Auto China 2026: 181 Weltpremieren in Peking
Rekordbeteiligung: Doppelhallen und 1451 Aussteller
Die 18. Auto China (北京车展) findet vom 24. April bis 3. Mai 2026 erstmals im „Doppelhallen“-Format statt. Auf 380.000 Quadratmetern – fast doppelt so viel wie 2024 – präsentieren sich 1451 Aussteller aus 21 Ländern. 181 Weltpremieren sind angekündigt, ein neuer Rekord. Die Messe fällt in eine entscheidende Phase: 2025 wurden in China 16,6 Millionen New Energy Vehicles (NEV) verkauft, der Marktanteil kletterte auf 47,9 %. Elf Jahre in Folge ist China nun der größte Automarkt der Welt. Der Messestandort wechselt zwischen dem China International Exhibition Center (Shunyi) und dem New China International Exhibition Center (Chaoyang) – ein logistischer Kraftakt.
Chinesische Marken: 9er-Flaggschiffe und 1-MW-Laden
In Halle E3 zeigt die BYD-Gruppe geballte Power: BYD (比亚迪), Denza, Yangwang und Fangchengbao präsentieren eine neue Flaggschiff-SUV-Baureihe mit der zweiten Generation der Blade-Batterie. Das System unterstützt Superschnellladung mit über 1 MW – von 10 auf 97 % in rund neun Minuten. BYD spricht von „5 Minuten laden, 9 Minuten voll“ und setzt damit neue Maßstäbe bei der Ladegeschwindigkeit.
Im Premium-Segment über 300.000 Yuan liefern sich die New-Age-Marken ein Kopf-an-Kopf-Rennen:
- Li Auto L9 Livis: Das überarbeitete Flaggschiff startet bei ca. 71.700 € (ca. 559.800 Yuan). Angetrieben vom hauseigenen Mach-100-Chip (2560 TOPS) legt es die Basis für Stufe-3-autonomes Fahren. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
- AITO M9: Erstmals mit sechs Millimeterwellen-Radaren und dem Huawei ADS 5-System ausgestattet.
- NIO ES9: NIO (蔚来) zeigt die neue Generation seiner Luxus-SUV-Baureihe und gibt Einblicke in die Europa-Strategie.
- XPeng GX: Das neue Flaggschiff-SUV verfügt über Hardware, die bereits Stufe 4 unterstützt. Zudem feiert der Vision GT Concept Weltpremiere.
- Stelato, Luxeed, Maextro: Die Marken der HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance) – AITO, Luxeed, Stelato und Maextro – belegen einen Großstand. Huawei selbst präsentiert die Chauffeur-Plattform ADS 5, die nach eigenen Angaben „Sicherheit und Durchschnittsgeschwindigkeit revolutioniert“.
Zusätzlich gibt es Premieren von XPeng X9 („Blutregeneration“) und Vision GT7, beide mit L3/L4-Fähigkeiten. Auch das neue Offroad-Label „Yunhai“ debütiert.
Ausländische Marken: China-Adaption als Schlüssel zum Erfolg
Ausländische Hersteller, deren NEV-Marktanteil unter 50 % liegt, nutzen die Messe für eine Elektro-Offensive. Volkswagen zeigt den ID. ERA 9X, ein Top-SUV auf neuer Plattform, ab ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan). Ausgerüstet mit Momenta-Fahrassistenz und Range-Extender erreicht er eine elektrische Reichweite von 400 km (CLTC) – entspricht ca. 340 km (WLTP-Schätzwert) – und eine Gesamtreichweite von 1651 km. Mercedes-Benz bringt den neuen GLC L mit 800-Volt-Architektur und einer CLTC-Reichweite von bis zu 703 km – ca. 598 km WLTP. BMW zeigt den iX3 auf neuer 800-Volt-Plattform mit 900 km CLTC (ca. 765 km WLTP) und Momenta-System für Autobahn- und City-NOA.
Besonders interessant: Audi hat den A6L (Verbrenner) erstmals mit dem Huawei Qiankun ADAS-System ausgestattet – ein Joint Venture mit Momenta für die lokale Fahrassistenz-Entwicklung. Analysten sehen darin eine Verschiebung der Entwicklungsverantwortung: „Speziell für den chinesischen Markt entwickelte Modelle gewinnen die Oberhand“, so die CICC-Research. Die CEA-Architektur (Central Electronic Architecture) reduziert die Entwicklungszeit auf 18 Monate und wird zum neuen Standard.
