Changan strafft Avatr und Deepal: 30 Prozent Kosten sparen
Changan (长安) hat offiziell eine neue Einheit namens „AD Collaborative Development Department" gegründet, die die Mittel- und Backoffice-Abläufe der beiden New-Energy-Marken Avatr (阿维塔) und Deepal (深蓝) zusammenführt. Wie mehrere chinesische Medien berichten, soll die Zusammenlegung die Ressourcenallokation verbessern und Doppelinvestitionen abbauen. Der Name leitet sich aus den Initialen beider Marken ab.
Trotz der Umstrukturierung betont Changan, dass die Positionierung und die strategische Ausrichtung beider Marken unverändert bleiben und die Rechte der Kunden keinen Nachteil erfahren. Die neue Abteilung agiert als eigenständige Einheit erster Ebene innerhalb des Konzerns und bündelt Ressourcen in Forschung und Entwicklung, Lieferkette, Fertigung sowie Verwaltung. Changan rechnet dadurch mit Kostensenkungen von 20 bis 30 Prozent.
Front bleibt getrennt, Backoffice wird geteilt
Während das Vordergrundgeschäft — also Markenimage und Vertrieb — weiterhin eigenständig geführt wird, wird das Hintergrundgeschäft konsolidiert. Avatr übernimmt den Aufbau gemeinsamer Zentren für Design, Produktentwicklung und Plattformtechnologie, die beide Marken bedienen. Deepal soll seine internen Geschäftsbereiche verschlanken.
Bei Avatr handelt es sich um Changan hochpositionierte Smart-EV-Marke, die aus der Partnerschaft mit Huawei und CATL („CHN") hervorgegangen ist. Das Modellportfolio reicht von ca. 25.600 € (ca. 200.000 Yuan) bis ca. 89.600 € (ca. 700.000 Yuan).Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Deepal ist dagegen die Volumenmarke für den breiten Markt und deckt eine Preisspanne von ca. 12.800 € (ca. 100.000 Yuan) bis ca. 38.400 € (ca. 300.000 Yuan) ab. Damit positionieren sich die beiden Marken auf klar unterschiedlichen Feldern — ihre Zusammenlegung betrifft vor allem die Kostenbasis, nicht das Produktangebot.
Gegensätzliche Marktentwicklung
Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich Avatr und Deepal sehr unterschiedlich entwickeln:
- Avatr: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden 27.619 Fahrzeuge ausgeliefert — ein Rückgang von 51,3 Prozent im Jahresvergleich. Die Marke kämpft mit Profitabilität und Absatzvolumen.
- Deepal: Im selben Zeitraum wurden weltweit 164.200 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 14,6 Prozent. Besonders stark: Die Exporte stiegen um 141 Prozent auf 35.800 Einheiten.
Changan führt daneben mit Nevo (启源) eine dritte New-Energy-Marke. Der Konzern verfolgt mit der Zusammenlegung von Avatr und Deepal das Ziel, bis 2030 gemeinsam mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen.
Börsengang von Avatr als offene Frage
Der Zeitpunkt der Umstrukturierung ist brisant: Avatr treibt einen Börsengang in Hongkong voran. Nach der erneuten Einreichung des Prospekts im Juni 2026 könnten die Aufsichtsbehörden die Stabilität der Organisationsstruktur und die geschäftliche Eigenständigkeit der Marke nach der Integration genauer prüfen.
In der chinesischen Branche mehren sich ohnehin Zeichen der Konsolidierung. Beobachter verweisen auf die Zusammenführung von FAW und GAC sowie jüngste Kooperationen zwischen Geely und NIO — ein Trend zu gebündelten Ressourcen, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen dürfte.
In Deutschland
Changan plant eine Expansion nach Europa, konkrete Deutschland-Pläne wurden bekannt gegeben, aber ein Marktstart steht noch aus.


