Huawei ADS 5 vs. ADS 4.1: Eingriffsquote sinkt auf 0,1 %
Huawei (华为) hat sein Fahrassistenzsystem Qiankun ADS in der Version 5.0 vorgestellt — kurz vor der Auto China (Peking Auto Show, eine der größten Automessen der Welt) im April 2026. Anders als bei einem neuen Auto geht es hier nicht um Blech und Batterie, sondern um Software: Wie souverän fährt das System auf Autobahn und in der Stadt, und wie oft muss der Mensch eingreifen? Genau diesen Vergleich stellt der chinesische Technologiekonzern nun selbst an — ADS 5 gegen die bisherige Version ADS 4.1.
Qiankun ADS ist kein Modell eines einzelnen Herstellers, sondern eine Plattform, die in Fahrzeugen mehrerer chinesischer Marken steckt und per OTA-Update verteilt wird. Laut Huawei sollen bis Ende 2026 mehr als 80 Fahrzeugmodelle die passende Software-Version erhalten. Die Vorgängergeneration ADS 4 gab es in drei Stufen: Max, Pro und SE.
WEWA 2.0: neue Basis, vorausschauendere Entscheidungen
Technisch beruht ADS 5 auf der neuen Weltmodell-Architektur WEWA 2.0. Der Anspruch: Das System soll Situationen früher erkennen und vorausschauender reagieren. Statt im letzten Moment eine Lücke zu suchen, plant ADS 5 den Spurwechsel voraus — ähnlich wie ein erfahrener Fahrer, der schon vor dem Überholvorgang Tempo und Position abstimmt.
Bei ADS 4.1 wurde vor allem der Stadtpilot verbessert, das Pendant zum Stadt-Assistenten von Tesla FSD; ein Großteil der Spurwechsel lief bereits automatisch. In der Praxis blieben jedoch Schwächen sichtbar: Vor Kreuzungen oder Engstellen wurde das System zu zögerlich, bremste zu früh und ließ Lücken ungenutzt, die ein geübter Fahrer sofort erkannt hätte.
Von 98 auf 99,9 Prozent — und was das bedeutet
Der Kern der Verbesserung steckt in den Zahlen. Die Systemverfügbarkeit — also der Anteil der Fahrt, in dem das Assistenzsystem ohne Eingriff arbeitet — steigt laut Huawei von 98 auf 99,9 Prozent. Das klingt nach einem kleinen Schritt von 1,9 Prozentpunkten. Entscheidend ist aber die Gegenseite: Die Eingriffsquote fällt von rund 2 Prozent auf 0,1 Prozent. Musste der Fahrer zuvor statistisch noch regelmäßig übernehmen, ist ein Eingriff nun die seltene Ausnahme.
Huawei bewertet die Qualität nicht mehr nur an einzelnen Fahrten, sondern an mehreren Kennzahlen:
Diese Metriken zeigen, ob ein System wirklich reifer wird — oder nur in Einzelfällen glänzt.
Wo ADS 5 noch schwächelt
Fehlerfrei ist auch ADS 5 nicht. Die verbleibenden Kritikpunkte sind „gering, aber spürbar": Gelegentlich bremst das System zu defensiv, um auf der sicheren Seite zu bleiben. An manchen Kreuzungen wartet es länger als nötig, bevor es sich in den Verkehr einfädelt. Auch die Spurwahl wirkt nicht immer optimal.
Bemerkenswert ist der Ansatz dahinter: Statt großer Sprünge setzt Huawei auf kleine, häufige Korrekturen — eine schrittweise Annäherung an menschliches Fahrverhalten. Jede Version soll ein Stück näher an die Wahrnehmung und Reaktion eines erfahrenen Fahrers heranrücken, statt mit spektakulären Einzelfunktionen zu werben.
Fazit
Für deutsche Autofahrer bleibt die Technik vorerst ein Blick über den Zaun. Qiankun ADS zeigt dennoch, wohin die Reise beim assistierten Fahren geht: Nicht einzelne Showeffekte entscheiden, sondern Alltagsverfügbarkeit und eine möglichst niedrige Eingriffsquote. An genau diesen Werten werden sich künftig auch europäische Systeme wie der Mercedes-Benz Drive Pilot oder die Assistenzpakete von BMW und VW messen lassen müssen.
In Europa
Dieses System bzw. Modell ist in Europa aktuell nicht offiziell erhältlich. Eine Markteinführung wurde bislang nicht angekündigt.

