China-Exportboom 2025: Chery dominiert mit 70 % Exportquote
Die am 8. und 9. Juli 2025 vorgelegten Daten des chinesischen Automobilverbands und der Pkw-Vereinigung zeichnen ein ernüchterndes Bild des Heimatmarktes. Im Juni brachen die Inlandsverkäufe von Pkw um 26,4 % auf 1,497 Millionen Einheiten ein. Besonders hart traf es Verbrenner: Mit nur 490.000 verkauften Fahrzeugen halbierte sich der Absatz nahezu (minus 49,9 %). Über das erste Halbjahr summiert sich der Rückgang der Verbrenner auf 31,9 % – ein Wert, der durch weniger starke Einbrüche in den Vormonaten zustande kommt. Insgesamt wurden von Januar bis Juni 8,288 Millionen Pkw verkauft (minus 24,3 %), davon entfielen 3,694 Millionen auf Verbrenner.
Auffällig: Die Großhandelszahlen der Hersteller fielen weniger drastisch aus, was auf hohe Lagerbestände bei den Händlern hindeutet. Besonders Joint-Venture-Marken mit starkem Verbrenner-Fokus spüren den Druck.
Warum sinken die Verbrenner-Verkäufe? Ölpreis ist nicht der Hauptgrund
Eine verbreitete Erklärung – der hohe Ölpreis – greift zu kurz. Zwar stieg der Rohölpreis im März 2025 nach geopolitischen Spannungen kurzzeitig über 100 US-Dollar pro Barrel, doch seit Juni fällt er wieder und liegt im Juli unter 70 US-Dollar. Die Verbrenner-Nachfrage erholt sich jedoch nicht. Der wahre Grund ist ein struktureller Nachfragewandel: Immer mehr Käufer wechseln zu Elektroautos – auch ohne staatliche Kaufprämie (die Ende 2024 auslief). Die Neuwagenkäufer haben ihre Präferenz dauerhaft verschoben, so das Feedback von Händlern.
BEV wachsen, EREV verliert klar
Die New-Energy-Vehicles (NEV) stemmen sich gegen den Gesamttrend. Im Juni stiegen die Verkäufe reiner Elektroautos (BEV) um 26,9 %, Plug-in-Hybride (PHEV) um 18,1 %. Dagegen brachen Range-Extender (EREV) um 25,2 % auf nur 94.000 Einheiten ein. Der einstige Verkaufsvorteil – „keine Reichweitenangst" – schwindet, da immer mehr BEV mit 800-Volt-Architektur, schnellem Laden und wachsender Ladeinfrastruktur aufwarten. Langfristig droht EREV sogar von Feststoffbatterien verdrängt zu werden.
Exporte schießen in die Höhe – Chery ist Spitzenreiter
Während der Heimatmarkt schwächelt, explodieren die Exporte: Im ersten Halbjahr 2025 verließ China 5,096 Millionen Fahrzeuge (plus 65,3 %), davon 4,432 Millionen Pkw. Allein im Juni waren es 1,037 Millionen Fahrzeuge. Spitzenreiter ist Chery (奇瑞), dessen Exportquote bei 70 % des eigenen Absatzes liegt – ein neuer Rekord für einen chinesischen Hersteller. Dahinter folgt Geely mit einem Exportplus von 150 %. Mit dieser Dynamik könnte China 2025 die Marke von zehn Millionen exportierten Fahrzeugen knacken und damit den bisherigen Rekord Japans aus dem Jahr 1985 (6,85 Millionen) deutlich übertreffen.
Die chinesische Industrie profitiert von ihrer kompletten Lieferkette – von Rohstoffen über Batterien bis zur Software. Die EU-Zölle auf chinesische E-Autos bremsen den Trend nur kurzfristig: In Drittmärkten ohne heimische Hersteller zählen vor allem Effizienz und Preis.
Ein überraschender Nebeneffekt: In Ländern mit instabilem Stromnetz nutzen Kunden die großen Bordbatterien chinesischer E-Autos als mobile Energiespeicher. Die standardmäßige Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) macht das Auto zur Notstromversorgung für Haushalt und Gewerbe – ein starkes Verkaufsargument.
Ausblick: Verbrenner verlieren endgültig die Dominanz
Der chinesische Markt fungiert als globaler „Testballon" für die Elektromobilität. Der Verbrenner-Anteil ist bereits unter 30 % gefallen, Branchenkenner erwarten langfristig einen Boden bei 20 %. Nur in Spezialsegmenten wie extremem Gelände oder Kälte haben Verbrenner noch Vorteile. Der Trend ist unumkehrbar – und die Exporte federn die Inlandsschwäche nahtlos ab.
Der Artikel beschreibt die allgemeine Marktentwicklung in China. Chery (奇瑞) ist in Europa mit den Modellen Omoda und Jaecoo vertreten, die vor allem in Südeuropa und Osteuropa angeboten werden. Ein Marktstart weiterer Chery-Modelle in Deutschland ist für 2025/2026 erwartet.

