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XiaomiSinaVon 4 Min. Lesezeit

Dreame-Auto: Wie realistisch ist der Einstieg bis 2027?

Der Hausgerätehersteller Dreame will mit einer Luxus-Submarke ins Automobilgeschäft einsteigen. Bislang fehlen Serienfahrzeuge und eine realistische Technikbasis. Eine kritische Analyse der Pläne.

Dreame-Auto: Wie realistisch ist der Einstieg bis 2027?

Der chinesische Hausgerätehersteller Dreame (追觅) – bislang bekannt für Saugroboter und Küchengeräte – plant den Einstieg ins Automobilgeschäft. Unter der Submarke „Star Project" sollen ab 2027 erste Luxusfahrzeuge produziert werden. CEO Yu Hao sorgte im Mai 2025 mit über 120 Weibo-Beiträgen in zwei Tagen für Aufsehen, in denen er sich als einen von drei wahren Automobildesignern Chinas bezeichnete (neben Lei Jun von Xiaomi und Yu Chengdong von Huawei) und eine Billionen-Marktkapitalisierung bis 2028 ankündigte. Branchenbeobachter sehen Parallelen zur LeEco-Ära, in der PR-Inszenierung vor realer Produktion kam.

Zwischen PR-Show und Realität

Yu Haos offensive Selbstdarstellung folgt einem Muster: Je extremer die Behauptungen, desto größer die Aufmerksamkeit. Sein Projekt zielt auf das Ultra-Luxussegment – eine Nische mit hohen Margen, aber extremen Einstiegshürden. Auf der New York Auto Show im April 2025 zeigte Dreame ein Konzeptfahrzeug, das als Supersportwagen mit Raketenantrieb beworben wurde und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 0,9 Sekunden schaffen soll – deutlich ambitionierter als Teslas angekündigtes (aber nie produziertes) Roadster-Konzept. Kritiker halten diese Angaben für reine PR-Provokation; eine Serienfertigung gilt als extrem unwahrscheinlich. Im Gegensatz dazu setzt Huawes Luxusmarke Maextro auf solide Design- und Materialarbeit ohne übertriebene Versprechen.

Technik: Angekündigt, aber nicht belegt

Bislang hat Dreame kein einziges Serienfahrzeug ausgeliefert. Das Unternehmen setzt auf ein „Asset-light"-Modell mit Auftragsfertigung, ähnlich wie NIO (蔚来) und Li Auto (理想) in der Frühphase. Allerdings fehlen konkrete Angaben zum Fertigungspartner – ein entscheidender Unterschied zu den etablierten Startups. Zu den von Dreame genannten Technologien gehören:

  • Steer-by-Wire (elektronische Lenkung)
  • Lidar-Sensorik
  • Festkörperbatterie (Feststoffbatterie) – die genannte Zellkapazität von 60 Ah wird von Experten als unrealistisch für eine automobile Anwendung eingestuft; eine Serienproduktion bis 2027 gilt als „ausgeschlossen".

Selbst wenn diese Komponenten marktverfügbar sind, fehlt Dreame die nachgewiesene Kompetenz, daraus ein straßentaugliches Fahrzeug zu entwickeln.

Finanzierung: Viele Fragezeichen

Der Einstieg in die Automobilindustrie erfordert Milliardeninvestitionen. Huaweys Auto-Sparte (HIMA) investiert jährlich über 10 Mrd. Yuan (ca. 1,3 Mrd. €) und beschäftigt Tausende Ingenieure. Dreame hingegen ist nicht börsennotiert. Das Unternehmen behauptet, 2025 einen Umsatz von 40 Mrd. Yuan (ca. 5,1 Mrd. €) und einen Nettogewinn von 5,56 Mrd. Yuan (ca. 710 Mio. €) erzielt zu haben – letzterer basiert auf Eigenangaben. Analysten schätzen die Nettomarge auf unter 8 %, was für ein Autoprojekt nicht ausreicht.

Um Kapital zu beschaffen, hat Dreame Berichten zufolge mehrere Briefkastenfirmen gegründet, um lokale Staatsfonds aus Städten wie Jiaxing, Liuzhou und Yibin anzuziehen. Diese „Gießkannenstrategie" nutzt den Investitionsdruck regionaler Regierungen, ist aber nach dem Zusammenbruch von Neta (哪吒) – einem chinesischen EV-Startup – zunehmend risikoscheu. Parallel bereitet Dreame einen Börsengang an der STAR-Markt (Chinas Technologiebörse) vor, mit angepeiltem Listing 2027. Das Problem: Allein mit Haushaltsgeräten ist keine Marktkapitalisierung von einer Billion Yuan zu erreichen – das Autoprojekt dient sowohl als Kapitalverwendung als auch als Hebel für höhere Bewertungen.

Fazit: Ein gewagtes Unterfangen

Die größte Herausforderung für Dreame wird nicht die Technik, sondern die Serienproduktion sein. Neue Automarken erleben oft nach wenigen Monaten einen Nachfragerückgang („塌腰"-Effekt), der die Lieferkette belastet. Dreame hat zwar noch kein Serienfahrzeug, das Risiken birgt – verpasst aber auch die Chance, früh Markenvertrauen aufzubauen. Potenzielle Kunden im Luxussegment reagieren empfindlich auf überzogene PR-Versprechen von Gründern. Die Brücke von Haushaltsgeräten zu einem Premium-Auto ist extrem schwer zu schlagen. Die Geschichte von Faraday Future zeigt, wohin Ambition ohne solide Basis führt: Insolvenz nach jahrelangen Versprechungen. Dreame bewegt sich auf einem ähnlichen schmalen Grat.


Bislang gibt es keine offiziellen Pläne für eine Markteinführung von Dreame-Fahrzeugen in Europa oder Deutschland. Selbst bei erfolgreichem Marktstart in China ist eine Expansion nach Europa frühestens ab 2028 denkbar – vorausgesetzt, das Unternehmen überwindet die genannten Hürden. Die Chancen stehen derzeit jedoch gering.

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