Xiaomi Auto: 80.000 Auslieferungen in Q1, Verlust von 3,1 Mrd. Yuan
Xiaomi (小米) hat am 26. Mai 2026 den Quartalsbericht des Mutterkonzerns vorgelegt: Die Automobilsparte erwirtschaftete im ersten Quartal 19 Mrd. Yuan (ca. 2,4 Mrd. €) Umsatz, musste aber einen operativen Verlust von 3,1 Mrd. Yuan (ca. 400 Mio. €) hinnehmen. Hinweis: Alle Preisangaben beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Die Auslieferungen stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,6 % auf 80.856 Fahrzeuge. Der Geschäftsbereich „Innovative Geschäfte" (E-Autos und KI) trug mit 19,9 Mrd. Yuan (ca. 2,55 Mrd. €) über 20 % zum Gesamtumsatz der Xiaomi Group bei. Die Bruttomarge der Autosparte lag bei 20,1 % – belastet durch höhere Komponentenpreise und den Wegfall der staatlichen EV-Kaufprämie.
Modelle und Auslieferungen
Der SU7 bleibt der Verkaufsschlager: Innerhalb von 48 Tagen nach Marktstart gingen über 80.000 Bestellungen ein. Im Segment der rein elektrischen Limousinen ab umgerechnet 20.000 Euro belegt das Modell den ersten Platz. Auch der SUV YU7 rangiert auf Platz zwei der Verkaufsstatistik. In den ersten vier Monaten 2026 wurden bereits 109.000 Fahrzeuge ausgeliefert – knapp 20 % des Jahresziels von 550.000 Einheiten.
Die Werke in Peking (Phase 1, 2 und die neue Fabrik 3) sowie das neue Werk in Wuhan produzieren auf Hochtouren. Die Gesamtkapazität soll 2026 auf über 600.000 Fahrzeuge steigen. CFO Lin Shiwei bestätigte in der Telefonkonferenz das Auslieferungsziel von 550.000 Einheiten und kündigte für die zweite Jahreshälfte weitere innovative Modelle an. Gerüchte über ein großes SUV namens „YU9" wies Xiaomi-Präsident Lu Weibing zurück – das Fahrzeug trage einen anderen Namen und werde noch 2026 mit vielen Neuerungen auf den Markt kommen.
Technologie: KI-Modelle und autonomes Fahren
Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Konzerns stiegen im Q1 um 33,4 % auf 9 Mrd. Yuan (ca. 1,2 Mrd. €). Über 26.000 Mitarbeiter arbeiten an KI und vernetzter Mobilität. Im März stellte Xiaomi die kognitive KI-Architektur XLA vor; der neue SU7 wird ab Werk damit ausgeliefert. Diese Plattform markiert den Übergang von „Wahrnehmung und Nachahmung" zu „Verstehen und logischem Schlussfolgern" beim autonomen Fahren. Im Mai folgte die Open-Source-Veröffentlichung des KI-Modells Xiaomi OneVL, das VLA, Weltmodelle und latente Raumlogik in einem System vereint. Die Latenzzeit des Modells beträgt nur 0,24 Sekunden – 5,4 % der herkömmlichen VLA-Verarbeitung –, was eine Echtzeitnutzung im Serienfahrzeug ermöglicht.
Das firmeneigene KI-Modell Xiaomi MiMo-V2.5-Pro erreichte im Artificial Analysis Benchmark den ersten Platz unter Open-Source-Modellen. Xiaomi treibt damit die KI-Integration über Smartphone, Auto und Smart Home hinweg voran – ein systemischer Technologieverbund.
Internationale Expansion: Ab 2027 in Europa
Auf der Auto China 2026 (Peking Auto Show) präsentierte Xiaomi die Arbeit des im März 2025 in München gegründeten europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Das Team rekrutiert sich aus Ingenieuren und Designern von BMW, Porsche, Lamborghini, Mercedes-Benz und anderen Top-Herstellern. Der Markteintritt in Europa ist für 2027 angekündigt, die erste Station ist Deutschland.
CTO Hu Zhengnan erläuterte die Strategie: „Europa ist unser erster Zielmarkt, weil wir vor Ort die Bedürfnisse, Gewohnheiten und regulatorischen Anforderungen europäischer Kunden präzise verstehen müssen. Zudem bietet Europa die dichteste Konzentration an Hochleistungs- und Luxusfahrzeug-Ingenieuren weltweit." Im Rahmen der Quartalskonferenz ergänzte Präsident Lu Weibing: „Die Auslandserschließung folgt dem auf der Investorenkonferenz kommunizierten Zeitplan – Start im dritten oder vierten Quartal 2027. Die Strategie lautet: zuerst entwickelte Länder, dann Schwellenländer; zuerst Oberklasse, dann Mitteklasse; zuerst Linkslenker-Märkte, perspektivisch auch Rechtslenker-Märkte."
Ein erstes Aushängeschild dieser Globalisierungsstrategie ist der YU7 GT, der mit intensiver Beteiligung des europäischen Entwicklungszentrums entstand. Mit einer Rundenzeit von 7:22,755 Minuten auf der Nordschleife des Nürburgrings unterbot er den bisherigen SUV-Rekord.
Ausblick
Im ersten Quartal 2026 legte die Auto-Sparte von Xiaomi bei Umsatz und Auslieferungen zu, bleibt jedoch operativ im Minus. Die Bruttomarge von 20,1 % zeigt grundsätzlich gesunde Herstellkosten, doch Vertriebs-, Verwaltungs- und Entwicklungskosten drücken das Ergebnis. Das Jahresziel von 550.000 Auslieferungen erfordert in den verbleibenden drei Quartalen eine deutliche Steigerung. Die technologische Basis – XLA, OneVL und das europäische Entwicklungszentrum – schafft jedoch eine solide Grundlage für die nächste Wettbewerbsphase.
Die Expansion nach Europa ist für 2027 angekündigt. Xiaomi hat ein Forschungszentrum in München aufgebaut und bereitet den Markteintritt in Deutschland vor. Ob die Modelle SU7 und YU7 auch offiziell nach Deutschland kommen, ist noch nicht bestätigt. Der YU7 GT hat mit einer Rekordrunde auf dem Nürburgring bereits ein Ausrufezeichen gesetzt.

