XPeng GX: Fullsize-SUV ab 34.500 € – 24.863 Bestellungen
„Der Markt tobt? Wir toben zurück!“ Mit diesen Worten präsentierte He Xiaopeng, CEO von XPeng (小鹏), am 20. Mai den neuen GX – und legte eine Preissprengkraft hin, die an die frühen Erfolge des Herstellers erinnert. Anders als beim G9-Debakel 2022, als zu viele Varianten und ein überhöhter Preis den Start vermasselten, setzt XPeng diesmal früh auf Kampfpreise.
Der GX wird in drei Antriebssträngen (EREV und BEV) mit insgesamt vier Ausstattungslinien angeboten. Die Preise nach einem sofortigen Rabatt von 10.000 Yuan (ca. 1.280 €) bis zum 30. Juni: Die Einstiegsversion kostet nun ca. 34.500 € (269.800 Yuan), die Topvariante ca. 46.000 € (359.800 Yuan). In der Vorbestellungsphase lag der Höchstpreis noch bei ca. 51.200 € (399.800 Yuan). Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Die Rechnung ging auf: Binnen zwölf Stunden nach Verkaufsstart gingen 24.863 feste Bestellungen ein – rund die Hälfte entfällt auf das Ultra-Flaggschiff. Das stellt laut XPeng einen Rekord für SUV in dieser Klasse dar.
Technische Daten und Ausstattung
Der GX ist ein Fullsize-SUV mit den Maßen 5.265 mm × 1.999 mm × 1.800 mm (L×B×H) und einem Radstand von 3.115 mm – er liegt damit auf Augenhöhe mit dem Li Auto L9. Das Design zeigt durchgehende Lichtleisten und sogenannte „Bootsdeck-Linien“. Serienmäßig an Bord sind ein 17,3-Zoll-Zentraldisplay, ein 88-Zoll-AR-Head-up-Display und eine Kühlbox. Höhere Ausstattungen bringen einen 21,4-Zoll-Bildschirm für die Fondpassagiere, AI-gestützte persönliche Assistenten und Liegesitze für die zweite Reihe.
In Sachen Antrieb bietet XPeng zwei Varianten:
- EREV (Range Extender mit Generator): 1,5‑Liter-Turbobenziner + zwei Elektromotoren, 63,3‑kWh‑Akku. Rein elektrische Reichweite: 430 km (CLTC) – entspricht ca. 365 km (WLTP-Schätzwert). Kombinierte Reichweite: 1.585 km (CLTC).
- BEV (rein elektrisch): Zwei Elektromotoren mit 430 kW (585 PS) Systemleistung und 750 Nm Drehmoment. Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,5 s. Akku: 110 kWh, Reichweite 750 km (CLTC) – entspricht ca. 638 km (WLTP-Schätzwert).
Anmerkung: CLTC (chinesischer Verbrauchszyklus) liegt typischerweise 10–15 % über dem europäischen WLTP.
Fahrassistenz und Sicherheit
Autonomes Fahren ist die Kernkompetenz von XPeng. Der GX ist serienmäßig mit einem AI-Chip von Inceptio ausgestattet, je nach Variante mit unterschiedlicher Rechenleistung:
- MAX: 1 Inceptio-Chip + VLA (Vision-Language-Action) der zweiten Generation.
- Ultra SE: 2 Chips + VLA.
- Ultra/Flaggschiff: 3 Chips, insgesamt bis zu 3.000 TOPS, unterstützt VLA der zweiten sowie VLM (Vision-Language-Model) Multimodalmodell.
Die zweite Generation des VLA wird ab Softwareversion 6.2.0 auch für ältere XPeng-Modelle per Update ausgeliefert – zunächst Autobahn- und Stadtpilot-Funktionen. Im August soll Version 6.3 erscheinen.
Für die passive Sicherheit setzt XPeng auf eine vordere Druckgussstruktur, gefertigt mit einer 16.000-Tonnen-Gießpresse (16.000T). Diese verleiht der Karosserie eine Torsionssteifigkeit von 56.000 Nm/Grad – ein Spitzenwert im Segment. Zusätzlich schützen elf Airbags die Insassen.
Erstmals verbaut ist ein „All-Weather-Sicherheitssystem“ mit Funktionen wie AES (Autonomous Emergency Steering) bei Schnee, Reifen-Luftdruck-Überwachung, automatischem Notruf bei Reifenschäden, Wasserwadenhöhe bis 700 mm und 12 Sensoren für Totwinkel und Querverkehr. Ein „Fahrerausfall-Assistenzsystem“ erkennt medizinische Notfälle und leitet automatisch eine Kette aus Warnung, Stabilisierung, Parken und Notruf ein.
Fahrwerk und Konkurrenz
Der GX wird serienmäßig mit der „Flaggschiff-Luftfederung“ ausgeliefert, die vollautomatisch die Höhe reguliert und mit hydraulischen Bremsen sowie einer verstärkten Vorderradaufhängung (Doppelquerlenker, H‑Schwinge) kombiniert wird. Die Ultra-Flaggschiff-Variante erhält eine aktive Hinterachslenkung: Diese ermöglicht eine Reduzierung des Wendekreises um 0,6 m – auf engem Raum manövriert der große SUV damit fast wie ein Kleinwagen.
XPeng positioniert den GX im Segment zwischen 250.000 und 400.000 Yuan (ca. 32.000–51.000 €) – ein Bereich, der derzeit weniger umkämpft ist als der darüber liegende 500.000‑Yuan‑Markt. Direkte Konkurrenten sind unter anderem der Li Auto L9, AITO M9 und NIO ES8. Gegenüber diesen hebt sich der GX durch sein starkes Technologie-Paket (AI‑Fahrassistenz, AR‑HUD, 800‑Volt‑Architektur) und den aggressiven Preis ab.
Allerdings könnte der GX das Schwestermodell G9 kannibalisieren: Der GX bietet mehr Platz, serienmäßig Luftfederung, Lederpolster, das 88‑Zoll‑HUD und das Fahrerausfall-System – und das für nur rund 30.000 Yuan (ca. 3.840 €) Aufpreis gegenüber der G9‑Basis. Die G9‑Verkäufe sind bereits auf unter 1.000 Einheiten pro Monat gefallen. XPeng muss nun eine klare Modellhierarchie finden.
Ausblick
XPeng kündigte an, dass die Robotaxi‑Version des GX im zweiten Halbjahr auf den chinesischen Straßen getestet wird. Die gesammelten Daten sollen auch in das Fahrerassistenzsystem des zivilen GX einfließen. Der Kampf im Fullsize‑SUV‑Segment wird härter: Neben etablierten Modellen von Li Auto, NIO, AITO und Voyah bringen Hersteller wie Leapmotor, Dongfeng (Voyah V9X) und Geely (Zeekr) neue Konkurrenten zwischen 150.000 und 500.000 Yuan (ca. 19.000–64.000 €). XPeng hofft, mit dem GX in dieser „Blutzoll“-Phase die Nase vorn zu haben.
Der XPeng GX ist bislang nur für den chinesischen Markt angekündigt. Ein Marktstart in Europa oder Deutschland ist weder bestätigt noch absehbar.

