China EV News
Zurück
CheryD1EVVon 3 Min. Lesezeit

Chery-Export boomt: 50 % Auslandsanteil, aber Inlandsabsatz bricht ein

Chery erzielt bereits die Hälfte des Umsatzes im Ausland, während der chinesische Heimatmarkt um 19 % einbricht. Ein Branchenforum in Peking zeichnet ein Bild extremer Gegensätze – mit Folgen für den europäischen Markt.

Chery-Export boomt: 50 % Auslandsanteil, aber Inlandsabsatz bricht ein

Chery-Export boomt: 50 % Auslandsanteil, aber Inlandsabsatz bricht ein

Peking, 7. Juli 2025 – Die chinesische Autoindustrie steckt in einem historischen Umbruch. Während die Inlandszulassungen im ersten Halbjahr 2025 um rund 19 % fielen – der stärkste Rückgang seit über 20 Jahren – und die Branchengewinnmarge von 7,8 % (2017) auf 3,4 % schrumpfte, explodierten die Exporte: Im Mai 2025 legten sie im Jahresvergleich um 65 % zu. Auf einem geschlossenen Branchenforum der National School of Development der Peking-Universität warnten Analysten vor einer strukturellen Krise, präsentierten aber auch Lichtblicke.

Exportboom und Binnenkrise

Der frühere Vizedirektor des staatlichen Informationszentrums Xu Changming berichtete: „Die Inlandszulassungen sind im ersten Halbjahr 2025 um rund 19 % gefallen – der stärkste Rückgang seit über 20 Jahren. Die Branchengewinnmarge brach von 7,8 % (2017) auf rund 3,4 % ein." Der Rückgang bei Neuzulassungen ist so tief wie seit Jahrzehnten nicht. Gleichzeitig erreichten die Exporte im Juni 2025 einen Meilenstein: Erstmals übertrafen Elektroautos die Verbrenner-Exporte – trotz US-Zöllen von 100 % und EU-Antisubventionsabgaben. Besonders Chery (奇瑞) profitiert: Der Hersteller erzielt bereits knapp 50 % seines Umsatzes im Ausland und produziert in mehreren Weltregionen. BYD (比亚迪) plant Überseekapazitäten von rund 950.000 Fahrzeugen.

Strukturelle Verschiebung: Vom Export zur Internationalisierung

Die Branche vollzieht einen grundlegenden Wandel: Statt reiner Fahrzeugausfuhr setzen die Hersteller zunehmend auf lokale Fertigung und Markenaufbau. In Märkten wie Thailand, Chile, Australien und Russland stiegen die Marktanteile chinesischer Marken innerhalb von zwei bis drei Jahren von einstelligen auf 20–60 %. Die Wahrnehmung chinesischer Fahrzeuge in Bezug auf Verarbeitung, Intelligenz und Zuverlässigkeit sei inzwischen besser als die der lokalen Konkurrenz – ein Zeichen echter Wettbewerbsfähigkeit und nicht von Billigexporten, so Xu Changming.

L3-Regulierung: Verantwortung wechselt vom Menschen zum System

Ein entscheidender Einschnitt steht zum 1. Juli 2026 bevor: Die verbindliche L3-Norm für Autobahnen verlangt, dass das System bei einer Übernahmeaufforderung mindestens 10 Sekunden Reaktionszeit einräumen muss und in dieser Zeit die Verantwortung trägt. Damit wechselt die Haftung vom Fahrer auf das Fahrzeug. Branchenkenner erwarten, dass innerhalb von drei Jahren der Großteil der Fahrzeuge von L2+ auf L3/L4 springt. Die aktuellen Fahrzeugrechner mit 200–500 TOPS reichen dafür nicht aus – Experten schätzen, dass die benötigte Rechenleistung um das 10- bis 100-Fache steigen muss.

City-NOA: Penetration nach Preisklasse

Beim automatisierten Stadtverkehr (City-NOA) zeigt sich ein klares Preisgefälle: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2025 rund 1,8 Millionen Fahrzeuge mit City-NOA ausgerüstet. Die Top 3 (Huawei-Allianz mit AITO (问界) ca. 330.000 Einheiten, Tesla ca. 250.000, führende Drittanbieter ca. 220.000) kommen zusammen auf weniger als die Hälfte. In der Preisklasse über 200.000 Yuan (ca. 25.600 €*) liegt die Penetrationsrate von City-NOA bei über 50 %, im Bereich 100.000–200.000 Yuan (ca. 12.800–25.600 €) steht sie noch am Anfang, unter 100.000 Yuan (ca. 12.800 €) bei nur 1 %. Die Technologie verbreitet sich also erst in den höheren Segmenten.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Ausblick: „Der wahre Drache ist noch nicht auf dem Tisch"

Pang Yicheng, CEO des Branchendienstes D1EV und Gründer des Autonomous Driving Competition, warnte: „Derzeit spielen zehn bis fünfzehn Hersteller mit. Aber BYD, Changan, GAC und andere entwickeln eigene Systeme. Der wahre Drache könnte noch gar nicht auf dem Tisch liegen." Er verwies auf Internetriesen wie ByteDance oder Alibaba, die in die physikalische KI einsteigen könnten. Die endgültige Wettbewerbslandschaft sei noch nicht absehbar.


Chery ist in Deutschland noch nicht mit eigenen Modellen vertreten. Die Submarke Omoda bereitet jedoch den Markteintritt vor. Der Artikel zeigt die generelle Entwicklung chinesischer Hersteller, die auch für den deutschen Markt relevant ist: Exportboom, sinkende Inlandsnachfrage und technologische Sprünge bei ADAS und L3.

CheryElektroautoMarktanteil