Ex-Tesla-KI-Chef Karpathy zu Anthropic: Risiko für NIOs Autopilot?
Andrej Karpathy, eine der prägendsten Figuren im Bereich Künstliche Intelligenz, verlässt die Solo-Selbstständigkeit und schließt sich Anthropic an – dem Entwickler des KI-Modells Claude. Der 39-Jährige gab den Wechsel am 20. Mai auf Social Media bekannt. Karpathy war von 2017 bis 2022 bei Tesla (特斯拉) für das KI-Team verantwortlich und legte dort die Grundsteine für das Full Self-Driving (FSD) und den Autopiloten.
Nach seiner Tesla-Zeit kehrte er kurz zu OpenAI zurück, dem Unternehmen, das er 2015 mitgegründet hatte. 2024 verließ er OpenAI erneut, um mit Eureka Labs ein KI-basiertes Bildungsprojekt zu starten. Nun folgt der nächste Schritt: Bei Anthropic will er sich wieder der angewandten Forschung widmen, insbesondere der Weiterentwicklung großer Sprachmodelle.
Bedeutung für chinesische E-Auto-Hersteller
Karpathys Expertise im maschinellen Sehen ist für autonome Fahrfunktionen zentral. Sein Wechsel zu Anthropic könnte den Wettbewerb um KI-Assistenten in Fahrzeugen verschärfen – ein Feld, in dem auch chinesische Hersteller wie NIO (蔚来), XPeng (小鹏) und BYD (比亚迪) stark investieren. NIO arbeitet an einem Assistenzsystem namens NIO Pilot, BYD setzt unter anderem auf das hauseigene DiPilot-System. Anthropic könnte mit seinem Sprachmodell Claude künftig auch in Fahrzeuge integriert werden – ähnlich wie Konkurrenten aus China eigene KI-Assistenten in ihren E-Autos anbieten.
Karpathy ist nicht der erste OpenAI-Mitgründer, der zu Anthropic wechselt. Bereits zuvor hatten John Schulman und Durk Kingma diesen Schritt gemacht – Schulman verließ Anthropic allerdings nach sechs Monaten wieder. Dass nun ein so prominenter KI-Kopf wie Karpathy dazustößt, unterstreicht die Ambitionen von Anthropic, mit OpenAI aufzuholen – und könnte auch die chinesischen Auto-Startups unter Zugzwang setzen: Sie müssen ihre KI-Kompetenz weiter ausbauen, um im globalen Wettbewerb um intelligente Fahrzeuge nicht den Anschluss zu verlieren.
Der Wechsel hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf den deutschen Markt. Allerdings könnten die Fortschritte von Anthropic oder chinesischen Herstellern bei KI-Fahrassistenten indirekt auch die Entwicklungen bei VW, Mercedes oder BMW beeinflussen – etwa durch neue Wettbewerbsbedingungen bei autonomen Systemen der Stufe 2+ und 3.