L3-Autonomes Fahren: 2026 als Wendepunkt
Huawei steht im Zentrum der intelligenten Fahrassistenz. Der Qiankun-System hat bereits über 10 Milliarden Kilometer Fahrdaten gesammelt. Auf dem Messestand in Halle E3 (4400 qm) sind über 20 Modelle mit Qiankun-Technik zu sehen, darunter Lixiang Z7, Vision GT7, BYD OCEAN-M 06T und XPeng X9. Huawei Auto CEO Jin Yuzhi betont, dass ADS 5 „Sicherheit und Durchschnittsgeschwindigkeit auf ein neues Niveau hebt“.
2026 gilt als entscheidendes Jahr für die Skalierung von L3. Cui Dongshu, Generalsekretär der Pkw-Abteilung der China Passenger Car Association, erklärte: „Die Pekinger Messe wird belegen, dass L3-autonomes Fahren in Serie geht. Fahrzeuge zwischen 200.000 und 300.000 Yuan (ca. 25.600 bis 38.400 €) werden künftig serienmäßig L3 bieten. Einige Hersteller setzen aber auch auf Komfortfeatures wie Kühlbox, Bildschirme und Liegesitze, während andere mit Fahrassistenz auf dem neuesten Stand punkten.“
XPeng und Li Auto legen vor: Der GX hat L4-Hardware vorninstalliert, der L9 ist mit 2560 TOPS-Chip L3-ready. Auch Geely präsentiert eine Robotaxi-Studie mit L4-AI-Architektur. Laut Gaogong Industry Research erreichte der chinesische Markt für autonomes Fahren 2025 rund 62 Milliarden Euro (ca. 483 Milliarden Yuan) – für 2026 werden knapp 66 Milliarden Euro erwartet. L2+ wuchs um 33,7 %, Robotaxi sogar um 74 %.
Zulieferer rücken in den Fokus: Erstmals eigene Messehallen
Erstmals beziehen Zulieferer wie Bosch, Continental, Huawei, CATL und Horizon Robotics eigene Hallen – W4 (Gemeinschaftsstände) und B3 (Einzelaussteller). Das unterstreicht den Wandel: „Es geht nicht mehr nur um Karosserie und Motor, sondern um Chips, Algorithmen und Ladeinfrastruktur“, so Branchenexperte Mao Changqing. „Chinas Automobilindustrie zeigt ihre globale Führungsrolle in der gesamten Lieferkette.“
Die Verschiebung der Marktanteile wird sich fortsetzen: Analysten prognostizieren, dass chinesische Marken bis 2030 einen Marktanteil von 70 % erreichen – ein 70:30-Verhältnis zu ausländischen Herstellern. Der Wettbewerb werde nicht länger auf reine Preissenkungen setzen, sondern auf eine Kombination aus Preis, Marke und Technologie.
Preiskampf und technologische Differenzierung
2026 begann mit einem intensiven Preiskampf, der als „grabenkämpferisch“ beschrieben wird. Doch Cui Dongshu warnt: „Blutige Preiskämpfe werden sich nicht auf Dauer halten. Die Zukunft gehört der Kostensenkung durch technologischen Fortschritt.“ Laut chinesischem Automobilverband erreichten die Auslieferungen 2025 34,4 Millionen Einheiten (+10,4 %), der 17. Platz in Folge weltweit. Chinesische Marken hielten 69,5 % Marktanteil bei Pkw, ein Plus von 4,3 Prozentpunkten. Mao Changqing ergänzt: „Bei einem Pro-Kopf-BIP von über 10.000 US-Dollar steigen die Ansprüche der Verbraucher. Die Elektromobilität und Intelligenzpunkte treiben die Marke ‚Made in China‘ nach vorne – auch global.“
Die Auto China 2026 ist mehr als eine Produktschau: Sie ist ein globaler Branchengipfel. Mit 181 Weltpremieren, 380.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, dem Aufstieg von L3 und der Öffnung der Zulieferer-Hallen wird deutlich: China definiert den Automobilbau neu – technologisch, strategisch, wirtschaftlich.
Alle genannten Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen. CLTC-Werte sind typischerweise 10–15 % höher als WLTP-Werte.
Die Messe findet in Peking statt. Viele der gezeigten Technologien (800V, L3-Systeme, Megawatt-Laden) werden auch für den europäischen Markt relevant sein – einige Modelle wie der VW ID.ERA oder der BMW iX3 sind für Europa bestätigt. Deutsche Hersteller wie VW, Mercedes und BMW nutzen die Messe, um ihre China-Strategie zu kommunizieren.

