Auto China 2026: 181 Weltpremieren in Peking
Vom 24. April bis 3. Mai 2026 öffnet die Auto China (Peking Auto Show, eine der größten Automessen der Welt) ihre Tore. Unter dem Motto „Neue Ära, neue Zukunft“ präsentieren sich 1.451 Aussteller aus 21 Ländern auf einer Rekordfläche von 38.000 Quadratmetern. Das absolute Highlight: 181 Weltpremieren, darunter 117 neue Energiefahrzeuge (BEV, PHEV, EREV). Die Messe zeigt den Wandel der chinesischen Autoindustrie von der reinen Elektrifizierung hin zur Phase der intelligenten Vernetzung.
Chinesische Marken im Mittelpunkt
Die chinesischen EV-Startups (NIO, XPeng, Li Auto u. a.) und die Marken von BYD (比亚迪), AITO (问界) und Luxeed (智界) besetzen fast eine ganze Halle. BYD präsentiert einen neuen Oberklasse-SUV mit 1-MW-Schnellladung: 10 % auf 97 % in rund neun Minuten – das entspricht knapp fünf Minuten für 100 km Reichweite. Li Auto (理想) zeigt den überarbeiteten L9, die Version „L9 Livis“ startet im Vorverkauf ab ca. 71.700 € (ca. 559.800 Yuan)*. Das Modell verfügt über den selbst entwickelten Mach 100-Chip mit 2560 TOPS Rechenleistung. AITO bringt die überarbeitete M9 mit sechs Lidar-Sensoren und einem vollständig neu konzipierten Allrad-Antriebssystem. XPeng (小鹏) stellt mit dem X9 und dem GT7 zwei Weltpremieren – der X9 gilt als „Blutspender“ für die Huawei Qiankun-Architektur, die Hardware für L3-autonomes Fahren bereitstellt.
Ausländische Hersteller setzen auf lokale Technik
Volkswagen zeigt die strategische Studie ID.ERA 9X, ein großes SUV auf dem chinesischen Markt, ab ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan). Es nutzt die Fahrassistenzlösung von Momenta und bietet eine rein elektrische Reichweite von 400 km sowie eine kombinierte Reichweite von 1.651 km (EREV). Mercedes-Benz bringt den GLC L mit 800-Volt-Architektur und einem CLTC-Wert von 703 km – das entspricht ca. 598 km (WLTP-Schätzwert). BMW zeigt das iX3-Coupé auf der 800-Volt-Plattform mit CLTC 900 km (ca. 765 km WLTP). Beide deutschen Hersteller integrieren in zunehmendem Maße Technologien chinesischer Partner wie Huawei oder Momenta. Der neue Audi A6L als Verbrenner wird erstmals mit dem Huawei Qiankun-Fahrassistenzsystem ausgestattet – ein klares Signal, dass die Entwicklungskompetenz für den chinesischen Markt verstärkt lokalisiert wird.
Autonomes Fahren auf dem Sprung
Huawei Qiankun (乾崑智驾) meldet eine kumulierte Strecke von über 10 Milliarden Kilometern für seine intelligente Fahrfunktion. Auf der Messe stellt Huawei den ADS 5 vor, der sowohl auf Autobahnen als auch in Innenstädten vollständig autonomes Fahren (Stufe 2+) ermöglicht. Der chinesische Automobilverband sieht 2026 als das Jahr, in dem L3 (Stufe 3 autonomes Fahren nach SAE-Klassifikation) in Serie gehen wird – ein Experte kommentiert: „In Fahrzeugen zwischen 20.000 und 30.000 Euro werden L3-Funktionen zum Standard, und der nächste Wettbewerb dreht sich um intelligente Fahrassistenz.“ XPeng stellt mit dem GX ein SUV vor, dessen Hardware bereits L4-Autonomes Fahren unterstützt; Li Auto rüstet den L9 serienmäßig mit 2560 TOPS aus.
Das Marktforschungsinstitut Gaogong Industry Research prognostiziert für 2026 ein chinesisches Marktvolumen für autonomes Fahren von rund 480 Milliarden Yuan (ca. 61,4 Milliarden €). Die Robotaxi-Sparte wächst mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 74 %. Gleichzeitig drücken die chinesischen EV-Startups die Preise für intelligente Fahrassistenz: Die so genannte „Smart Driving Platform“ von BYD senkt die Kosten auf unter 10.000 Yuan (ca. 1.280 €) und bringt L2+-Funktionen in die Massenmärkte.
Rekordbeteiligung der Zulieferer
Erstmals treten Zulieferer in großem Stil als Aussteller auf. In den Hallen W4 und B3 zeigen Unternehmen wie Bosch, CATL, Horizon Robotics, iFlytek und andere ihre neuesten Technologien. Die Komponentenausstellung hat sich von „Einspritzung und Abgasnachbehandlung“ hin zu „autonomes Fahren, Elektroantrieb und intelligente Systeme“ gewandelt. Der stellvertretende Generalsekretär des chinesischen Automobilverbands betont: „Die Doppelhallen sind keine einfache Addition; sie repräsentieren die gesamte Wertschöpfungskette von Komponenten über Chips bis hin zu Ladestationen. Dieser Umfang ist weltweit einzigartig.“ *Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen. Reichweitenangaben in CLTC (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP); WLTP-Schätzwerte sind mit ×0,85 berechnet.
In Deutschland
Die Auto China 2026 findet in Peking statt und richtet sich primär an den chinesischen Markt. Viele der gezeigten Modelle chinesischer Hersteller wie BYD, NIO oder Li Auto sind bereits in Europa im Handel oder planen einen Markteintritt in den nächsten Jahren. Konkrete Deutschland-Termine für die meisten Weltpremieren stehen jedoch noch aus. Deutsche Autofahrer können davon ausgehen, dass einige der hier gezeigten Technologien (800-Volt-Schnellladung, intelligente Fahrassistenz) auch bald in Europa Einzug halten werden.

