
Die Entwicklungsroadmaps der Wettbewerber zeigen unterschiedliche Zeitpläne. CATL-Chefwissenschaftler Wu Kai peilt an, bis 2027 Stufe 7 oder 8 zu erreichen, um Pilotprojekte zu ermöglichen. Dongfeng Motor dagegen will bereits Ende 2026 ein fortschrittliches Batteriepaket in Serie produzieren – mit einer Zielreichweite von 1.000 km (CLTC) – entspricht ca. 850 km (WLTP-Schätzwert). Allerdings wird es sich dabei voraussichtlich um eine Hybrid-Architektur handeln, nicht um eine echte Festkörperchemie, um thermische Stabilität zu gewährleisten.
Markt bleibt konventionell
Die aktuellen Produktionszahlen belegen die Dominanz der herkömmlichen Lithium-Ionen-Chemie: Im Mai 2026 wurden in China Batterien mit einer Gesamtkapazität von 71,9 GWh verbaut (+25,9 % gegenüber Vorjahr). Die Verteilung zeigt:
- LFP (Lithium-Eisenphosphat): 58,4 GWh (81,2 % Marktanteil)
- NMC (Nickel-Mangan-Cobalt): 13,4 GWh (18,6 % Marktanteil)
Dieses etablierte System macht deutlich, warum eine großflächige Integration von Festkörperbatterien ein Ziel nach 2030 bleibt.
CATL betreibt bereits ein Werk in Arnstadt/Thüringen und baut eine zweite Fabrik in Ungarn. Die Verzögerung bei der Festkörperbatterie-Technologie bedeutet, dass europäische Kunden weiterhin auf konventionelle Lithium-Ionen-Akkus (LFP/NMC) und schrittweise Hybrid-Batterien angewiesen sein werden. Ein Marktstart von reinen Festkörperzellen in Europa ist vor 2032 nicht zu erwarten.


